Ihr gebührt der goldene Spaten der Totengräber-Gilde. Schon wie aus einer anderen Ära wirken auf mich die Bilder der gestrigen Ordensverleihung. Jene Zeit, in der die ausgezeichnete Frau den Weg bereitet hat für die heutigen kaputten Erneuerer der Gesellschaft.
Da all die nachfolgenden Gestalten – und das werde ich nicht müde, immer wieder anzumerken – sich nicht in die Regierung geputscht haben, sondern ausdrücklich vom Volk dorthin gewählt worden sind, komme ich nicht umhin, zu sagen: „geliefert wie bestellt” oder mit einem Hauch gehässiger Arroganz belegt: „selber Schuld!”. Es ist ja so, dass sogar heute noch keine wesentliche Änderung bei der „Sonntagsfrage” entstünde. Die FDP flöge zwar aus den Bundestag, dafür gäbe es mit der erstarkten CDU eine Neuauflage des alten Merkel-Systems. Die Grünen verlieren nicht einmal Stimmen, was für mich nur erklärbar ist, wenn ich deren Wähler auch beleidigen dürfte. Sie wollen es nicht anders, dann bitteschön.
Natürlich schreibe ich nicht von der Mehrheit der Bevölkerung, sondern von der Mehrheit der Wählerinnen und Wähler, allein wer angesichts des Geschehens im Lande nach wie vor absichtlich nicht an einer Wahl teilnimmt, ist meines Erachtens genauso verantwortlich für den Niedergang, für Krieg, Not, Elend, Hysterie, Deindustrialisierung und Umweltzerstörung wie die Irren, die man nicht als solche bezeichnen darf. Also auch die Nichtwahl ist eine Wahl und schützt nicht vor moralischer und in der Folge auch vor einer tatsächlichen Verantwortung.
Jedenfalls bin ich froh, nie gesagt zu haben, stolz ein Deutscher zu sein, und dass mir ein Nationalgefühl stets so fremd war wie die Zugehörigkeit zur Mondlandschaft, denn ich weiß zwar nicht, was oder wer meine Wenigkeit in Europa und der Welt genau ist, doch mit wem das Innere absolut nichts zu tun hat, das weiß ich genau: mit Deutschland. Gottlob ist die geliebte deutsche Sprache kein Eigentum dieses Staates. Wer jetzt sagt: „Dann geh doch nach Russland” (das sagte man in meiner Jugend in der BRD auch schon immer: „Dann geh doch nach drüben, geh doch in die DDR”), dann antworte ich heute glasklar: „Nö, du musst Leute wie mich schon aushalten, die nämlich irgendwann in der Zukunft deinen Müll aus dem Kinderspielzimmer aufräumen werden und ihn in Kartons an die Straße zum Sperrmüll stellen.” Auch wenn das biologisch von mir nicht mehr erlebt werden wird, so wäre ich dann aber wahrhaftig stolz, ein Deutscher zu sein.