Mit Religionen habe ich persönlich kaum etwas am Hut, wie man so schön sagt. Das finden manche Menschen traurig, andere begeistern sich regelrecht darüber und applaudieren mir. Ich selber finde beide Reaktionen gleichermaßen recht befremdlich. Aber egal. Jedenfalls sprach jemand freundlich lächelnd zu mir, ich würde mich doch angesichts meiner religionskritischen Blog-Einträge sicher auch gegen den „religiösen Imperialismus” Israels wenden.
Da musste ich dann lächeln. Und antwortete:
Du benutzt Begriffe, deren Sinn du nicht verstehst. Aber sei’s drum, ich werde dich sicher nicht belehren. Wenn du aber damit begründen möchtest, was du meinst, nämlich Juden raus aus Judäa, dann müsstest du im selben Atemzug auch sagen, Franzosen raus aus Frankreich oder Polen raus aus Polen, Russen raus aus Russland oder Chinesen raus aus China oder Ägypter raus aus Ägypten. Das käme dir sicher selber komisch vor, nicht wahr? Falls du dann sagst, die Juden mögen sich in einem anderen Land der Erde neu ansiedeln, dann wäre es dasselbe, als wenn du vorschlagen würdest, Eskimos (jaja, man sagt das nicht mehr) sollen von der Arktis beispielsweise in die Sahara verfrachtet werden; absurd, oder?
Und falls plötzlich, ich meine rein theoretisch, die Franzosen Holland würden erobern wollen und in einen Krieg gegen die Holländer zögen – übrigens genau das war in früheren Zeiten so geschehen – dann könntest du doch sicher gut nachvollziehen, dass die Holländer sich dagegen zur Wehr setzen würden. Nun, all das und noch viel mehr gab es in Europa. Am Ende einigte man sich in Europa (das damals als die ausschlaggebende Welt galt) mit internationalen Verträgen einigermaßen auf die Grenzen aller europäischen Länder und grundsätzlich auf deren Existenzrecht. Genau dasselbe war mit dem Staat Israel geschehen: Nach langem Hin und Her wurde weltweit (UNO; diesmal also tatsächlich weltweit) die Existenz von Israel ein für allemal festgeschrieben.
Wenn jetzt trotzdem Holland von einem Nachbarland angegriffen werden würde, dann haben die Holländer jedes sogar internationale Recht, sich dem entgegenzustellen. Und exakt so agiert zur Zeit Israel: Das Land wehrt sich gegen jene, die das internationale Recht mit Füßen treten und die Bevölkerung Israels einfach nicht in Ruhe leben lassen und sie vertreiben wollen. Die Verteidigung des Existenzrechts Israels hat erst mal rein gar nichts, null, niente, mit Religion zu tun, denn es ist schlichtweg der gesunde Menschenverstand, der dem Recht und sogar die Pflicht des Schutzes der eigenen Bevölkerung nachkommt. In diesem Sinne: Lang lebe Israel!
Das kann nur jemand sagen, der sich nie mit der Geschichte Israels befasst hat.
Die UN hat nach dem 1. Weltkrieg einen Teilungsplan vorgelegt wonach Palästina gemäß dem Bevölkerungsanteil von Juden und Arabern aufgeteilt wurde. Die Juden haben diesen Teilungsplan mehrheitlich akzeptiert, die Araber nicht. Daraufhin begannen die kriegerischen Auseinandersetzungen die Israel nicht begonnen hat, es hat sich lediglich verteidigt und muss das bis heute.
Im übrigen wurden die Juden die damals aus den arabischen Ländern nach Palästina auswanderten entschädigungslos enteignet. Die Ländereien betrugen ein Vielfaches des Staates Israel.
Im übrigen wäre das da nach wie vor ein Sandhaufen, hätten die Israelis nicht ein blühendes Land erschaffen.
