Aufgeschobene Arbeitslosigkeit

Mittlerweile ist mein Schlaf-Wach-Rhythmus wieder auf normal, also auf die Nacht als Tag eingestellt. Das funktionierte im letzten Monat, nachdem ich mehrere Tage wach und aufmerksam sein musste, ganz von alleine. Täglich etwas später ins Bett und ebenso täglich später ausgeschlafen. Heute sollte dann der erste Tag sein, an dem ich meine neue arbeitsfreie Zeit so richtig genießen wollte. Gegen 13 Uhr aufgestanden saß ich vor der ersten richtig leckeren Tasse Kaffee, schaltete leichtsinnigerweise das Smartphone an und „Pling, Pling, Pling” trudelten diverse Meldungen und Benachrichtigungen über verpasste Anrufe ein. Bis hierhin noch eher egal, doch unter ihnen war auch eine Nachricht meiner Ex-Chefin, die um dringenden Rückruf bat.

Inneres Ich: „Georg, komm zum Punkt!”

Nein, ich schweife nie ab! Die Situation musste geschildert werden. Denn ich rief zurück und die neu gewonnene Freiheit war dahin. Also lange Rede, kurzer Sinn: Die nächsten 3 Monate verlängert sich meine Berufstätigkeit. Man braucht mich, und ich sage nicht Nein – wegen der Kohle, die ich natürlich gut gebrauchen kann. Damit verschiebt sich mein Vorhaben, von dem ich hier noch nichts erzählt habe, es aber schon mehrmals angedeutet hatte, um mindestens 3 Monate.

Auch die kommenden Nachtschichten verlängern sich. Statt 9 Stunden, werden es nun 12 Stunden sein. Dafür aber in dem angenehmen Schichtsystem wie vorher: 2 Nächte Dienst, 4 Nächte frei usw., insgesamt also nur ca. 120 Stunden im Monat. Ich hätte auch die 4er-Schicht machen können, das ist es mir aber nicht wert, denn Viele denken zwar, wenn man bei der 2er-Schicht sagen wir mal 1.500 € netto verdient, dann müsste man mit gleichem Stundenlohn bei der 4er-Schicht logischerweise das Doppelte verdienen; das ist allerdings nicht der Fall, der Mehrverdienst für die doppelte Arbeit beträgt dann netto nur wenige hundert Euro. Und auf die Mini-Rente haben die 3 Monate sowieso keinen Einfluss. Aber sie dehnen das Arbeitslosengeld um 3 Monate aus, so dass es näher an die Rente heranreicht. Nunja, das sind halt gute Gründe für mich, das Angebot dankend angenommen zu haben. Und da die Arbeit auch nachts stattfindet, hat sich mein Biorhythmus den kommenden Erfordernissen praktischerweise schon perfekt angeglichen. Es gibt noch einen Vorteil: Ich werde endlich wieder während der Arbeit alleine sein, brauche also nicht mehr die dummen Menschen mit ihrem verblödenden TV- und Spiele-Konsum zu ertragen. Hört sich für dich arrogant an? Nur so lange, so lange du so etwas nicht selber nächtelang miterleben musst 🙂

4 Kommentare
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Barbara
Gast
Barbara
6 Monate zuvor

Ist doch super, dass du noch mal in die Verlängerung gehst!

Barbara
Gast
Barbara
6 Monate zuvor
Reply to  Georg

Mit Schulden kenne ich mich aus. Nach der Wende haben wir uns nach langem Zögern zum Kauf einer Ost-Immobilie entschieden. In diesem Jahr hatten wir sehr viel verdient, und die Hälfte wäre „in Waigel’s Taschen“ geflossen. Unser Steuerberater, dem wir immer vertrauen konnten, hatte sich einen jüngeren Mitgesellschafter in die Kanzlei geholt. Der hat uns dann argumentativ überzeugt, das Engagement einzugehen (vermutlich hat er Kickbacks kassiert, konnte man ihm natürlich nicht nachweisen). Tja, das Ganze endete dann im Desaster. Und wie heißt es doch, das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer.
Wir waren ganz knapp davor, unter der Brücke zu landen. Viele Anwälte später habe ich es dann selbst geschafft, uns aus diesen Schulden zu befreien. Es hat mich vieleJahre alle Nerven gekostet. Ich war danach einige Zeit in einer psychosomatischen Reha, aber mein Körper hat sich dann trotzdem den schwächsten Punkt gesucht und mich krank werden lassen.
Wir haben jetzt nur noch sehr wenig Geld, ich sage immer wir leben zwischen armutsgefährdet und armutsbetroffen. Aber ich kann, was noch übriggeblieben ist, selbst einteilen und muss nicht mehr voller Angst den Briefkasten öffnen.
Es war eine ganz schlimme Zeit, manchmal dachte ich daran mir den Strick zu nehmen.
Schulden zu haben, und dann noch in solcher Höhe, das ist kein Leben.