Schicksalsschlag

Nunja, für ein paar Tage muss ich mich hier im Tagebuch abmelden, denn das Schicksal hat mächtig zugeschlagen. Vorhin erreichte mich meine Chefin und teilte mir mit (selber wütend und bitter enttäuscht), dass meine Arbeitsstelle vielleicht schon zu Mitte des Monats gekündigt sei, spätestens in einem Monat. Das Familienunternehmen ist ja gleichfalls nur ein Subunternehmen. Der ursprüngliche Auftrag stammt aus aus einem landeseigenen Unternehmen, also ein Kunde der öffentlichen Hand, das seinerseits neuerdings unter strengster Bewachung und Kostendruck steht. Will sagen: nirgendwo ist mehr Geld vorhanden, und meine Wenigkeit steht am untersten Ende dieses gesamten Konstrukts, wenn ich das mal so sagen darf.

Es hat aber keinen Sinn, nun auf die Politik zu schimpfen, zu lamentieren oder herumzuheulen – ich muss mich rasend schnell auf die veränderten Gegebenheiten einstellen. Bis hierher konnte ich nichts beeinflussen, bzw. mehr als ordentlich und zuverlässig meinen Dienst zu verrichten, kann ich nicht tun. Rente? Das dauert noch ein paar Jahre. Außerdem müsste ich damit sowieso hinzuverdienen. Ohne Auto und mittlerweile nur noch mit Muskel-Fahrrad auf dem Land unterwegs, das schränkt die Möglichkeiten natürlich arg ein. Bürgergeld? Ich wüsste nicht, wie das reichen könnte. Rücklagen? Nach dem Zahnarzt ist der letzte Rest verbraucht (dafür hätte ich einen neuen Kleinwagen kaufen können).

Auch ohne jetzt ins Detail zu gehen, siehst du vielleicht an dieser groben Zusammenfassung, dass mir ein paar „winzige Unwägbarkeiten” ins Haus stehen, mit denen ich mich erst mal geistig und seelisch auseinandersetzen muss. Das möchte ich natürlich nicht in einem öffentlichen Tagebuch machen, ist klar.

Fakt ist: alle geplanten Lebensumstände werden ohne irgendein Dazutun von mir, ohne gefragt zu werden und ohne eine vernünftige Ankündigung durch das Schicksal – nicht quasi, sondern tatsächlich – von heute auf morgen über den Haufen geworfen. Momentan weiß ich weder einen Schritt seitwärts, rückwärts noch vorwärts. Wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann dass das Schicksal nicht fragt, ob es zuschlagen darf, daran denkt es nicht einmal, weil du ihm vollkommen egal bist. Ebenso kannst du vor ihm nicht davonlaufen, keinen Meter. Religiöse Menschen nennen es: wir liegen alle in Gottes Hand. Du kannst dein Möglichstes tun, mehr aber nicht. Also wenn das Schicksal dir unbedingt einen Tiefschlag versetzen möchte, der dich k.o. schlägt, dann ist es eben so, dann hilft – wie gesagt – kein Lamentieren, sondern du musst dich den geänderten Umständen wie auch immer anpassen. Und ja, auch angeschlagen ausgezählt zu werden, gehört zum Leben dazu.

Darüber muss ich mir in den nächsten Tagen nun so meine Gedanken machen. Da interessieren mich weder die korrupten Machenschaften der Politik und der Medien, noch die Dummheit der Herde, die durch ihre Wahl genau solche Leittiere in ihre Positionen gehievt hat. Mir sind auch gerade „philosoffische” Gedanken über Gott und die Welt (Moral, Ethik, Religion) völlig schnurz. Wenn die Irren gendern wollen, solln’se’s tun, ich kann auch apostrophieren ohne Ende. Ich bin nicht einmal wütend auf ein „ungerechtes Schicksal”, denn mir ist das Schicksal selber mittlerweile schlichtweg egal. Wenn es mich nicht mag, mag ich es ebensowenig. Es gibt noch dazu kaum mehr gleichaltrige Freunde und Bekannte, die noch am Leben sind und mit denen ich ein Stück des Lebenswegs gemeinsam gegangen war. Was die erwachsenen Kinder heute tun, denken oder sagen, geht mir schlussendlich genauso am Allerwertesten vorbei. Liebes Schicksal, du kannst mich wirklich kreuzweise. Ich habe vor dir keine Angst mehr.

Also eine Woche Tagebuch-Pause, schätze ich. Lass auch du dich nicht vom Schicksal unterkriegen. Zeigen wir’s ihm, indem wir nicht zulassen, dass es seine negative Kraft auf uns ausübt, um uns innerlich zu Fall zu bringen. Lassen wir uns vom Schicksal nicht brechen, auf dass du und ich sogar in höchster Not und vielleicht unter einer Brücke hausend noch aufrecht und in Würde stehen, um ihm trotzig und herausfordernd zugleich in die Augen zu sehen.

5 Kommentare
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Barbara
Gast
Barbara
4 Monate zuvor

Na,na, unter der Brücke wirst du sicher nicht landen. Falls du angestellt bist, ist das Jobcenter für dich Ansprechpartner. Je nach Alter und bezahlter Beiträge beziehst du bis zu 24 Monate ALG1. Erst danach gibt es Bürgergeld, was ich mit dann knapp 600 Euro schon nicht so schlecht finde.
Ich wünsche dir natürlich, dass du wieder was findest, hier in meiner Stadt würden sie dich mit Kusshand nehmen.
Aber auch “da droben” muss sich doch was finden lassen.
Sämtliche Daumen sind gedrückt, behalte die Nerven, es wird schon wieder.

Barbara
Gast
Barbara
4 Monate zuvor
Reply to  Georg

War nur ein Hinweis auf Falls & Dann. Du sollst hier ganz gewiss nicht darauf antworten.
Dass du jetzt auch noch so einen Streit an der Backe hast, ist gemein. Vielleicht gibt es hier doch eine Einigung “im Guten”. Alles Gute, lieber Georg.

Rika
Gast
4 Monate zuvor

Oh, oh, oh…. Das hört sich ganz schlimm an.
Was soll ich dazu sagen, ohne in ein allgemeines und wenig trostreiches Gemurmel zu verfallen?
Selbst der Wunsch, dass Du möglichst schnell gut aus der bedrückenden Lage herausfinden mögest, kann als Plattitüde angesehen werden. Aber das ist wirklich mein Wunsch für Dich.
Und weitere Worte will ich nicht machen, nur dies noch: Gutes wünsche ich Dir.