Strom

Eine Nacht lang habe ich mit dem neuen Smartphone rumgespielt. War ja klar. Nicht die ganze Nacht, ich musste ja auch ‘n bisschen was arbeiten. Musikvideos abgespielt, die Bluetooth-Kopplung mit dem am Fahrradkorb fest installierten Lautsprecher ausführlich ausprobiert, den VLC-Player via LTE-Verbindung runtergeladen und installiert, eine neue Playliste begonnen (zu viel Musik ist auf der 512 GB Mini-SD-Karte, da ist meine komplette Bibliothek drauf), mehrere Schach-Apps habe ich runtergeladen, probiert und wieder rausgeschmissen (erst nach der 4. App war ich zufrieden, die Nummer 5 verlangt nämlich NULL Zugriff und sammelt folglich ebenso NULL Infos aber spielt viel besser als ich, was wichtig ist, da sonst jeder Reiz und Ehrgeiz für dieses Spiel fehlt), Dateien und Ordner mit einem neuen Dateimanager sortiert, diverse Einstellungen, deren Sinn und Zweck mir nicht ganz klar war, ausprobiert und ordentlich im Internet gesurft. Die Arbeitsnacht verflog wie im Flug.

Das Folgende musst du nicht lesen. Nur für Akku-Interessierte. Es ist nicht unterhaltsam. Ich will’s nur gesagt haben, habe dich also „vorgewarnt” 🙂

Als ich zum Dienst fuhr, war der Akku voll. Vorhin zeigte er 7 % Verlust an. Das ist natürlich gelogen. Als langjähriger E-Dampfer weiß man, wie die Hersteller der Chips für die Akkuträger arbeiten: ist der Akku voll, wird kaum Verbrauch angezeigt. „Voll” ist in deren Augen nämlich ein relativer Begriff. Üblicherweise liegt die Ladeschlussspannung bei 4,2 Volt. Ausgelegt ist ein Lithium-Ionen-Akku aber für 3,7 Volt, das heißt: auch bei 3,7 Volt zeigt er noch „voll” oder zumindest „fast voll” an. Danach, wenn der Akku weiter nachlässt, verringert sich die Füllstandsanzeige entsprechend rasant.

Jetzt weiß ich leider nicht, welcher Akku genau in dem Smartphone verbaut ist. Ein Lithium-Polymer-Akku aber von welchem Hersteller und mit welcher Leistung, diese Infos finde ich bisher in keinem Datenblatt. Es ist aber egal, ob ich von den Werten der E-Dampfakkus ausgehe (3,7 Volt) oder ob hier der Leistungsbereich ein anderer ist, das Grundprinzip ist bei diesen Akkus immer gleich: ausgelegt für x Volt („ausgelegt für” bedeutet, dass der Akku in diesem Bereich ziemlich lange eine gleichbleibende Leistung bietet) und der Ladeschlussspannung y, die deutlich höher liegt. Auch am Smartphone wird die volle Leistung über Gebühr als „voll” angezeigt, bevor die Anzeige dann realistisch, d.h. viel schneller abnimmt. Eigentlich müssten alle Füllstandsanzeigen ca. 120 % anzeigen, das wäre sehr viel genauer.

Also, der Akku war anfangs 100 % geladen und als ich ihn vorhin ans Ladegerät anschloss, lag er bei 93 %. Geht man von den 10.000 mA/h aus, sollten hier ca. 700 mA nachgeladen werden. Die Ladeschlussspannung ließ das Handy aber erst nach rund 1.000 mA abschalten, was rechnerisch bedeutet, so man der prozentualen Anzeige Glauben schenkt, dass der Akku 14.200 mA/h Kapazität hat, was natürlich nicht der Fall ist. Rechnet man demnach von den vom Hersteller genannten 10.000 mA/h 1.000 ab, so erreicht man wunderbar ausrechenbare 90 %. Oder anders ausgedrückt: die Füllstandsanzeige log um 3 %. Wie gesagt, das würde sie wieder wett machen im mittleren und unteren Bereich der Akkuladung, wenn sie für den beobachtenden Benutzer schneller absackt. Das ist wieder ein Indiz (@Dominik) für einen verbauten 10.000-mA-Akku. Exakt kann ich das nur nachmessen, wenn ich den Akku bis zu seiner Abschaltung leere und danach voll auflade. Dazu habe ich aber keine Lust, vielleicht ergibt es sich ja mal, dann schreibe ich das Ergebnis ins Tagebuch.

