Besinnliches

Es ist schwierig, jetzt im Blog einfach weiterzumachen, als sei nichts geschehen. Hiermit meine ich keine seelische Belastung oder so etwas, keine Trauer oder die Bewältigung derselben – dafür wäre ein Tagebuch sogar ideal – nein, all das Psychozeug meine ich gar nicht, sondern es erscheint mir schlicht schwierig im Angesicht der Sinnlosigkeit des eigenen Tuns, für das ein Tagebuch ja nur als eine Art Spiegel steht.

Eigentlich (wieder dieser unselige Begriff) sollte man nur im Hier und Jetzt verweilen, in der Gegenwart. Die Vergangenheit kann eine Zuflucht sein, ein virtuell ablaufender Film, ein Traum, in dem sich munter die vergangene Realität mit der Gegenwart und all den Interpretationen des Erlebten vermischt. Wenn man beispielsweise als Pflegefall lange im Sterben liegt, kann dieser Ort sehr nützlich sein und die Wartezeit verkürzen. In der Gegenwart eines funktionierenden Gehirns und eines noch einigermaßen intakten Körpers ist sie aber eher hinderlich für das Erleben der Zeit und ihrer Umstände.

Die Zukunft ist – als alter Trekkie weiß man so etwas, weil in „Star Trek” oft Shakespeare zitiert wird – ein unentdecktes Land. Sie macht jede Planung überflüssig. Um das zu wissen, braucht man aber keine Gelehrten, denn auch der Volksmund, die Schwarmintelligenz der Menschheit, bezeichnet die Zukunft treffend als „erstens kommt es anders und zweitens als man denkt”. Was bleibt, ist dann nur noch die Gegenwart.

Jedes Tier ist uns seelisch/psychisch haushoch überlegen, denn der Verzicht auf die Fähigkeit zur Reflektion mit all ihren im Laufe der Evolution verfeinerten Details, lässt ihm den eigentlichen biologischen Sinn des Seins einfach nur erleben, lässt ihn als gegeben hinnehmen ohne Kritik, ohne Nachfrage gewissermaßen.

Was erschaffen wir uns doch eine Menge Krücken, um der Ausweglosigkeit etwas entgegenzustellen. Von Religionen oder Philosophien bis hin zur Magie – die Kreativität zum Leugnen der Banalität des Lebens ist funkensprühend und wirklich großartig. Allein am Ende nutzlos – das heißt, wenn man ein geführtes Dasein in einer Täuschung, die uns als Krücke stützt und das Leben besser ertragbar macht, nicht doch als einen Nutzen betrachtet. Es sind spirituelle Drogen, die ja nicht zwingend schlecht sein müssen, verabreichen wir doch auch Anderen Opiate zum Ertragen oder Ausschalten der körperlichen Schmerzen am Lebensende. Also ich möchte niemandem die Religion nehmen, den Glauben an was auch immer. Wenn’s hilft, ist’s im wahrsten Sinne des Wortes wunderbar. Leider funktioniert das aber nicht bei mir.

Wie du siehst, heute geht’s ein wenig besinnlicher zu in den chaotischen heiligen Hallen meiner inneren und äußeren Behausung. Nichtsdestotrotz wünsche ich dir einen möglichst leichten und beschwingten Dienstag.

2 Kommentare
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Rika
Gast
1 Jahr zuvor

Wüstenzeit
so “höre” ich Deine Sätze…
Es ist kein billiger Trost, wenn ich sage, dass Wüstenzeiten nicht nur zum Leben dazugehören, sondern kostbare Momente bedeuten.
Die Wüste als spiritueller Ort – und über mir nur noch die Sterne – so habe ich es im Negev und auf dem Sinai erlebt, so erfahre ich die Wüstenzeit der Seele.