Letzte Nacht gegen 3 Uhr war ich im Garten. Was tut man da, wenn doch alles noch dunkel ist? Den Schädel rasieren 🙂 Dann brauche ich hinterher nicht zu saugen. Und weil ich hasse, wenn Haare in den Kragen rutschen, aber es für einen nackten Oberkörper viel zu kalt draußen ist – ganz abgesehen von den Aspekten ästhetischer Natur, denn es schauen immer und überall aus geheimen Ecken Katzenaugen zu, ich meine, kennst du deren nächtliches Gejammer, wenn die mal so richtig loslegen? Und gar nicht erst zu reden von den vielen Augenpaaren der nächtlichen Schattenwesen oder den sich im Halbschlaf befindlichen fliegenden Gesellen, die mit einem Auge über den Rand ihrer versteckten Schlafzimmer hinausschauen, nicht dass die noch vor Schreck aus ihre Nester fallen. Und nicht zuletzt Nachbars winterharte Schafe im Ziegenkostüm, nachher tun sie sich noch etwas an und alle Welt glaubt, der Wolf sei mittlerweile zum Niederrhein vorgedrungen und treibe dort seinen blutigen tödlichen Schabernack – nein, nein, deshalb also hatte ich den knall-orangen, eben warnfarbenen, chinesischen Regenponcho angezogen und die Gummischnur am Hals so eng gezogen, da wäre selbst ein Würger vor Neid erblasst. Weil ich noch dazu keinen Akku-Langhaarschneider besitze (selten gebraucht und wenn, dann sind solche Dinger sowieso meist genau dann leer, wenn man sie braucht), zog ich mit der langen Verlängerungsschnur im Schlepp über die halbe Wiese.
Mein von Natur aus unförmiger Schädel wird leider zu keinem schönen Glatzkopf, wie ihn andere Zeitgenossen besitzen, seine Nacktheit wird folglich rund um die Uhr unter einer chinesischen Kappe verborgen. Seither konnte ich übrigens zum ersten Mal nachvollziehen, was es für Frauen bedeutet, ohne BH sich entblößt irgendwelchen fremden Blicken zu zeigen – wenn du keinen jugendlichen Körper mehr umherträgst, der stets und in jeder Art ästhetisch gelungen wirkt, dann kommt leicht eins zum anderen, und ich vergewissere dir, einen Georg mit freien Oberkörper unter dem enthaarten Schädeldach, das entspricht ziemlich genau einer mittelalterlichen Burgruine ohne den Faktor der Romantik. Warum ich’s dennoch wieder und wieder tu, ich meine das Rasieren? Nunja, die naturgegebene Halbglatze ist grauen-technisch noch einen Zacken schlimmer. Ich glaube, Mönche haben sich eine solche Dienstfrisur, bei der nur ein Kranz der Haare stehenbleibt, irgendwann einmal zugelegt, um der eigenen Frustration darüber etwas Heiliges entgegenzusetzen.
Die vollkommene Glatze allerdings, wird eher ins Reich des Bösen interpretiert, so in der Art von „Apocalypse Now” oder Nazis. Böse, hart und potentiell brutal im Sinne von: mit dem legste dich mal lieber nicht an. Oder auch in der Art eines Bruce Willis: der kann mich und meine Familie sicher gut beschützen. Tja, das ist der Beleg dafür, dass Männer verhaltensbiologisch schließlich doch nur Rüden oder Männchen aller Art sind, es kommt halt oft bloß auf den richtigen Bluff im Leben an, nicht wahr? Die Weibchen fallen eh auf uns herein, is‘ auch so’n Natur-Ding aus dem Reich Schein und Sein.
Einen schönen ausklingenden letzten Feiertag wünsche ich dir. Die folgende verkürzte Arbeitswoche ist für die Laune der Leute aus der erwerbstätigen Fraktion sicher enorm förderlich. Denn wenn Montagmorgen schon Dienstag ist, dann befindet sich das nächste freie Wochenende ja bereits in Sichtweite.