Warum habe ich dazu jetzt aber keine Lust? Weil es mir zu lange dauern würde, bis dass der Akku wieder aufgeladen ist. Es gibt zwar die Möglichkeit einer Schnellladung, die dann mit 2 Ampere den Akku recht zügig auflädt, doch diese Art der Ladung fördert enorm den Akkuverschleiß. Geht man für die Lebensdauer von 700 bis 1.500 Ladezyklen aus, liegst du mit ständigem schnellen 2-A-Laden irgendwo im unteren Bereich, d.h. nach 2 bis 3 Jahren wäre der Akku hinüber. Lädt man den Akku aber schonend „nur” mit einem Ampere, verlängert sich seine Lebensdauer entsprechend. Für nicht wenige Leute ist das egal, da sie sowieso alle 2 bis 3 Jahre ein neues Handy kaufen, meine Wenigkeit hat das aber nicht vor. Ich betreibe sogar noch 10 Jahre alte E-Dampfakkus, die immer nur mit 500 Milliampere geladen wurden und die „gefühlt” noch wie neu sind. Beim Akku meines E-Readers war es andersherum der Fall. Er stammt aus 2012, da wusste ich noch kaum etwas über Lithium-Ionen-Akkus und lud ihn mit dem empfohlenen Netzteil mit 2 Ampere. Heute ist er um, besitzt eine Selbstentladung im ausgeschalteten Zustand des Readers, die fast noch schneller ist als während meiner Lektüre auf dem dem Gerät. Sein verbauter Akku wird schon lange nicht mehr hergestellt, man kann ihn also nicht mehr tauschen. Sogar wenn man noch einen im Internet finden sollte, so lag der dann irgendwo 10 Jahre in einer Kramkiste herum oder wo auch immer. Ich persönlich kann mir mit einer kleinen Powerbank helfen, die ich meist beim Lesen an den Reader angeschlossen habe, und die nicht störend ist. Das geht sogar prima, finde ich.

Warum erwähne ich das mit dem Reader? Weil man nicht genau sagen kann, wie weit die Lebenserwartung eines Akkus schrumpft bei Ladungen mit 2 Ampere, 1 Ampere oder mit 500 Milliampere. Es werden überall nur Schätzwerte genannt. Das ist so ähnlich wie bei der LED-Beleuchtung, deren Leuchtdauer oft in Stunden angegeben wird, die aber nie jemand tatsächlich 50.000 Stunden unter Beobachtung leuchten ließ. Eine solche exakte Untersuchung bei einem Akku würde schließlich 2 bis 3 Jahre dauern, das macht keiner, zumal Akkus immer billiger werden. Nicht zuletzt spricht der Nachhaltigkeitsgedanke auch für eine schonende Ladung statt für eine schnelle.

Falls du, liebe Leserin und lieber Leser, es nun bis hierher lesetechnisch geschafft haben solltest, so wünsche ich dir einen netten erfrischenden Samstag im – wie das ZDF neulich meinte: „Juli wohl heißester Monat seit Jahrtausenden” (sie hatten einfach vergessen, mal vor die Tür nach draußen zu gehen. Was unterscheidet diese Meldung, also den „Journalismus” beim ZDF, eigentlich noch von Relotius?). Für die Seele erfrischend und gut tuend sind dann schlussendlich diese beiden lesenswerten Artikel jeweils als Replik zum Thema: hier und hier.

Bis morgen dann – wie draußen zu bestaunen: in alter Juli-Frische.