Vorarbeiten

Herrje! Nu‘ kann ich mich kaum noch bewegen. Zuerst anderthalb Stündchen im Wald unterwegs und danach konnte ich’s einfach nicht lassen: Habe das alte monströse Bett alleine auseinandergenommen und alles samt Matratze nach und nach mit und ohne Sackkarre in den Keller verfrachtet. Sogar der Akku des Akkuschraubers hat dabei schlapp gemacht (es war gottlob ein zweiter geladener vorhanden). Jetzt nur noch saugen und wischen, dann steht der Platz für den Aufbau des neuen Betts bereit. Eigentlich wollte ich das alles im Laufe des morgigen Sonntags machen, doch es ist ein ziemlich gutes Gefühl, damit jetzt schon fertig zu sein. So schmeckt das Stückchen Kuchen und das lecker Tässchen Kaffee im Küchenerker nochmal so gut.

Inneres Ich: „Und wo schlafen wir die nächsten zwei Nächte, hmm?”

Das kann die Matratze auf dem Boden liegend ab. In zwei Tagen schimmelt da nichts.

Inneres Ich: „Das woll’n wir hoffen, du erinnerst dich sicher noch …”

Ja, vor annähernd 50 Jahren – das Bild hat sich in meinem Kopf eingeprägt, als wäre es erst gestern fotografiert worden, schlief ich mit meiner damaligen Teenager-Freundin in der ersten eigenen Wohnung mangels Geld für ein Bett auf zwei Matratzen auf dem Boden. Alles schien monatelang einfach nur herrlich zu sein, Freiheit! Die Welt gehörte uns. Wir dachten, wir seien endlich erwachsen und so – bis ich die Matratzen aus heute nicht mehr erinnerten Gründen angehoben hatte: Ein dicker Teppich aus fröhlich sprießenden bunten Schimmelpilzen wuchs in einer Art Feuchtbiotop direkt unter der jugendlichen Spielwiese.

Trotzdem sind zwei Nächte auf dem Boden völlig in Ordnung. Noch’n lecker Tässchen Kaffee gefälligst? Stückchen Kuchen dabei?

Fuck You

Man benutzt mündlich im Alltag eine oft derbere Ausdrucksweise als in öffentlichen geschriebenen Texten. Von „Verarschung” oder „Lüge” ist in Artikeln eher seltener die Rede, dafür um so mehr von „Unwahrheiten”, „Fehlinterpretationen” oder „Irritationen”. Doch bitteschön, warum sollte man Friedrich Merz nicht als einen derben Lügner bezeichnen, wenn er sämtliche Wahlversprechen nicht einhält, das niedergeschriebene Wahlprogramm sogar ins Gegenteil verkehrt und nun genau das macht, was er vorher lautstark (mit seinem großen Maul) hundertprozentig ausgeschlossen hat? Oder weshalb sollte man die UN, insbesondere die Wahl des einflussreichen Vorsitz der UN-Frauenrechtskommission, nicht als totale Verarsche der Frauen bezeichnen, wenn diesen Posten ausgerechnet ein Vertreter des Landes bekommt, in dem die Frauenrechte geradezu mit Füßen getreten werden?

Das sind also nur zwei Beispiele, bei denen die Bürger (neudeutsch die Zivilgesellschaft) völlig offen belogen und verarscht werden. Welchen Grund gibt es, dies nicht klar und deutlich zu benennen? Weil man niemandem zu nahe treten möchte? Ihn nicht beleidigen will, die Sprache der Diplomatie selbst den größten Schurken nicht ausgrenzen soll? Oder welcher Grund für die Verschleierung der Sprache fiele dir sonst noch ein?

Inneres Ich: „Weil dann die Tore weit geöffnet werden und sich alle nicht mehr miteinander unterhalten, sondern nur noch gegenseitig wüst beschimpfen.”

Naja, es stellt sich aber gleichwohl die Frage nach Konsequenzen. Wenn sich alle im Kreise der Mächtigen allseits lieb haben und der Zivilgesellschaft Redlichkeit und Harmonie vorspielen, können sie unbeirrt mit ihrem Betrug, mit der Korruption, mit der Ausplünderung aller Menschen auf dem Globus weitermachen. Die Diplomatie bedeutet oft nur ein munteres Spiel von Intrigen, die wiederum nicht den Bürgern dienen, sondern allein zur Umverteilung des „generierten Geldes” in andere Taschen förderlich sind. Zum Beispiel: Wer nun genau von der CO2-Abgabe, der Luftbesteuerung, profitiert oder wem nun genau eine Strategie bis hin zu einem Krieg nutzt, das kann dem sterbenden Soldaten wie auch dem ausgepressten Sklaven reichlich egal sein. Nicht das Ziel der Korruption, der Unterdrückung oder des Krieges ist relevant, sondern die Tatsache, dass es so etwas überhaupt gibt. Zuerst muss also Frieden herrschen, Freiheit wiederhergestellt werden, Organisationen, die das verhindern, in ihre Grenzen verwiesen oder gar abgeschafft werden, bevor man im Detail darüber berät, wie was ggf. organisiert werden kann. Um das zu erreichen, muss man das Problem aber erst einmal erkennen bzw. benennen – und da kommt eben eine deutliche Sprache mit klaren Begriffen ins Spiel: Nomen est fraudis, benenne den Betrug.

Zumindest ich plädiere daher für die Derbheit der Realität in Wort und Schrift. Und falls sich ein Betrüger, Profiteur, Ausbeuter oder Kriegsherr dadurch beleidigt fühlen sollte, so kann er ja einfach mit seinem Tun und Handeln, das die Bevölkerung zur Weißglut bringt, aufhören, schon ist er ein wohlgesinnter, gern gesehener Zeitgenosse der Zivilgesellschaft, der Civitas Mundi, nicht wahr? Also Fuck You Merz und CDU, Klimapolitik und UN-Frauenrechtskommission 🙂