Bricht gerade eine neue kriegerische Epoche an?

Neulich sprach jemand zu mir, beim Krieg in der Ukraine ginge es nur ums Geld. Na, herzlichen Glückwunsch zu dieser Erkenntnis, sagte ich. Natürlich geht es jetzt bei den Friedensverhandlungen ausschließlich darum, wie die Ukraine den gigantischen Schuldenberg, den sie bereits vor dem Krieg angehäuft hatte und zu dem sich sämtliche Kriegskosten hinzugesellen, wird zurückzahlen müssen. Das sind Summen, die jede Vorstellungskraft sprengen. Da das Land dieses Geld aber nicht besitzt, werden ihre kostbaren Bodenschätze für Jahrzehnte von den Kriegsteilnehmern ausgebeutet werden; sie gehören fortan den USA und Russland. Inwieweit die Europäer für ihre finanzielle Kriegsteilnahme etwas von dem Kuchen abbekommen, steht allerdings in den Sternen, denn: The winner takes it all. The loser’s standing small.

Mit dieser altbekannten Lebensweisheit ist die Kriegsgeilheit großer Teile europäischer sowie deutscher Politik erklärbar. Man möchte am Ende nicht leer ausgehen.

Das wird selbstverständlich in andere und schön klingende Worte gehüllt, ist klar. Kann man auch so machen in der Hoffnung, die dumme Mehrheitsmasse der eigenen Bevölkerung möge unter diesem flauschigen Mäntelchen der Moral die wahre Gestalt der Gier in seinem nackten Zustand nicht erblicken. So wird die eigene Bevölkerung getäuscht, nicht aber die USA und Russland. Und da weder Deutschland noch die EU über militärische Mittel verfügen, den beiden Großmächten zu drohen, fordern ihre Anführer viel Geld für die Aufrüstung. Das nutzt ihnen zwar im Moment noch nichts, da eine Rüstung mindestens ein Jahrzehnt in Anspruch nähme, wahrscheinlich sogar mehrere, wenn man die grundsätzliche Ineffektivität eu-weiten Handelns dabei bedenkt, doch es entblößt die Absicht einer nur vorübergehenden Beruhigung des Krieges, denn man habe schließlich noch ein Wörtchen mitzureden. Ein Wiederaufflammen des Konflikts in ferner Zukunft mit der EU als direktem Kriegsteilnehmer wäre damit bereits heute besiegelt.

Die Angst, der Russe stünde ohne diese Aufrüstung morgen bereits am Rhein, dient allein dazu, dass in den warmen klimaveränderten Sommern hierzulande niemand auf die Idee kommt, das flauschige Mäntelchen der Moral ein wenig zu lüften. Unser Bibbern soll unbedingt bestehen bleiben. Wir haben es bei Corona gesehen: Angst frisst Hirn. Mit der Angst lässt sich die Bevölkerung wie eine große Marionette an den Fäden steuern; man kann mit ihr fortan alles machen, was man will. Es würde mich daher nicht im Geringsten überraschen, wenn in 10, 15 Jahren die Menschen in einer EU-Armee begeistert gegen Russland – oder eventuell unter neuen Voraussetzungen – gegen China jubelnd in einen Krieg ziehen.

Krieg ist nicht ausgestorben, das sehen wir ja gerade, fühlen uns aber momentan noch nicht persönlich davon betroffen. Nun, es sieht nach Veränderung aus, denn die Russenphobie wird derzeit kräftig angeheizt. Wenn zum Beispiel durch die gigantische Schuldenmacherei die EU zerbricht und einige Länder sich bilateral in Richtung USA, Russland oder China wenden, und wenn in der Folge ein wirtschaftliches Elend in der Rest-EU droht, dann könnte eine neue Zeit kriegerischer Auseinandersetzungen in Europa anbrechen. Ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen, doch welchen „weisen Politikern” sollten wir die Führung einer EU-Armee denn anvertrauen? Die EU besäße mit einer Armee ein viel zu gefährliches Werkzeug. Man gibt schließlich Kindern auch keine Messer in die Hand – und dass Politiker der EU nicht handeln wie verantwortungsvolle Erwachsene, dürfte eigentlich jedem einleuchten.

Break – du bist jetzt verschont von einer weiteren Schwurbelei (Inneres Ich: „Dem Himmel sei Dank!“), denn die Realität kommt mir gerade in die Quere. Muss mich nun ankleiden (12:30 Uhr) und dann bin ich weg für heute. Derweil wünsche ich dir einen schönen sonnigen Rosenmontag.