Nachlässigkeit

Seit 29 Jahren bewege ich mich fast täglich im Internet. Da sollte man eigentlich jeden Betrugsversuch kennen. Kenne ich ja auch, doch mit der Zeit hält die Schludrigkeit Einzug. Dinge, die beinahe automatisiert ablaufen, werden zusehends unbeachtet durch das Innere Ich erledigt. Nun hatte es vor etwa einer Woche ein Mal nicht aufgepasst:

Eine Mini-Software (neudeutsch: Applikation oder kurz App), die ich der Bequemlichkeit halber kurz benötigte und anschließend wieder löschte, lud ich von einer Webseite der ehemaligen Computer-Fachzeitschriften, die sich alle schon längere Zeit als bloße Werbeträger für Hersteller missbrauchen lassen, kostenlos herunter aber klickte zu schnell auf „weiter”, „weiter” usw., ohne die Installation manuell durchzuführen. Die geneigte erfahrene Leserin und ebendieser Leser weiß natürlich, was langsam folgte 🙂

An den ersten beiden Tagen lief alles seinen gewohnten Gang. Dann wurde der Seitenaufbau diverser Internetseiten spürbar langsamer. Den Höhepunkt bildete ein traniges schleppendes Verhalten des gesamten Rechners. Wie gut, dass ich nicht einen schnellen Rechner besitze, der genug Rechenleistung aufbringt, um den Geschwindigkeitsverlust auszugleichen, sondern zwei, manchmal drei, langsame Rechner betreibe, die einzeln bereits bei drei oder vier gleichzeitigen Arbeiten zu ächzen beginnen, parallel betrieben aber im Ergebnis den schnellen Maschinen oft gleichwertig sind. Denn dadurch bemerkte ich die versteckt im Hintergrund installierte und nun täglich forscher arbeitende Malware recht früh. Es war ein sogenannter „Optimizer”. Das letzte Mal, dass mir so etwas passierte, ist bestimmt 15 Jahre her, wenn nicht länger.

Quintessenz: Trotz allen Wissens und einer „eigentlich” kompetenten Routine, können sich die blödesten Fehler nach wie vor einschleichen. Nun war es keine wirklich bösartige Malware, eher eine lästige, weil sie sich immer wieder neu installieren wollte und erst nach einer Änderung in der Registrierung dauerhaft entfernt werden konnte, aber immerhin: wäre sie bösartig gewesen, und hätte sie die Kontrolle über den Rechner übernommen, so wäre sie wohl nur durch eine Komplett-Neuformatierung des Rechners zu entfernen gewesen. Und das zeigt auch die Antwort auf die Frage, wieso die simpelsten Methoden ihrer Verbreitung immer mal wieder Erfolg haben: man passt im Alltag und bei langweiligen Arbeiten einfach nicht mehr ausreichend auf.

2 Kommentare
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Barbara
Gast
Barbara
1 Monat zuvor

Was wolltest du denn optimieren?
Ich erinnere mich noch an den Virenschutz von McAfee, der sich nur unter größten Schwierigkeiten und zig Versuchen deinstallieren ließ. Der kam in einem Paket mit irgendwas was ich gekauft hatte und installierte sich selbst.
Und so zappelige Smileys, mit der jemand seine Mails verziert hatte, gingen überhaupt nicht mehr weg. Die nervten, bis der Rechner abgeraucht war.