Das Gerücht über die Juden

Wer Gerüchte über Juden weiterverbreitet (z.B. Kindermord, Genozid usw.) und sie dadurch zu Pseudofakten aufwertet, betreibt Antisemitismus. Und zwar auch dann, wenn er selber vom Gegenteil überzeugt ist, wenn er glaubt, Gutes zu tun. Theodor W. Adorno, den jeder Bundeskanzler eigentlich kennen sollte, sagte unmissverständlich, dass der Antisemitismus keine Meinung sei, sondern ein Affekt. Was ein Affekt ist, erklärt Wikipedia: „Ein Affekt ist eine Gemütserregung oder ein Gefühl, das durch äußere Anlässe oder innere psychische Vorgänge ausgelöst wird.”

So einfach ist „der Krieg der Bilder” zu erklären. Es geht bei den Fotos oder Filmschnipsel meist nicht um eine Wahrheit, sondern immer nur darum, einen Affekt, eine Gefühlsregung im beabsichtigten Sinne auszulösen. Von Journalisten und Politikern kann man daher erwarten, dass sie sämtliche Bilder zuerst hinterfragen, bevor sie affektiv darauf reagieren. Bei den eigentlich leicht als Manipulationen zu erkennenden Bildern, die von der Hamas präsentiert werden, setzt diese Professionalität (der Überprüfung) aber seltsamerweise sofort aus. Wie kann das sein?

Ein Gerücht erfüllt den Nutzen, dass man eigene Fantasien oder Vorstellungen, die im Dunkel des eigenen Geists wabern, die man sich verbietet, die man sich selber nie zugestehen würde, praktischerweise ausleben kann. Das Gerücht nimmt einem die Aufgabe des Denkens ab, es schaltet gewissermaßen das Gehirn aus. Wie bei einer ärztlichen Untersuchung, in der mit einem kleinen Hammer auf den Nerv des Knies geschlagen wird, um den anschließenden Effekt zu prüfen, so ersetzt im übertragenen Sinne das Gerücht den Hammer.

Inneres Ich: „Bei dieser Gleichsetzung bin ich als Patient aber nicht in der Lage, den nervlichen Affekt, den Ausschlag des Unterschenkels, durch mein Denken zu beeinflussen. Daher ist dieses Beispiel ungeeignet.”

Nein, ist es nicht, denn der bei einem Foto ausgelöste geistige Affekt ist erst mal genauso unbeeinflussbar wie der Nerv im Knie. Der Ausschlag des Unterschenkels lässt sich nur durch den eigenen Willen und gefolgt durch eigenes Handeln vermeiden, indem du z.B. mit den Händen dein Bein festhältst und so den Reflex verhinderst. Beim Gerücht bzw. beim Bild ist es dasselbe: Nur durch eine klare autoritäre Handlungsanweisung, eine Regel, die du dir selber stellst und die z.B. heißt, „keine Reaktion ohne vorherige Überprüfung”, lässt sich der Reflex oder das reflexartige Handeln vermeiden. Es hat also schon etwas mit Selbstdisziplin zu tun. Immerhin unterscheidet sich der Mensch vom Tier gerade in dieser Hinsicht.

Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden (Adorno). Er löst also eine Art Reflex aus, dem du nur mit bewusstem Denken begegnen kannst. Der Mob denkt nicht, er reagiert wie eine Herde, die außer Kontrolle geraten ist. Da der Antisemitismus also eher wie ein Reflex funktioniert, kann man ihn auch nicht mit Argumenten beseitigen. Wenn man das versteht, wird ersichtlich, weshalb er auch immer wiederkehrt.

Dass wir heute in einer Zeit leben, in der wir einen Bundeskanzler haben, der alles andere als ein selbstdisziplinierter kluger Mann ist, müssen wir sein schändliches Verhalten gegen Israel hinnehmen – wir (als Mehrheit) haben ihn gewählt, was die aktuellen Umfragen heute noch bestätigen. Hinnehmen müssen wir es, ja, aber nicht unwidersprochen. Die sogenannte „Luftbrücke nach Gaza” ist keine Hilfe für notleidende Menschen, sondern sie ist eine Schande und zementiert die Herrschaft der Hamas und deren Menschenverachtung. Merz ist auf antisemitische Gerüchte hereingefallen und sein affektives Handeln wird grinsend von den Judenhassern aufgenommen. Er betreibt, ohne es zu wissen, den reinsten Antisemitismus, den ich mir von einem deutschen Regierungschef nie hätte vorstellen können.

Sehr deutlich bringt es Julian Reichelt auf den Punkt: Die Luftbrücke zur Hamas, den Feinden Israels, die Juden ins Meer treiben wollen: