Nix wie wech

So, 17 Uhr hamwoss, nachher gehe ich zur Arbeit, morgen dasselbe, und bin dann bis Neujahrsabend erst mal komplett verschwunden. Kein Kummer macht sich breit, sondern Freude, dass ich an diesen Tagen arbeiten darf. Denn wäre dienstfrei, würde ich mich sowieso von der Öffentlichkeit fernhalten und mich vor ihr verstecken, doch so wie in diesem Jahr bekomme ich das Verstecken sogar doppelt bezahlt – wobei meine Verweigerungshaltung eher weniger mit anderen Menschen zu tun hat, also grundsätzlich, meine ich, sondern viel mehr ist sie so’n Charakterding, ist bei Karneval genau gleich, nämlich das Vermeiden kollektiver Ausgelassenheit zu einem festen Termin oder, wie beim Karneval, Freude auf Kommando. Sämtliche Grenzen fallen, die größten Schwachmaten betatschen einen und jene, um die man im normalen Leben zumindest gedanklich einen Bogen macht, drücken einem ihre wulstigen Lippen ungefragt ins Gesicht. Ausgerechnet mir, der ansonsten wegen seiner „Nazi-Meinungen” von diesen Gutmenschen meist nur übel beschimpft und gecancelt wird. Bäh!

Also dann mal viel Spaß in diesem munteren Reigen. Den ganzen Tag lang höre ich schon im Geiste Alice Cooper: „No more Mr. Nice Guy. No more Mr. Clean …”

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Politik zum Jahresausklang – Warum? Nur so

Wenn man die neuste Umfrage (siehe Bild) von gestern zur Bundestagswahl anschaut und sie mit den vorherigen Umfragen vergleicht, lässt sich das Bild einer im Grunde gespaltenen Gesellschaft aus rechts und links gut erkennen. Auf der einen Seite der Block der rot-grünen Parteien, auf der anderen Seite schwarz-blau. Wobei sich hier in den nächsten 4 Jahren (meiner Meinung nach dauert es nicht so lange) noch die CDU aufteilen wird, da in oder mit ihr viele versteckte „Merkelianer” vorhanden sind, also jene linken „U-Boote” innerhalb der Partei, die die CDU als neue grüne Partei verstehen und umzubauen versuchen (Günther, Wüst und andere). Der Normalwähler wird also erst nach der Wahl im Februar erkennen, ob und wie weit die CDU als Ampelwiederholung agiert. Es lässt sich heute schlecht sagen, wie viele Linke sich innerhalb der CDU befinden und wie viele linke Wählerinnen und Wähler es eigentlich gibt, die CDU wählen.

Jedenfalls scheint es egal zu sein, was im Lande geschieht, denn die Umfragen bleiben im Wesentlichen stabil. Ob die eine Partei mit der anderen ein paar Prozentpunkte tauscht, ist bei einer Lagerwahl unerheblich. Das werden die konservativen Wähler der CDU erst nach der nächsten Wahl bei einer schwarz-rot-grünen Koalition erkennen und es wird sie dann veranlassen, bei der übernächsten Wahl eine entsprechende Quittung auszustellen. Dazu habe ich schon mehrfach geschrieben, es braucht nicht gähnend langweilig wiederholt zu werden.

Die Quintessenz ist die Spaltung der Bevölkerung in zwei fast gleichgroße politische Lager, und das sogar seit Jahrzehnten, eigentlich seit Bestehen der Bundesrepublik. Es wäre viel überschaubarer für die Bevölkerung, wenn wir wie in den USA nur zwei Parteien besäßen. Damit wäre ein Hin und Her abwechselnder Regierungen die demokratische Normalität. Hierzulande wird aber durch immer mehr Parteien das Klima hysterisch angeheizt, was im Kern trotzdem gar nichts an den beiden politischen Lagern ändert, sondern nur prima das Machtstreben einzelner Akteure verschleiert: Statt dass sich verschiedene Strömungen innerhalb der eigenen Partei durchsetzen und immer wieder behaupten müssen, spaltet man sich einfach als neue Partei von der Mutterpartei ab. Es ist der leichtere Weg, der dann die Karrieren für die Widersacher möglich macht.

Das zu erkennen, ist natürlich für den Teil der weniger politisch interessierten Bevölkerung schwierig bis unmöglich, da es stets erst hinterher, also nach der Wahl, offensichtlich ist, wer für was bzw. für welches Lager eintritt. Wahlaussagen oder Parteiprogramme sind schon lange Schall und Rauch, wenigstens die Erkenntnis ist mittlerweile bei fast jedem Wähler angekommen.

