Kinderrezensionen

Obwohl ich erst vor wenigen Monaten schrieb, nach Jahrzehnten ab sofort im Tagebuch nicht mehr „Serienjunkies” zu verlinken, war ich gerade trotzdem dort, da ich eine Kritik zu einer Serie suchte, zu der ich nirgendwo sonst etwas fand. Um welche Serie es geht, das lass ich jetzt erst mal offen, denn es würde die Aussage dieser „Rezension” beeinflussen. Also, bei „SJ“ heißt es dazu:

„Die erste Episode von XXX tröpfelt gemächlich als slow burn vor sich hin und ist eine ziemlich deprimierende Angelegenheit mit zuweilen steifem bis hölzernem Schauspiel. Das tut dem Ganzen aber kaum keinen Abbruch, denn die ultraspezifische Prämisse mit hohen emotionalen wie materiellen Einsätzen ist dermaßen faszinierend, dass man dem Format seinen morbiden Six Feet Under-Auftakt gerne gönnt.”

Fehler stehen so im Original. Wenn es nur eines einzigen Grundes bedarf, weshalb man mittlerweile um „SJ” einen Riesenbogen machen sollte, dann sind es solche Null-Aussagen. Ich kann mich nicht erinnern, je eine vergleichbare, sich selber widersprechende und einfach nur peinliche „Rezension” gelesen zu haben. Genau das passiert, wenn man kein Geld mehr hat, um wenigstens normal-gebildete Filmfreunde ordentlich für Rezensionen zu bezahlen und auf Schüler zurückgreifen muss, deren Chancen auf einen Beruf, wie man sieht, maximal in einer Parteikarriere bei den Grünen besteht. Keine Ahnung, von wem diese Worte stammen, wohlweislich wurde keine Autorin bzw. kein Autor namentlich genannt. Das zeigt, dass es sich wahrscheinlich um ein Kind handelt, das ein bisschen Erwachsensein spielt. Alles andere wäre noch viel schlimmer.

So, mein kurzer Morgeneinwurf sozusagen, komme von der Arbeit, Essen ist fertig und justamente beginne ich exakt mit dieser Serie. Alles ist also offen, später (vielleicht) mehr dazu. Mal schauen, ob ich im Sessel schon einschlafe oder nach der Pilotfolge den regulären Weg ins Bettchen finde – letzteres spräche für eine gelungene Serie.

Schönen Tag und auf baldiges Wiederlesen.

Herunterbrechen aufs Wesentliche

Gerade eben habe ich im Newsletter (einem gerne gesehenen Reklame-Flyer) von „Harlekin” diesen ebenso wieder wunderbaren Aufkleber gesehen. Ja, manchmal – oder besser gesagt: für manche Zeitgenossen – muss man die Realität aufs Wesentliche herunterbrechen, damit auch sie erkennen, wie sehr ihnen das eigene Denken bereits abhanden gekommen ist.

Diese einfache Logik könnte man munter fortsetzen. Ginge es bei den Regierenden um die Klimaerwärmung, sollten wir von den Israelis lernen, die es hinbekommen haben, Salzwasser in Trinkwasser zu verwandeln und somit die Wüste Stück für Stück immer weiter landwirtschaftlich zu erschließen. Ginge es um kommende Katastrophen aufgrund der Klimaerwärmung, bräuchten wir nur zu unseren Nachbarn, den Holländern, zu schauen, die seit Hunderten Jahren vormachen, wie ihr längst unter dem Meeresspiegel liegendes Land geschützt wird und wie man sogar dem Meer mit Verstand und Ingenieurswissen Land abringen kann. Ginge es um die Vermeidung von CO2, sollten wir eine saubere Energiegewinnung fördern, indem Kernkraftwerke sogar vermehrt werden, statt sie abzubauen, indem die CO2-Abtrennung in den Braunkohlekraftwerken zum Standard erhoben wird, statt den Betreibern diese innovative Technik absichtlich zu verbieten. Und last but not least: ginge es um den Frieden, sollten wir keinen Krieg befeuern. So einfach kann Logik sein.

