Bevor der Eindruck entsteht, du seist hier in einem Konsumblog gestrandet, möchte ich ihm disclaimer-mäßig energisch widersprechen. Jawohl.
Inneres Ich: „Na, dann sag schon, was haste wieder gekauft?”
Tu nicht so überheblich! Das, worüber ich nun erzähle, habe ich nicht des Kaufens wegen angeschafft, sondern nur aufgrund seiner Praktikabilität, wenn ich das mal so ausdrücken darf.
Inneres Ich: „Jaja, ist klar. Was ist denn so praktisch, hm?”
Also: Die Lichtleiste am Bett ist hervorragend, sie gefällt mir wirklich ausgesprochen gut. Nun besitzt die Fernbedienung aber keine Countdown-Funktion. Dennoch hätte ich gerne, dass sie nach dem Einschalten, während ich langsam im schönen Licht ins Reich der Träume gleite, nach einer bestimmten Zeit automatisch ausschaltet. Sagen wir nach einer Stunde.
Für meine USB-Ladestation in der Diele habe ich aus diesen Gründen einen rückläufigen Countdown-Schalter in die Steckdose vorgeschaltet, der nach XX Stunden (frei wählbar) ausschaltet. Dadurch wird zuverlässig eine Überladung der Akkus verhindert, denn nicht auf jedes elektronisches Gerät bzw. auf seine automatisch geregelte Abschaltung ist Verlass. Dazu muss ich ein Mal einen Knopf auf diesen Countdown-Schalter an der Steckdose drücken.
Im Schlafzimmer hingegen befindet sich eine 3er-Steckdose, an die die Lichtleiste angeschlossen ist, am Kopfende unter dem Bett. Die Steckdose der Wand liegt ebenfalls in niedriger Höhe unter dem Bett. Somit kommt die Lösung der Diele nicht in Betracht. Ansonsten benutze ich einige Funksteckdosen in der Wohnung, die aber alle keinen Countdown-Timer besitzen. Google mal danach: Du wirst entweder eine Menge Funkschalter ausschließlich fürs Ein- und Ausschalten finden oder etliche Timer-Steckdosen, deren Countdown mechanisch an der Dose eingeschaltet wird, aber es gibt kaum ein Produkt, das beides beinhaltet: Eine Funksteckdose, die gleichzeitig einen Contdownschalter besitzt.
Notabene: Ich beschreibe keine Zeitschaltuhr! In viel zu unregelmäßigen Zeiten gehe ich zu Bett. Außerdem: Selbst wenn es eine Funk-Zeitschaltuhr geben würde, habe ich natürlich keine Lust, jedes Mal vor dem Zubettgehen noch minutenlang etwas auf einem Mini-Display zu programmieren – oder gar mein Zubettgehen von einer eingestellten regelmäßigen Zeit vorschreiben zu lassen, was man ja bereits als eine Art Vorstufe künftiger Pflegeroboter verstehen könnte. Eine rückwärtslaufende Countdown-Uhr ist da etwas ganz anderes, denn ein Knopfdruck genügt, schon läuft eine gewisse Zeit ab.
Und nun komme ich zum Konsum-Tipp, denn ich fand als einziges Produkt bei Amazon, diese Countdown-Uhr eben MIT Fernbedienung. Ihre Steckdose verschwindet im 3er-Stecker unterm Bett und braucht fortan nicht mehr berührt zu werden, denn ohne Programmierung bietet die Fernbedienung eine Auswahl von einer oder vier Stunden eines Countdowns. Also ein Knopfdruck, dann schaltet die Lichtleiste nach einer Stunde aus. Genau so etwas suchte ich.
Inneres Ich: „Das ist ja praktisch!”
Sag ich ja. Also bist du hier nicht in einem Konsumblog gelandet, sondern bei den Tipps der praktischen Haushaltshelfer sozusagen 🙂
Noch besitze ich diese Countdown-Uhr gar nicht, sie ist bestellt und kommt am Donnerstag; ich habe sie nämlich gerade eben erst nach langer Suche gefunden.
Schon interessant, dass uns das Internet inzwischen fast jeden Wunsch erfüllt.
Vor einiger Zeit ging die Beleuchtung der Dunstabzugshaube kaputt. Leider war es nicht der Leuchtkörper, sondern ein Relais, das es beim Hersteller nicht mehr gab. Ein befreundeter Elektriker hätte möglicherweise noch eines in seiner Grabbelkiste gehabt, aber aus leidvoller Erfahrung weiß ich, wie überhöht seine Rechnungen ausfallen.
