Es soll jetzt eine Woche kühler werden mit Regen, bevor dann der Sommer kommt. Der Wetterbericht verspricht für übernächsten Sonntag sogar 30 Grad. Egal, ob du das gut findest oder nicht, es ist bezeichnend, denn die Natur zeigt uns etwas, was oft einem Wetterwechsel vorangeht: Zuerst wird es „schlimmer”, bevor der Wechsel sich dauerhaft durchsetzt.
Im übertragenen Sinne könnte man diese Regel auch auf Gesellschaften übertragen. Wenigstens auf unsere momentan. Auch hier befinden wir uns kurz vor einem endgültigen Wetterwechsel. Die Verbotskultur der Wokeness ist vorbei, doch bevor sie für lange Zeit verschwindet, zeigt sie uns nochmal, wozu sie in der Lage ist.
Da wird zum Beispiel ein Handwerksbetrieb an den Pranger gestellt, der auf seinen Firmenwagen vermeintlich sexistische Aufdrucke verwendet. Dass er mit diesen Bildern („Herrliche Aussichten, werde Dachdecker”) seit 13 Jahren anstandslos unterwegs ist und die „normalen” Leute diesen Humor lieben, ist dabei für die Sittenwächter unerheblich. Oder die im 18. Jahrhundert erschaffene Nachbildung der antiken „Venus Medici”; sie musste letztes Jahr aus dem Foyer einer Bundesbehörde in Berlin Weißensee verschwinden, da ihre Nacktheit als sexistisch empfunden wurde.
An Beispielen aus der jüngsten Zeit könnte ich eine ganze Liste hier erstellen, zum Glück betreibt sie schon „Achgut” in der Rubrik der aktuellen Verbotskultur mit Namen „Ausgestoßene der Woche”. Es ist immer wieder amüsant, dort freitags nachzulesen, was sich die links-woken Tugendwächter in der jeweiligen Woche haben einfallen lassen.
Zurück zum Wetter. Schnell ein Mal die Wokeness auf die Spitze treiben, selbst wenn die meisten Leute darüber nur noch lachen. Es ist der Regen und die kühle Witterung, bevor auch die Sonne darüber lacht und den warmen Sommer zu uns bringt. Wie die beiden Beispiele zeigen, werden die Vorwürfe zusehends absurder. Sie ähneln einem Aufbäumen kurz vor dem endgültigen Darniederliegen. Es ist das April- und Maiwetter, in dem der Winter sich immer mal wieder kurz zurückmeldet. „Kampf bis zur letzten Patrone!”, „Wunderwaffen” und „Endsieg” sind so Parolen, die mir unwillkürlich dazu einfallen. Doch die Wokeness ist zu Ende. Das zeigt uns gerade ihre Absurdität. Die Vorfreude auf den Sommer, „The Summer of Love”, hat begonnen.