Anstelle von konkreter Politik sind wabernde Glaubensgrundsätze getreten: Die Grünen seien für die Umwelt, die Linken (SPD, Linke) für soziale Gerechtigkeit, die Rechten (CDU, AfD) für tumbe Deutschtümelei, die Liberalen (FDP) die Arbeitgeber-Partei. Dass dieser Glaube seit Jahrzehnten nichts, aber auch rein gar nichts mit der Realität zu tun hat, ist deshalb noch nicht in die Bevölkerung durchgedrungen, da dieser Aberglaube für die Akteure der Parteien so überaus vorteilhaft ist und sie daher versuchen, solche kindlich-naiven Glaubenssätze für sich selber und ihre Parteien zu benutzen. Diese ganze Verschleierungstaktik führte dazu, dass es in der deutschen Politik seit den 1990er Jahren zu keiner wesentlichen Veränderung gekommen ist, sondern dass jeder Versuch (z.B. Schröders „Agenda 2010”) im Ansatz bereits steckengeblieben war und rückgängig gemacht wurde.

Heute sieht die Politik in ihrem Kern nicht anders aus wie in den 1950er und 60er Jahren: Vorherrschend ist das Feindbild Russland auf der einen Seite und das Bild eines „antifaschistischen Widerstands” andererseits. Der ostdeutsche „antifaschistische Schutzwall” (Mauer und DDR-Grenze) ist zur gesamtdeutschen Brandmauer gegen die AfD mutiert und der Antikommunismus, der sich ja nie gegen den Kommunismus, sondern praktisch gegen Russland gewandt hatte (nicht gegen das kommunistische China), wurde zum Russland-Hass. Einzig die Etikettierung der Parteien hat sich geändert. Waren früher die Rechten geschlossen gegen Russland (Russen als Dauerfeinde), sind es heute die Linken. Pochten früher extrem laut die Linken auf eine Brandmauer gegen „die Faschisten” (also gegen alles rechts von links), so ist es heute viel lauter und mehr noch sowie erheblich aggressiver die CDU.

Entwicklungen? Fehlanzeige. Zum Globalismus, in dem wir alle natürlich heute tagtäglich leben, gehört selbstverständlich auch eine multipolare Welt. Nur wie sollte die Politik das erkennen, wenn sie nicht einmal im eigenen Land die Realität sieht? Viele reden von einem bunten Land aber erzeugen durch ihr Handeln ein muffiges Einheitsgrau. Statt die Freiheit der Menschen zu sichern, ziehen sich die Leute immer weiter aus der Öffentlichkeit zurück. Statt die Umwelt zu schützen und zu bewahren, wird sie im industriellen großen Stil zerstört. Statt den Wohlstand des Landes zu mehren, verarmen immer größere Teile der Bevölkerung. Statt für den Frieden und für ein Miteinander einzustehen, ruft man nach Waffen, Krieg, Ausgrenzung Andersdenkender und Mauern jeglicher Art. Es finden keine Entwicklungen statt, sondern nur Verhärtungen von Bestehendem.

Für eine bessere Orientierung sollte man einen Schritt zurücktreten und die Gemengelage einmal von außen oder von oben, je nach bildlicher Vorstellung, betrachten. Ähnlich wie es Elon Musk als Weltbürger mit erheblichen deutschen Interessen derzeit macht. Stattdessen wird Elon Musk dafür besonders von den deutschen Medien niedergeschrieben wie kaum ein anderer Zeitgenosse dieser Tage. Was daraus folgt ist Trotz und Stillstand jeder sich im Ansatz befindenden Bewegung.

Politiker, die Angst davor haben, ihre Macht, die ihnen demokratisch und auf Zeit erteilt wurde, durch eine demokratische Wahl wieder abzugeben, sind keine Demokraten, sondern machtbesessene Despoten oder Apparatschiks. So einfach ist das. Elon Musk hat genau das erkannt und befindet sich in einem Team am Beginn, die USA in diesem demokratischen Sinne von den verknöcherten Machtverhältnissen in den Medien und der Verwaltung zu befreien. Sein Tun ist eine Art Blaupause auch für uns, allein, und da drehe ich mich gedanklich im Kreis, uns fehlt, um diesen Wandel anzustoßen oder ordentlich ins Rollen zu bekommen, mindestens ein Viertel-Trump.

Gähnen zwischen den Jahren

Nun habe ich doch vier grottenschlechte Spielfilme angeschaut. Nein, es lohnt nicht, sie zu erwähnen. Außerdem habe ich die Titel schon wieder vergessen. Selbst von den guten Filmen vergesse ich die Titel. Ebenso von allen gelesenen Büchern. Keine Ahnung, wieso das so ist. Lese ich aber nur eine Zeile oder höre vom Inhalt des Erzählten, weiß ich sofort, um was es geht und Buch oder Film ist mir wieder so präsent wie am ersten Tag. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn ich mehrere schlechte Filme so ziemlich nacheinander sehe, macht sich im Kopf der Verdruss breit und ich kann am selben Tag erst mal überhaupt keine Filme mehr sehen. An diesem Punkt befinde ich mich gerade. Filme? Geh mir bloß wech damit 🙂

Eine solche Situation verführt natürlich leicht zu Fressorgien. Nein, ich reiße mich zusammen – aber in Versuchung kam ich schon.

