Der Traum von letzter Nacht: Danke Friedrich Merz

Es geschah im Traum letzte Nacht. Verschwommene Bilder über die politische Zukunft gewannen an Klarheit. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich kurz vor dem Schlafengehen noch einen Artikel über das einjährige „Jubiläum” unserer Regierung gelesen hatte. Ja, das war ziemlich sicher der Auslöser für diesen Traum, doch die Bilder kamen von ganz alleine.

Ein Jahr CDU/SPD-Regierung, ein Jahr Schaumschlägerei von Friedrich Merz – und sämtliche Vorurteile über Politik und Medien als eine abgeschlossene korrupte Kaste innerhalb des Landes haben sich bewahrheitet. Wirtschaft am Ende, Gesellschaft gespalten, Demokratie angeschlagen. Jedes Vertrauen in den Staat und seine Institutionen ist ruiniert; das sind nur einige der großen Überschriften für die Merz-Regierung – und trotzdem empfand ich im Traum eine tiefe Dankbarkeit dafür. Wie das?

Es ist kein rein deutsches Phänomen, denn in ganz Europa sind die Pfeiler abendländischer Kultur (ob Religion, Demokratie oder ethische Werte) bröckelig geworden und tragen das Gebäude der beschädigten Zivilisation nicht mehr. Tief in aus Stahlbeton gebauten Bunkern harren die Mitglieder dieser abgehobenen Kaste aus, tanzen besoffen auf den Tischen, da sie ahnen, dass selbst für sie ein ungewisser Morgen anbrechen wird. Deutschland und die EU zerfallen, lösen sich einfach auf. Ein Wandel steht vor der Tür.

Ohne deutsches Geld ist die EU nicht überlebensfähig. Damit ist ihr Schicksal mit Deutschland verknüpft. Sobald unsere Regierung gewechselt haben wird und das Geld für die EU zu großen Teilen ausbleibt, werden einige Länder gemeinsam mit uns aus der EU austreten und sich in einem schlanken neuen EU-Nachfolger-Gebilde mit der EWG als Vorbild neu zusammenschließen, also bei wirtschaftlich enger Zusammenarbeit aber eigenständiger Rechts- und Fiskalpolitik. So zeigte es der Traum. Den Euro gab es darin nicht mehr.

Es ist alles mächtig in Bewegung geraten. Dinge werden heute infrage gestellt, die man sich gestern noch nicht einmal gedanklich vorzustellen wagte. Die EU löst sich zwar auf, doch Europa ist ganz und gar nicht am Ende, sondern die Nationen stehen vor dem Wandel weg von der Beliebigkeit einer undefinierbaren Vielfalt hin zu Nationen mit gemeinsamen klaren Werten, die sie auch bereit sein werden, durchzusetzen und zu verteidigen. Die Führungsrolle dabei wird nicht mehr Deutschland übernehmen, es war im Traum ein osteuropäisches Land, Ungarn oder Polen, wer genau, daran erinnere ich mich leider nicht mehr. Ein Teil des europäischen Kontinents wurde politisch neu organisiert – das war das Bild in meinem Traum, und dafür bedarf es dringend die jetzige deutsche Politik, denn ohne den Zusammenbruch des Alten, wird es kein Neues geben können. Von daher wachte ich frohgemut heute mit dem, wie gesagt, tiefen Gefühl der Dankbarkeit für Friedrich Merz auf: Sein Versagen ist die Voraussetzung für den kommenden Wandel. Wir benötigen die Versager, damit die Könner übernehmen. Und wir als Bevölkerung stehen bereit, sie zu unterstützen, sind willens für einen Neuanfang.

Tja, werden Träume wahr? Zeigen die Bilder in Träumen etwas, das längst schon in Bewegung ist?