Mister 50 Prozent

Boah, was bin ich körperlich am Ende! Von Anfang an totale Selbstüberschätzung – oder besser gesagt ging ich von meiner früheren normalen Leistungsfähigkeit aus, von der heute nur noch die Hälfte vorhanden zu sein scheint. Nein, nicht scheint, sondern ist. Mister 50 Prozent eben. Und ich rede hier nur vom Packen. Dazwischen immer wieder Nächte im Regen auf Arbeit verbringen, nur zwei bis vier Stunden anschließend Schlaf finden, dann wieder Termine wahrnehmen und weiter mit dem Aussortieren und Packen. Das seit knapp anderthalb Wochen. Nur einen Film zur Entspannung vorgestern. Hinzu gesellt sich die Aufregung und der Horror, das alles irgendwann wieder auspacken zu müssen. Aufbauen, einrichten, Löcher bohren, Halterungen anbringen, Vorhangstangen an die Wände schrauben, zuerst natürlich wieder auf der Leiter stehen und Löcher bohren. LKW mieten, Hilfe organisieren (mein unendlich großer Dank gilt jedem, der mitschleppen wird!). Das alles schlaucht ganz schön. In etwas über einer Woche wird nun so viel erledigt, für das ich mir anfangs zwei Monate Zeit eingeplant hatte. Es kam halt alles anders als gedacht.

Ja natürlich, die Freude lugt auch ständig im Hintergrund zwischen den Kartons hervor. Und bisher klappt alles ohne große Fehler (sieht man vom Pishing-Reinfall gestern einmal ab). Was mir aber fehlt, ist die emotionale Leichtigkeit, die ich von früheren Umzügen kenne. Zum ersten Mal organisiere ich alles ganz alleine, keine Partnerin wirbelt nebenher durchs Bild. Und ich bin alt geworden, oh, wie ich das dieser Tage merke! Trotz des enormen Abspeckens der Dinge, ist die Menge auch heute noch erstaunlich groß, real viel mehr als im Kopf gedacht (allein die Schreibtische werden ungeahnten Raum im kleinen LKW in Beschlag nehmen, ich weiß nicht, wie oft wir dieser Tage hin- und herfahren müssen). Mir tut der eigentlich regenerierte Fuß wieder weh, ach, überhaupt alle Knochen schmerzen.

Noch zwei Tage derart weiter, dann sind ein paar Tage Ruhe angesagt. Lampen von den Decken abschrauben, das sind erholsame Tätigkeiten im Vergleich. Den letzten Rest zusammenpacken. Mein Blechnapf mit Essgeschirr und mein Zudeckchen fürs Bett bildlich gesprochen. Das aber erst nächste Woche. Am letzten Tag dann der Hauptrechner. Mit ihm muss ich bis dahin noch einiges für die Firma arbeiten.

Jaja, du bemerkst sicher am Grundton des heutigen Eintrags, dass ich doch ziemlich erledigt bin. Gleich steht der nächste Termin an, dabei könnte ich umfallen wie ein abgeschlagener Baum und schlafen, da würde selbst Dornröschen vor Neid erblassen. Auch ich beneide die Menschen, diejenigen, die tagein, tagaus mit federnder Leichtigkeit durchs Leben gehen. Welch ein wunderbares Geschenk! Meinereiner quält sich wie ein Wurm in der Erde durch die kommenden Tage. Und dann dieses miserable nasskalte Wetter immerzu. Habe neulich irgendwo gelesen, der Oktober sei zu warm und zu nass. Zu warm? Ich kann die Klimaapostel einfach nicht mehr ernst nehmen.

Trotz allem wünsche ich dir warmen Herzens einen angenehmen Novemberstart. Liest sich kitschig, ist aber ernst gemeint.

3 Kommentare
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Barbara
Gast
Barbara
6 Monate zuvor

Georg, du hast mein Mitgefühl.
Wir hatten zwei Umzüge mit unseren Studios, davon einmal von 350 qm auf 135 qm. Da musste ich zwei Riesencontainer bestellen wo man einfach alles reinkippen konnte.
Beim zweiten Umzug habe ich alles in Kisten an die Straße gestellt. Das einzig Gute war, das ich jeweils ein paar Kilo abgenommen habe.
Wenn der Umzug aus dem Haus fällig wird, kann ich es nur entrümpeln lassen. Ich habe gar keine Kraft mehr für solche Aktionen.

Wenn du erstmal umgezogen bist, kannst du dir doch Zeit lassen. Du hast Küche, Bad und Bett, und alles andere kann nach und nach passieren. Die Vorhänge scheinen mir wichtig. Berichte mal, ob die auch wirklich gut abdunkeln. Wir haben noch Rolläden aus Holz, sowas gibt es aber in keiner zu mietenden Wohnung mehr (mein Albtraum, ich kann nur im ganz dunklen schlafen).

Alles Gute für die nächsten Tage!

Barbara
Gast
Barbara
6 Monate zuvor
Reply to  Georg

*Ja*