So kam es, dass ich beim Chinesen eine aufladbare 30 cm Lichtleiste bestellt habe. Der Mann hat mir eine dünne magnetische Platte angeschraubt und da flansche ich das Ding einfach an. Drei verschiedene Lichteinstellungen sind möglich, und bezahlt habe ich 13 Euro, bin wieder glücklich.
Ich wusste nicht, dass es sowas gibt. Aber wenn man bisschen rumsucht, findet man.
Eigentlich wärst du der Typ Smarthome, oder?
„Eigentlich wärst du der Typ Smarthome, oder?” Genau diese Frage stellte ich mir letzte Tage und beantwortete sie mir mit einem „Ja, ABER”. Ich saß beim Nachbarn in der Wohnung. Er ist definitiv ein Typ Smarthome. Sämtliche Lampen, Musik, Radio, Googleanfragen usw. werden dort per App auf dem Smartphone oder per Sprachsteuerung von „Alexa” geschaltet. Das ist schon ungeheuer faszinierend! Ich staune jedes Mal! „Alexa, Licht an, Küche” beispielsweise. Auf Wunsch dann etwa: „Alexa, dunkler” und Alexa dimmt das Licht. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Diele, Bad – überall ist Alexa eine gutgelaunte Mitarbeiterin.
Wir beide besprachen schon öfter dieses Thema, denn auch letzte Tage sagte ich wieder, wenn, ja wenn das Internet nicht wäre, dann würde ich meine Wohnung vollpacken mit Geräten, die per Sprachbefehle gesteuert werden. „Hey, ist dir wirklich bewusst”, frage ich wieder und wieder, „dass Google jeden deiner Schritte, deines Tuns, dass eine private Firma all deine Lebensgewohnheiten erfasst und aufzeichnet?” „Ja”, so lautet dann die Antwort des Nachbarn, „wenn sie Spaß an solch banalen Dingen haben, so what?” Mit dieser Lebenseinstellung finde ich die Smart-Technonlogie völlig okay. Ich wünschte mir sogar, ebenso bedenkenlos durchs Leben zu gehen. Selber mag ich meine Skepsis absolut nicht leiden, betrachte sie wie eine psychische Störung, denn bei allen Dingen im Leben herrscht bei mir kein Grundvertrauen, sondern zuerst ein Grundmisstrauen. Vom Leben gezeichnet oder so. Das ist aber leider nicht mehr änderbar; ich misstraue allen fremden Menschen, erst recht Firmen, die mit meinem Vertrauen Geld verdienen wollen. Was ich damit sagen will: Ich finde nicht das Vertrauen, die Unbedarftheit meines Nachbarn falsch, gefährlich oder wie auch immer riskant, sondern meine eigene Verweigerungshaltung.
Wenn es einen vom Internet losgelösten Server in meiner Wohnung gäbe, auf dem eine Software der Sprachsteuerung liefe, dann hätte ich tatsächlich längst ein Smarthome – aber ich bringe es nicht fertig, einer Firma einen detaillierten Verlauf meines Lebens darzureichen: Wie voll ist mein Kühlschrank, welche Musik höre ich wann und wie oft, wann und wie lange schlafe ich, wie warm/kalt ist es in meiner Wohnung, welches Licht steuere ich, was koche ich wann, wann halte ich mich im Bad wie lange auf, wann im Wohnzimmer, welche Filme, welches TV schaue ich, welche News lese ich und, und, und. Ich weiß, dass mit diesen Informationen Google & Co. nichts anfangen werden, das mir schadet, aber ich weiß nicht, ob andere insbesondere staatliche oder halbstaatliche Stellen irgendwann an diese Informationen gelangen, sie mit all den anderen Infos, die ich selber teils unbewusst abgebe (Einkaufen, Krankenakte, Auto, Bank, Kameraüberwachungen etc.) abgleichen und mir so am Ende doch schaden werden. Deshalb versuche ich wenigstens einen Bogen um das Vermeidbare einzuschlagen.
Es ist, wie gesagt, entweder eine psychische Störung bei mir oder ein angeborener Instinkt, der mich von innen irgendwie automatisch warnt. Ich habe beim Internet, auf das ich nie, nie, nie mehr verzichten will (die beste Erfindung seit der Dampfmaschine), trotzdem auch immer ein schlechtes Gefühl – und zwar dann, wenn ich durch eine Registrierungspflicht meine Anonymität verliere oder wenn jemand mich persönlich nicht kennt aber mir dennoch irgendeinen Nutzen fast schon aufdrängen möchte. Es schalten sich alle roten Lampen in meinem Gehirn dann ebenfalls vollautomatisch ein 😉