Die faule Stunde

Faulheit ist mein zweiter Vornahme. Gestatten, Georg Faulheit, Lot-Ma-Jon-Straße 1 in Faulmannshausen. Was haben Sie heute schon gemacht? Definiere Macht. Macht ist andere machen zu lassen. Da sind Sie richtig hier, machen Sie das mal.

Ernsthaft: vorhin habe ich lustlos und faul wie selten einen Verdampfer gewickelt und neu bewattet. Eigentlich wollte ich ihn nur bewatten, doch der Draht war mitsamt der Watte zu einem unlösbaren, schwarzen, steifen und teigartigen Brei verklumpt – sei froh, dass ich kein Foto davon gemacht habe, dazu war ich schlicht zu faul.

Während ich also neu wickelte, weichte der ebenfalls inwendig geschwärzte Verdampfer in einem Rüttelbad ein, was sogar nach 10 Minuten kaum eine farbliche Veränderung hervorbrachte und erst durch mehrmalige Wiederholungen des Machen-Lassens im elektrischen Ultraschallgerät den silbernen Edelstahl wieder zum Vorschein brachte. Doch zuvor während des Drahtwickelns wusste ich bereits: das wird nix, so schief und krumm gestaltete sich die nette Spirale. Egal, keine Lust, ich betrachte das Wickeln sowieso meist als notwendiges Übel, nur selten als Tätigkeit der Entspannung. „Es wird schon irgendwie gehen” zitierte ich gedanklich den ersten Lehrsatz aus dem Faulmanns-Lexikon.

Glühprobe, magisches Streichen mit Metall entlang der Wicklung: geht doch! Die Watte zwirbelte ich lustlos zwischen meinen Fingern und quetschte sie in die Wicklung hinein. „Viel zu stramm, das kann gar nicht funktionieren”, mahnte das Innere Ich, „ach, was weißt du schon vom Faulmanns-Genie”, schnippte ich zurück, während ich genervt aus der Wicklung doch wieder grob ein paar Fasern Watte herauszog.

Am Ende alles zusammengeschraubt – und seit einer Stunde genieße ich reichlich schmackhaften Dampf bei nur 6 Watt („Aegis-Solo-Watt”, wahrscheinlich sind es 7 echte elektrische Watt). Es soll mal einer sagen, Wickeln sei eine Kunst oder kompliziert – wer einen „Dvarw-Verdampfer” benutzt, der weiß, ein „Dvarw” dampft selbst mit eingelegten alten Socken.

Und was bringt dir nun dieser Tagebucheintrag? Erst recht als Nicht-Dampfer? Nichts, bis auf Lesefleiß. Kriegst ein Fleißkärtchen. Heute bin ich einfach zu faul, irgendetwas Gehaltvolles zu schreiben, ja, sogar zu faul zu denken. Das geht wirklich. Aber du weißt jetzt für den Fall, dass dir mal jemand Gegenteiliges erzählt, einen Verdampfer zu wickeln, erst recht einen „Dvarw”, das ist so kinderleicht wie ein Bonbon von seiner Plastikfolie zu befreien. Abwickeln, aufwickeln, Verdampfer wickeln – alles keine Wissenschaft. Das geht immer und ist sogar für honorige Bürger von Faulmannshausen bestens geeignet.

5 Kommentare
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Mira
Gast
10 Monate zuvor

Ach, wie fein ließ sich das lesen, während ich vom Inhalt so gar keine Ahnung habe. Es war doch eine kurzweilige kleine Alltgsgeschichte. Könnte ich doch nur auch einmal wieder so beschwingt faule Texte schreiben. Meine erscheinen mir allesamt schwerfällig. Ach, ach.

Mira
Gast
10 Monate zuvor
Reply to  Georg

Ach Georg, jetzt habe ich doch tatsächlich pipi in den Augen. Hach. Tut in diesem Fall aber gut, so gut.
Schön, dass es dich gibt.

Rika
Gast
10 Monate zuvor

Eine wunderbare Schreibe….
Auch wenn ich mit Dampfern – außer denen, die allerdings dampflos auf dem Meer rumschippern – nichts anfangen kann, so hat mich der Text doch schmunzeln lassen.