Zwischen den Jahren gibt es auch kaum erwähnenswerte News, das Internet ist vergleichsweise still. Konsum ist genauso wenig angesagt wie etwaige Reparaturen, Bastel- oder Werkereien. Multimedia-Gedaddel mochte ich noch nie, auf Nebelwanderungen habe ich keine Lust und mein Nachbar, den ich heute besucht habe, ist längst auf seiner Nachtschicht. Die Familie, die kann mich mal, Weihnachten ist vorbei, zwischen den Jahren muss es nicht auch noch familiär werden. Die wenigen Freunde sind alle mit den Ihrigen beschäftigt oder im wohlverdienten Urlaub. Mein Interesse an irgendetwas entspricht derzeit dem eines Bären im Winterschlaf, der kurz mal eine Auge halb öffnet und sich laaange überlegt, ob es Sinn macht, sich an der leicht juckenden Stelle am Rücken zu kratzen, oder ob dieser Bewegungsaufwand doch vielleicht unverhältnismäßig und viel zu groß ist. Während dieser schwerwiegenden und bedeutsamen Gedanken schläft er wieder ein.

Jetzt ist’s sowieso mitten in der Nacht, mal schauen, ob mir im Laufe des morgigen Tages noch etwas Gehaltvolleres einfällt. Ansonsten lass uns doch ruhig mal eine Runde einfach so dahin dösen.

Süßer Traum, Stollengebäck und Rauhnächte

Eigentlich noch eine Fortsetzung von gestern: Denn gegen Mitternacht legte ich mich aufs Sofa und schlief ein Stündchen recht tief und fest. Ich träumte wirres aber wunderschönes Zeug aus meiner Studentenzeit mit Anfang/Mitte 20. Der Traum war so real, dass ich unmittelbar nach dem Aufwachen und noch auf dem Sofa liegend mein Telefon (kabelgebundenes Festnetzt-Telfon mit Wählscheibe) suchte, da ich unbedingt Claudia anrufen wollte, um ihr endlich zu sagen, wie sehr ich sie doch liebe, wie unfassbar weiß und rein meine Gefühle für sie waren und wie tief und bedeutend diese Zuneigung für sie war. Tja, so ist das mit den selbstverschuldeten vertanen Chancen, denn ich fand das Telefon nicht mehr.

Also begab ich mich schnurstracks in den nächsten Baumarkt, um ein neues zu besorgen. Der Techniker in der Telekommunikationsabteilung schüttelte nur seinen Kopf und sprach voller Bedauern: „Wie schade! So etwas führen wir hier leider noch nicht.” „Mensch”, fügte ein Kollege hinzu, „wir sind bereits heilfroh, bei der Geschäftsleitung durchbekommen zu haben, die Anschlüsse im Markt jetzt nach Weihnachten endlich auf ISDN umstellen zu können.” [Achtung: Traum und Logik haben bekanntlich nichts miteinander zu tun.] Somit blickte ich voller süßem Trennungsschmerz der nur wegen technischen Unzulänglichkeiten entstandenen vertanen Vereinigung einer bergsee-klaren gar heiligen Innigkeit hinterher, „bis dass der Tod euch scheidet” – und erwachte abermals; diesmal aber in Echt.

Leicht frustriert, überraschenderweise wirklich nur leicht und eigentlich auch weniger wegen des Bergsees wahrer Liebe als vielmehr wegen des Endes der süßen Träumerei, machte ich mich über das Stollengebäck her, jenes aus der Weihnachtstüte der Firma, für deren Öffnen ich mich bis heute bewusst und charakterstark zusammengenommen hatte (nicht vor Weihnachten öffnen! Und auch nicht an den Arbeitstagen, denn sie ist vorgesehen allein für den ersten freien Tag danach! Für meine persönliche Weihnacht). Bei einer frisch aufgebrühten Tasse Bohnenkaffee schmeckt dieses Stollengebäck vorzüglich; da hat sich jedes Warten gelohnt. Ganz anders als die junge Liebe. Doch gerade ihr Verlust, also als es auf der Kippe stand, real zu werden oder für immer ein Traum zu bleiben, verstärkte die leicht melancholische Stimmung und verwandelte den Stollen mit dem leckeren Tässchen Kaffee erst recht in einen seltenen weihnachtlichen Genuss, den ich langsam und mit maximal zeitlicher Verzögerung bis vorhin ausgedehnt hatte.

Selbst die eingeriebenen Reste des Puderzuckers in T-Shirt und Jogginghose können mich nicht mehr ärgern, denn nach einem Jahr in der neuen Wohnung habe ich ja endlich eine Waschmaschine. ’s geht also ab in die Wäschetonne. Wieso ich zwischen den Jahren nicht wasche? Bis zum 6. Januar herrschen die „Rauhnächte”. In diesen Tagen öffnet sich das Geisterreich und die Grenzen zwischen dem Jenseits und dem Diesseits verschmelzen miteinander. So wie in einem Traum. Wenn dann die Geister herumschwirren, besteht für sie die Gefahr, sich in der aufgehängten Wäsche zu verirren oder sich in den gespannten Leinen zu verfangen. Deshalb bringt es Unglück, in dieser Zeit zu waschen. Mit einem Trockner müsste es wahrscheinlich schon gehen, doch für den hätte ich sowieso keinen Platz. Also zwei Wochen Waschpause 🙂