Film-Tipp: The Life of Chuck

Und es gibt sie doch, die herausragenden Filme, die einen bewegen oder die die Welt für einen Augenblick stillstehen lassen. „The Life of Chuck” ist solch ein Meisterwerk. Die erzählte Geschichte bleibt unter allen Umständen lebensbejahend und sogar fröhlich, selbst in jenen Momenten von Tod, Verlust und Trauer. Wenn ein Mensch stirbt, verschwindet mit ihm ein ganzes Universum. Ein Verlust zweifelsohne, doch andererseits entstehen immer neue Universen voller Leben und Erlebnisse. Vielleicht lässt sich der Film mit dieser kleinen Erkenntnis zusammenfassen, die letztlich Trost spendet und sogar zu Heiterkeit animiert, denn egal, was du tust oder unterlässt, das Leben, das Universum, wird immer wieder neu geboren.

Der Film beginnt von hinten, erzählt wird von hinten nach vorne. Erst am Ende des Films wird das Geschehen verständlich. Im ersten seiner in 3 Teile erzählten Geschichte spürt man förmlich eine sarkastische Freude am Untergang der Welt. Nicht aber Klimaveränderungen oder Auswirkungen der Umweltzerstörung sind hier die Gründe, sondern mehrfach wird dem Zuschauer klar gemacht, dass die Menschheit und alles, was sie vollbringt, für die Entwicklung des Universums völlig unwichtig und unbedeutend ist. Deshalb gibt es keine erhobenen moralischen Zeigefinger, denn jeder ist vom Untergang gleichermaßen betroffen und weiß noch nicht einmal, wieso es diesen Untergang überhaupt gibt. Der ganze Spaß der Geschehnisse und der Reaktionen der Leute wird in intelligenter Art und Weise zelebriert oder, besser noch ausgedrückt, geradezu fröhlich augenzwinkernd genossen. Aber dann geschieht etwas Besonderes, das den gerade vorher verwendeten Begriff des Zelebrierens ins Absurde führt, was ich aber als geradezu genial empfinde: Das Ende der Welt ist urplötzlich da. Bei aller Anbahnung dann doch unvorbereitet. Von der einen auf die andere Sekunde ist die Erde weg, existiert nicht mehr. Es bleibt keine Zeit fürs Sterben, für Schreie oder fließendes Blut. Mitten im gesprochenen Satz ist Schluss – ein schwarzer Bildschirm. Diese Filmszene erinnert frappierend an die letzte Szene der Serie „Die Sopranos”, die mich lange ziemlich beschäftigt hatte. Anders als in der TV-Serie endet damit aber nicht der Spielfilm …

Je mehr Geheimnisse im weiteren Verlauf gelüftet werden, desto tiefer reicht die Geschichte. Sie schlingert, sie verlässt den Pfad der Komödie hin zu einem romantischen Drama oder zu einer philosophischen Betrachtung des Individuums, der Existenz des einzelnen Menschen, um doch auch wieder komödiantisch zu werden. Am Ende mag man sich im Fernsehsessel zurücklehnen, über das eigene Leben nachsinnen und erkennen, dass es gut ist, wie es ist, dass alles gut ist, wie es ist, wie es je war und wie es immer sein wird. Das eigene Leben, ob eine romantische Komödie oder ein schweres Drama, über weite Strecken auf Messers Schneide zwischen Angst und Zuversicht, zwischen Freude und Dramatik, doch immerzu in der beruhigenden Gewissheit, dass es uns allen am Ende gleich ergeht. „Vielen Dank für die wundervollen 39 Jahre”, so steht überall in Chucks Universum auf Werbetafeln geschrieben – und genau so könnten wir unsere Dankbarkeit in den eigenen Universen ebenfalls plakatieren.

Wie auch letzte Woche schon, so spielt erneut ein Junge eine der Hauptrollen, der die Geschichte wesentlich mitträgt. Allein die Tanzszenen sind dabei bereits ein hinreißendes Vergnügen. 10 „Georg-Punkte”.