Aber es geht gar nicht um die Klimaerwärmung, es geht nicht darum, das Leben den veränderten Umweltbedingungen anzupassen. Es geht auch nicht um Frieden. Deshalb erfinden „Fakten-Checker” aberwitzige Verdrehungen, um uns die einfache Logik aus den Gehirnen zu treiben und sie durch Orwellsche Paradoxa, wie z.B. „Krieg ist Frieden”, zu ersetzen.

Wer aus dem betreuten Denken ausbrechen möchte (was bei weitem nicht jeder will, denn als kleines Teilchen schwebt man in einer Masse ohne jede eigene Anstrengung herrlich bequem mit), braucht sich einfach nur an den Schulunterricht, ans Fach der Mathematik, zurückzuerinnern und sich einmal kurz anschauen, wie leicht es doch damals war, die gelernten Kürzungen von Brüchen oder von komplizierten Gleichungen anzuwenden. Das braucht man gar nicht neu zu lernen, denn es liegt alles im Verborgenen noch im Gehirn. Nur aufwecken, schon bist du der Logik wieder mächtig und kein Fakten-Finder der Welt kann dir mehr ein X für ein U vormachen.

Frisur-technisches

Letzte Nacht gegen 3 Uhr war ich im Garten. Was tut man da, wenn doch alles noch dunkel ist? Den Schädel rasieren 🙂 Dann brauche ich hinterher nicht zu saugen. Und weil ich hasse, wenn Haare in den Kragen rutschen, aber es für einen nackten Oberkörper viel zu kalt draußen ist – ganz abgesehen von den Aspekten ästhetischer Natur, denn es schauen immer und überall aus geheimen Ecken Katzenaugen zu, ich meine, kennst du deren nächtliches Gejammer, wenn die mal so richtig loslegen? Und gar nicht erst zu reden von den vielen Augenpaaren der nächtlichen Schattenwesen oder den sich im Halbschlaf befindlichen fliegenden Gesellen, die mit einem Auge über den Rand ihrer versteckten Schlafzimmer hinausschauen, nicht dass die noch vor Schreck aus ihre Nester fallen. Und nicht zuletzt Nachbars winterharte Schafe im Ziegenkostüm, nachher tun sie sich noch etwas an und alle Welt glaubt, der Wolf sei mittlerweile zum Niederrhein vorgedrungen und treibe dort seinen blutigen tödlichen Schabernack – nein, nein, deshalb also hatte ich den knall-orangen, eben warnfarbenen, chinesischen Regenponcho angezogen und die Gummischnur am Hals so eng gezogen, da wäre selbst ein Würger vor Neid erblasst. Weil ich noch dazu keinen Akku-Langhaarschneider besitze (selten gebraucht und wenn, dann sind solche Dinger sowieso meist genau dann leer, wenn man sie braucht), zog ich mit der langen Verlängerungsschnur im Schlepp über die halbe Wiese.

Mein von Natur aus unförmiger Schädel wird leider zu keinem schönen Glatzkopf, wie ihn andere Zeitgenossen besitzen, seine Nacktheit wird folglich rund um die Uhr unter einer chinesischen Kappe verborgen. Seither konnte ich übrigens zum ersten Mal nachvollziehen, was es für Frauen bedeutet, ohne BH sich entblößt irgendwelchen fremden Blicken zu zeigen – wenn du keinen jugendlichen Körper mehr umherträgst, der stets und in jeder Art ästhetisch gelungen wirkt, dann kommt leicht eins zum anderen, und ich vergewissere dir, einen Georg mit freien Oberkörper unter dem enthaarten Schädeldach, das entspricht ziemlich genau einer mittelalterlichen Burgruine ohne den Faktor der Romantik. Warum ich’s dennoch wieder und wieder tu, ich meine das Rasieren? Nunja, die naturgegebene Halbglatze ist grauen-technisch noch einen Zacken schlimmer. Ich glaube, Mönche haben sich eine solche Dienstfrisur, bei der nur ein Kranz der Haare stehenbleibt, irgendwann einmal zugelegt, um der eigenen Frustration darüber etwas Heiliges entgegenzusetzen.

