Klarnamen und Kontrolle – nur ein paar kurze Gedanken

Der Vorteil der Kommentare in diesem Blog gegenüber den eigentlichen Einträgen liegt darin, dass Google die Kommentare nicht erfasst. Glaube ich zumindest, da sie bei Ergebnissen nie erscheinen. Aber es durchsuchen natürlich noch viele andere Maschinen, von denen ich nicht weiß, wer hinter ihnen steht, trotzdem alles.

Wie komme ich jetzt darauf?

Als ich 1998 das Tagebuchschreiben begann und Google das erste Mal auftauchte, setzte ich Mühe und Zeit dafür ein, möglichst nicht dort aufgeführt zu werden. Also alle Welt wollte zum Verrecken möglichst viel und oft bei Google erscheinen aber ich trug mich sogar anfangs aus deren Listen absichtlich mehrfach aus (das konnte man zu Beginn noch). Weder habe ich etwas zu verkaufen, noch will ich, dass über mich geredet wird, das Blog war von Beginn an nur ein persönliches Tagebuch. Je mehr Leute darin lasen, desto unwohler fühlte ich mich und desto mehr Streit gab es. Das hatte ich durch das Literaturprojekt „THYLA” gelernt. Mehr als 2 Leute = Streit. Immer. „THYLA” sollte allerdings von Google gefunden werden, wurde seinerzeit auch sehr bekannt und sogar in mehreren Computerzeitschriften (Computer-Bild, WDR u.ä.) als Surf-Tipp rezensiert. Ein Tagebuch ist aber weder ein Mitmach-Projekt, noch ein Forum. Foren betrieb ich sogar mehrere seit Mitte der 1990er Jahre bis zum großen Forensterben Anfang/Mitte der nuller Jahre.

Nun, die Technik hat sich verselbstständigt und man kann nicht mehr entscheiden, wo, in welchen Listen oder Katalogen und von wem man erscheint bzw. beobachtet wird. Heute ist das Thema Unsichtbarkeit bzw. der Aufenthalt unterhalb des Radars der Wahrnehmung wieder interessant geworden.

Ich glaube ja, dass sich die Zensur-Zeiten bald ändern werden und das Internet wieder ein freier Ort der Begegnung werden wird. Falls aber nicht, muss man sich so langsam Gedanken machen, wohin man mit der eigenen Web-Präsenz emigrieren kann. Also wenn ich’s selber als Person schon nicht vermag, dann wenigstens die virtuelle Existenz sozusagen. Einen Server anmieten, der außerhalb der EU liegt, wäre eine Lösung. Dazu muss dann im Impressum eine entsprechende ausländische Adresse angegeben werden und das Tagebuch dürfte natürlich auch nicht mehr mit Klarnamen erscheinen. Das wären aber leicht zu lösende Problemchen. Doch noch warte ich ab, denn ich will einfach nicht glauben, dass so etwas mal nötig werden könnte.

Naja, das ist nur eine heutige Skizze. Irgendwie gehen mir diese Gedanken gerade nicht aus dem Sinn.