Mata Hari und Günter Guillaume

Aaalso, nun habe ich ja schon angedroht, dir mein Missgeschick zu erzählen, dann werde ich das mal tun:

Mitten im vorgestrigen Sturm fuhr ich mit dem Rad in moderater Geschwindigkeit und wollte mal meine Multitasking-Fähigkeiten ausprobieren, indem ich gleichzeitig Mata Hari mit der rechten Hand in die Brusttasche des Parkas stecken und eine Regenkappe aufsetzen wollte. Dabei verfehlte ich die Öffnung der Tasche und das Smartphone rutschte außen entlang des Parkas, eckte am Gestell des fahrenden Rades an, wodurch es einen munteren trudelartigen Impuls bekam und titschte sodann mindestens zwei mal kräftig auf den Asphalt bevor es in einem rutschenden Auslauf endgültig zu liegen kam. Heftig! Zwar ist Mata Hari ein Outdoor-Smartphone, doch durch den großen Akku besitzt es enormes Gewicht. Wäre statt des Smartphones mein Körper dieselbe Strecke gestürzt, dann hätten mich diverse Blessuren sicher wieder tagelang ausgeknockt.

Fluchend hielt ich an, stieg vom Rad und hob Mata Hari vom Boden. Die Lederschutzhülle hatte ein paar kleinere Schrammen abbekommen aber, o Wunder, Mata Hari tanzte und spionierte weiter, als sei nichts geschehen – dachte ich. Zu Hause stellte ich dann aber leider fest, dass sich das Teil nicht mehr nachladen ließ. Statt Strom zu laden, verlor es in den folgenden Stunden an Kapazität.

Jetzt musste ich schnell handeln, denn falls in dieser Art der Akku gen null ginge, hätte ich keinen Zugriff mehr auf meine Bank-Apps und die neue Post-App der Paket-Station, die komfortablerweise nur knapp 100 Meter bei meinem neuen Zuhause gelegen ist. Was also tun? Versetze dich in meine Lage.

Ich startete das Smartphone mehrmals neu, was zu keiner Änderung des Verhaltens führte, doch bevor ich Mata Hari einer genaueren Untersuchung unterzog, musste zuerst einmal eine Datensicherung gemacht werden, die ich dann auf ein neu zu bestellendes billiges Zweithandy aufspielen könnte. Das ging zügig vonstatten. Danach schaltete ich Mata Hari aus zwecks Stromersparnis.

Für nur 56 Euro habe ich ein Mini-Smartphone als Reserve gekauft. Dasselbe Betriebssystem mit einem leichten Miniakku von nur 3.000 mAh. Das wird heute bei mir eintreffen. Über die Qualität eines Smartphones von 56 Euro brauchen wir nicht zu diskutieren, zur Not aber funktionieren diese wichtigen Apps damit gut. Mehr soll es ja gar nicht tun.

Danach widmete ich mich dann in Ruhe wieder Mata Hari. Was ich in der Folge zuerst nicht verstand, war die Tatsache, dass das Laden angezeigt wurde bei abnehmendem Akkufüllstand. Auch die installierte App „Ampere” zeigte detailliert den Stromfluss ins Gerät an. Schlussendlich tat das meine externe zwischengeschaltete Akku-Überwachung ebenfalls. Wie kann das bitteschön möglich sein? Es floss Strom ins Gerät, das Gerät zeigte dies auch an, aber der Füllstand leerte sich dennoch langsam.

Akku kaputt, das wäre die einzige Erklärung, wenn – und jetzt dämmerte es mir, ja, wenn ich nicht einen Magnetadapter dauerhaft in den USB-Anschluss gesteckt hätte. Der schließt einigermaßen bündig mit dem Gehäuse ab und ich habe sein Vorhandensein längst vergessen. Was, wenn er zufällig durch einen direkten Stoß beschädigt worden wäre? Jetzt erst zog ich ihn aus die USB-Buchse und versuchte die Ladung mit dem original USB-Stecker. Du errätst es sicher schon, sonst würde ich ja nicht so ausführlich darüber schreiben, das Laden funktionierte sofort einwandfrei. Ich besaß noch einen 3. Magnetadapter, den ich danach einsteckte, auch er funktionierte. Den beschädigten probierte ich an einem anderen Gerät, er blieb kaputt. Ein solcher Stecker kostet 2 Euro.

Naja, zumindest hat Mata Hari ihre Robustheit eindrucksvoll unter Beweis gestellt, kein Schaden am Gerät. Dass ich nun 56 Euro relativ umsonst bezahlt habe, tja, das bin ich im Grunde natürlich selber Schuld. Wobei wirklich rausgeschmissenes Geld ist ein solches Zweithandy aber eigentlich auch nicht. Sobald die Apps dort installiert sind, ist gegen künftige Malheurs jedenfalls vorgesorgt.

Das war’s auch schon mit meinem Bericht. Multitasking ist oft nicht ganz so leicht – das wusste ich aber schon vorher. Warum ich’s trotzdem immer wieder versuche, ist mir ein Rätsel. Der Mensch wird wohl doch nicht zwingend aus Schaden klug, nicht wahr?

Übrigens wird als einprogrammierter Begrüßungstext das Zweithandy den Namen Guillaume bekommen. Mata Hari und Guillaume, Google kann frohlocken.

6 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Rika
Gast
3 Monate zuvor

Herrlich!
ich meine natürlich nicht das Malheur an sich, ne, ne, ich meine Deine wunderbare Erzählweise und natürlich auch die hintersinnige Bezeichnung des Neuen mit dem Namen des Mannes, der meinem Lieblingswilly einst das Amt kostete… jedenfalls sagte man das damals… vielleicht war er aber auch nur des Stresses überdrüssig und froh, so elegant einen Grund für seinen Abgang vor die Nase gesetzt zu bekommen.
Und weiterhin alles Gute zum neuen Anfang …

Barbara
Gast
Barbara
3 Monate zuvor

Jaaa, natürlich kennt die Bank dein Smartphone. Logst du dich mit dem neuen an, gibt es sicher Protest. Könnte ja irgendwer sein.
Diesem Problem gehe ich aus dem Weg, wenn ich das alte weiterhin dafür nutze.
Mal sehen, wie du es lösen wirst.

Barbara
Gast
Barbara
3 Monate zuvor

Immer diese Aufregungen!
Kürzlich war ein Nerd im Haus, der an des Mannes Mac einiges richten sollte. Es ging dann auch um den Kauf eines neuen Smartphones (meines geht in das siebte Jahr, ist also ein Methusalem). Sonst verkaufe ich das alte immer nach der “one in one out” Regel, dieses behalte ich. Sein Rat war, alle Apps die man installiert hat, deinstallieren und das Teil nur noch für online Banking im heimischen Wlan benutzen. Werde ich so machen, das ist nochmal etwas mehr an Sicherheit.
Dafür müsstest du der Bank beibringen, dass du ein neues Smartphone hast…Bei den Schwierigkeiten, die gerade diese Bank immer wieder hat, gerade fiel für 2 Tage alles aus, kein leichtes Unterfangen.