Die vollkommene Glatze allerdings, wird eher ins Reich des Bösen interpretiert, so in der Art von „Apocalypse Now” oder Nazis. Böse, hart und potentiell brutal im Sinne von: mit dem legste dich mal lieber nicht an. Oder auch in der Art eines Bruce Willis: der kann mich und meine Familie sicher gut beschützen. Tja, das ist der Beleg dafür, dass Männer verhaltensbiologisch schließlich doch nur Rüden oder Männchen aller Art sind, es kommt halt oft bloß auf den richtigen Bluff im Leben an, nicht wahr? Die Weibchen fallen eh auf uns herein, is‘ auch so’n Natur-Ding aus dem Reich Schein und Sein.

Einen schönen ausklingenden letzten Feiertag wünsche ich dir. Die folgende verkürzte Arbeitswoche ist für die Laune der Leute aus der erwerbstätigen Fraktion sicher enorm förderlich. Denn wenn Montagmorgen schon Dienstag ist, dann befindet sich das nächste freie Wochenende ja bereits in Sichtweite.

Understatement und Jagdschein

Ach, wir ham ja Pfingsten. Dann wünsche ich dir mal ganz schnell schöne Feiertage! Ob du’s glaubst oder nicht, Pfingsten ist echt an mir vorbeigerauscht. Gerade eben sah ich noch auf den Müllkalender, welche Container abends an die Straße gerollt werden müssen – keine, erst Montagabend zwei gelbe und den grauen weil: Pfingsten. Na sowas. Da kommt mir doch glatt eine Idee in den Sinn: Zukünftig könnte ich mich genau so als Halbstarker ja prima aus den Affären ziehen, falls ich etwas sage oder tu, das man nicht (mehr) sagt oder tut. Ein bisschen einen tüddeligen Eindruck erwecken, das geht von alleine, mir den schleppenden Gang angewöhnen, was mir ebenfalls nicht schwer fällt, schon besitze ich für fast alles Narrenfreiheit. Einen Jagdschein, so nannte man das früher. Also führt der körperliche Verfall zu einem Feuerwerk geistig kreativer Ideen. Immer positiv sehen, meine Rede.

Inneres Ich: „Mit einem Jagdschein wirst du aber von den anderen nicht mehr ernst genommen.”

Naja, das wurde ich auch als starker Wilder nicht. Möchte ich auch gar nicht, bedeutet so etwas doch immer nur Kampf, wie Don Quichotte ihn ausfechten musste – wobei ich bei einem zukünftigen Bürgeraufstand gegen die modernen Windmühlen sicher in einer der ersten Reihen zu finden wäre. Ein Jagdschein ist eigentlich die logische Fortführung meiner Rosinante, des Understatements, auf der ich bisher gut durchs Leben geritten bin: immer ein wenig dümmer, kleiner, ungebildeter tun, als man in Wahrheit ist, dann stellt man für die Arroganz der Mächtigen keine Konkurrenz dar. Sogar im Kleinen funktioniert das sehr gut und die vielen Mini-Chefs und Blender zeigen dir mit dem Unterschätzen deiner Person dann schamlos offen ihre Beschränktheit in all der herrlichen Pracht, die du postwendend oft nutzen kannst, um Alternativen zu finden. Okay, klingt ein wenig abstrakt. Konkret bedeutet dies zum Beispiel, niemals überqualifiziert für einen gewünschten Job zu sein, den bekommst du dann nämlich nicht, lieber unterqualifiziert erscheinen, dann kriegste für läppische Kleinigkeiten bereits Belobigungen und eventuelle Prämien im Sinne von: hat er doch überraschend gut erledigt.

Understatement und Jagdschein bedeutet für Halbstarke (zu denen man sich, siehe gestern, ja wieder im Alter rückentwickelt) heute die Freiheit, sich zu entfalten.

Noch Fragen? Ich bin schon ein raffiniertes Kerlchen, was? 🙂