Nur mal so heute – oder weil ich jemanden, einen Katholiken, von christlichen Werten reden hörte. Er meinte damit etwas völlig anderes als ich aber sagte, wir säßen doch im selben Boot.
Innerlich schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Jenes des Agnostikers und das eines Christen. Kreislauf unterstützend wechseln sie sich immer mal wieder ab.
Eine biografische Kurzzusammenfassung:
Als Baby wurde ich wie alle anderen Babys auch zum ersten Mal von den Katholiken missbraucht, indem mir zwangsweise die Taufe zuteil wurde. Eine Tante erzählte mir Jahre später einmal, dass ich mich kräftig schreiend dagegen zu Wehr gesetzt haben soll. Als Kind wurde ich zum Messdiener gedrängt. Nunja, dagegen hatte ich mich nicht mehr gewehrt, denn ich war kein kluges und erst recht kein durchsetzungsstarkes Kind mehr, lebte introvertiert, oft gänzlich eingeschlossen in meiner Welt der Fantasie. Als Jugendlicher brach gottlob ein eigenes Ich hervor. Das las Hesse, Kafka und Gedichte von Georg von Hardenberg (Novalis). Ich schrieb eigene Lieder zur Gitarre und sagte dem Elternhaus im Alter von 17 Lenzen Ade. Die nächsten Jahre verbrachte ich in Berlin (West) und ab 18 stand endlich der Weg zum Amtsgericht frei, um aus dem zutiefst antichristlichen Verein der katholischen Kirche ein für allemal auszutreten.
Wenn ich heute mit Mitte 60 vom Programm des Katholikentags in Würzburg lese, viel eher vom Karneval der Freaks, von einem zügellosen Gelage der Dekadenz, das zweifelsohne von Luzifer höchstpersönlich in die Köpfe der Organisatoren getrieben wurde, um damit seine Kraft der Versuchung unter Beweis zu stellen, dann bin ich heilfroh, diesem Spuk des Bösen für mein Leben noch rechtzeitig entkommen zu sein.
Die Taufe zählt nicht! Man sagt zwar, einmal getauft, und man sei den Rest des Lebens gebunden, das stimmt aber nicht. Zwangstaufen besitzen in der christlichen Theologie keine Gültigkeit – mit Ausnahme der Kindstaufen, sie sind aber nach wie vor theologisch umstritten. Eigentlich sagt die Logik unmissverständlich, dass ein Kind mindestens genauso kirchenrechtlich geschützt sein muss (wenn nicht sogar ganz besonders) wie ein erwachsener Mensch. Eine Kindstaufe ist in meinen Augen allgemein akzeptierter Missbrauch. Von Beschneidungsritualen will ich gar nicht erst anfangen, doch damit hatte ich nichts am Hut (und schreibe hier ja nur von mir).
Die Zeit als kindlicher Messdiener belegt ebenfalls nichts, denn der Besuch der Schule oder eines Fußballvereins hat schließlich auch nicht zwingend etwas mit einer lebenslangen Mitgliedschaft zu tun. Zwar kenne ich mich im Katholizismus jetzt ganz gut aus, doch es ist das übriggebliebene Wissen eines Gefangenen, der die erstbeste Möglichkeit zur Flucht ergriffen hat. Meine christliche Hälfte kann also heute nur jedem raten: Hüte dich vor den Katholiken! Die Seite des Agnostikers rät hingegen: Hüte dich vor allen menschengemachten Ideen von Gott oder Göttern, gleich welcher Art, und gestehe dir stattdessen deine schöpfungsgeschichtliche Unwissenheit ein. Die beiden Hälften kommen übrigens gut miteinander aus und hören gerne den Beatles zu: „All You Need Is Love”.