Understatement und Jagdschein

Ach, wir ham ja Pfingsten. Dann wünsche ich dir mal ganz schnell schöne Feiertage! Ob du’s glaubst oder nicht, Pfingsten ist echt an mir vorbeigerauscht. Gerade eben sah ich noch auf den Müllkalender, welche Container abends an die Straße gerollt werden müssen – keine, erst Montagabend zwei gelbe und den grauen weil: Pfingsten. Na sowas. Da kommt mir doch glatt eine Idee in den Sinn: Zukünftig könnte ich mich genau so als Halbstarker ja prima aus den Affären ziehen, falls ich etwas sage oder tu, das man nicht (mehr) sagt oder tut. Ein bisschen einen tüddeligen Eindruck erwecken, das geht von alleine, mir den schleppenden Gang angewöhnen, was mir ebenfalls nicht schwer fällt, schon besitze ich für fast alles Narrenfreiheit. Einen Jagdschein, so nannte man das früher. Also führt der körperliche Verfall zu einem Feuerwerk geistig kreativer Ideen. Immer positiv sehen, meine Rede.

Inneres Ich: „Mit einem Jagdschein wirst du aber von den anderen nicht mehr ernst genommen.”

Naja, das wurde ich auch als starker Wilder nicht. Möchte ich auch gar nicht, bedeutet so etwas doch immer nur Kampf, wie Don Quichotte ihn ausfechten musste – wobei ich bei einem zukünftigen Bürgeraufstand gegen die modernen Windmühlen sicher in einer der ersten Reihen zu finden wäre. Ein Jagdschein ist eigentlich die logische Fortführung meiner Rosinante, des Understatements, auf der ich bisher gut durchs Leben geritten bin: immer ein wenig dümmer, kleiner, ungebildeter tun, als man in Wahrheit ist, dann stellt man für die Arroganz der Mächtigen keine Konkurrenz dar. Sogar im Kleinen funktioniert das sehr gut und die vielen Mini-Chefs und Blender zeigen dir mit dem Unterschätzen deiner Person dann schamlos offen ihre Beschränktheit in all der herrlichen Pracht, die du postwendend oft nutzen kannst, um Alternativen zu finden. Okay, klingt ein wenig abstrakt. Konkret bedeutet dies zum Beispiel, niemals überqualifiziert für einen gewünschten Job zu sein, den bekommst du dann nämlich nicht, lieber unterqualifiziert erscheinen, dann kriegste für läppische Kleinigkeiten bereits Belobigungen und eventuelle Prämien im Sinne von: hat er doch überraschend gut erledigt.

Understatement und Jagdschein bedeutet für Halbstarke (zu denen man sich, siehe gestern, ja wieder im Alter rückentwickelt) heute die Freiheit, sich zu entfalten.

Noch Fragen? Ich bin schon ein raffiniertes Kerlchen, was? 🙂