Heute gab es nur einen Testfilm gewissermaßen. Ich wollte mal schauen, ob meine Aussage vom letzten Montag nach wie vor stimmt, nämlich was die Umkehrung der Qualitätslisten des Mainstreams im Bereich Kultur, jetzt halt Filme, betrifft. Also hatte ich mir in den letzten 2 Stunden Wim Wenders neuen Streifen „Perfect Days” angeschaut, ein absolut und in höchste Sphären gelobter Spielfilm, der sogar für den Oscar 2024 nominiert worden ist. Sein Inhalt lässt sich schlicht und ergreifend als das persönliche Glück oder die Zufriedenheit beschreiben, die in der normalen und eintönigen Lebensroutine zu finden ist, wenn man sie denn sieht. Ein gutes Thema, vielversprechend.
Die beiden Stunden kamen mir am Ende so lange vor, als hätte ich den gesamten Nachmittag einen Spielfilm nach dem anderen angesehen. Für meine Begriffe gibt es kaum einen langatmigeren und langweiligeren Film. Es wird auch noch der Hauptdarsteller in den Himmel gelobt und bepreist, dabei frage ich mich, was für ein Schauspiel er denn überhaupt vollbringt? Bis auf eine einzige Szene am Ende des Films, entsteht so gut wie keine Mimik. Er spricht auch kaum ein Wort und ist nur in normaler Körperbewegung zu sehen. Er spielt keinerlei Emotionen oder Überraschungen abseits des Gleichmuts seines routinemäßigen Filmdaseins. Da hätte man genauso gut ein Pappgesicht hin und herschieben können, es würde für den Film keinen Unterschied machen.
Nunja, jedenfalls habe ich die Bestätigung bekommen, dass die heutigen Empfehlungslisten rückwärts gelesen werden sollten: das Gute findet sich am Ende und das kaum Auszuhaltende steht auf den ersten Plätzen. Man hätte diesen zweifellos guten Inhalt wesentlich besser gestalten können. Ich erinnere da an stilistisch ähnliche Filme wie „Lost in Translation” oder „Broken Flowers”. Sie zeigen, wie mit Ruhe und Stille aber ohne auch nur eine Sekunde Langatmigkeit impressionistische Filme fürs Kino umgesetzt werden können. Der Qualitätsunterschied zu „Perfect Days” ist – mir fehlt ein treffendes Beispiel – am ehesten so groß, als stammten sie aus einer anderen Welt.
Für den Fall, dass ich missverstanden werden sollte: nein, ich habe weder schlechte Laune, noch hat dieser Verriss irgendwie etwas mit einem Schimpfen zu tun. Auch empfinde ich ihn nicht im Geringsten als negativ, im Gegenteil, denn ich freue mich, dass die Umkehrung der Empfehlungslisten nach wie vor so prima und verlässlich funktioniert.
In übertragenen Sinne wünsche ich dir auch ein fröhliches Ostereiersuchen für einen Unterhaltungsfilm am heutigen Abend.