Weniger für dich als Antwort-Kommentar, liebe Barbara, als vielmehr für alle jüngeren Mitleser (die es wahrscheinlich gar nicht gibt) aus der Reihe: „Georg erzählt mal wieder” 😉
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Es ist das Versagen der Schul- und Bildungspolitik seit Bestehen der Bundesrepublik. Das wird deutlich, wenn man die Geschichte einmal linear betrachtet:
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Direkt nach WK2 war für damalige Schüler Gegenwart, da konnte in den Schulen also noch nichts gelehrt werden. Alles was die damalige Schülergeneration von der Folgezeit wusste, erlebte sie. Das Wissen um Ereignisse in den Folgejahren eignete sie sich quasi live selber im Leben an. Wissensquellen in den 1950er Jahren waren fast ausschließlich Zeitungen, Kino und Mund-Zu-Mund-Erzählungen. Über Nazis und über den Holocaust wurde geschwiegen, was natürlich verständlich war, denn einerseits haben Menschen grundsätzlich eher weniger Lust, die eigene Feigheit und ihr Schweigen zu betonen, andererseits erst recht nicht das Mitmachen einzugestehen. Und natürlich gab es auch jene, die schlichtweg alles Negative vergessen wollten. Es war also für damalige Schüler schwer bis kaum möglich, an Wissen zu gelangen. Übrigens kostete eine Zeitung damals so viel wie das gesamte Taschengeld, das einem jungen Menschen zur Verfügung stand (so etwas wie Taschengeld gab es noch nicht, ich meine damit das Geld, das ein Kind/Schüler auftreiben konnte und das er nun garantiert nicht für eine Zeitung/Zeitschrift ausgeben wollte. Von Büchern will ich erst gar nicht beginnen).
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In Deutschland wurde in der Folgezeit das dreigliedrige Schulsystem wieder eingeführt. 90 Prozent der Schüler beendete nach der Hauptschule/Realschule das Bildungssystem. Danach lernten sie das Wissen für ihre gewählten Berufe, Geschichte war nicht mehr wichtig.
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Ich selber durchlief zuerst die Hauptschule. 99 von 100 Kindern im Dorf besuchten sie. Der Geschichtsunterricht endete nach dem 1. Weltkrieg.
Die Realschule dauerte ein Jahr länger. Der lineare Unterricht endete aber auch dort nach dem 1. Weltkrieg und wurde wie in der gymnasialen Oberstufe im letzten Jahr durch eine Art Schuldkult ersetzt. Ich benutze diesen Begriff, weil nicht mehr unterrichtet worden war, wie es zur Nazizeit und zum WK2 gekommen war, sondern weil die Gräuel der Shoah im Vordergrund standen. Auch wichtig, natürlich, nicht dass ich missverstanden werde, doch wenn ich nicht weiß, wie es zu den Gräuel kam, kann ich sie nicht verstehen und bin zukünftig nicht dagegen gewapnet. Wie soll man etwas vom Antisemitismus verstehen, wenn er seit Generationen im Großteil der Bevölkerung vorhanden ist? Ein antisemitischer Lehrer kann schlecht den Antisemitismus erklären, versucht er es trotzdem, da es auf dem Lehrplan steht, verbreitet er ihn weiter.
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In den 60er und 70er Jahren gab es die ersten Nachkriegslehrer. Höchst motivierte junge Frauen und Männer. So motiviert, dass sie gegen ihre Elterngeneration aufbegehrten und nun erst recht mit den Fingern auf sie zeigten und den Schülern beibrachten: Seht her, die sind Schuld, das Bürgertum hat die Welt in die Katastrophe geführt. In den späten 60er Jahren begann der linke Zeitgeist als Gegenpol autoritärer konservativer Geisteshaltung auch innerhalb der Lehrerschaft zu blühen und die Geschichte wurde einseitig nur aus ihrem Blickwinkel erklärt. Ab dieser Zeit galt: USA = imperialistische Macht des Kapitalismus; UdSSR = erstrebenswerte Gesellschaftsordnung der Volksherrschaft; das Schicksal der Juden wurde instrumentalisiert. Tote Juden wurden zum erhobenen Zeigefinger gegen das Bürgertum benutzt, lebende Juden zum Klassenfeind erkoren – merke: Die Ursache für jedes Übel liegt irgendwie wieder bei den Juden = ohne es selber zu merken, belegten auch linke „progressive” Lehrer ihren eigenen tief verwurzelten Antisemitismus.
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[edit: Ich staune im Nachhinein selber, denn ich erzähle von West-Deutschland, nicht von der DDR. So nah wie in den 60er und 70er Jahren waren sich beide Deutschländer wohl nie mehr.]
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Sogar viel später während meines Studiums brauchte keiner etwas zu wissen, denn sämtliche Studenten erkannten blitzschnell, wie man vom Prof unkompliziert und ohne die geringste Arbeit die begehrten Scheine bekam: Linke Propaganda nachplappern. Geschichtskurse, Seminare oder der normale Unterricht wurden zu einer Art Erholungskur vom eigentlichen Studienschwerpunkt. „Laberfach”, so hieß es damals.
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Ich verstehe den Linksschwenk der Nachkriegsgenerationen natürlich gut. Er hatte aus seiner einfachen Sicht auch jede Berechtigung, denn wenn das Bürgertum nun mal augenscheinlich versagt hatte, musste ja der Kommunismus/Sozialismus richtig sein. Diese Logik ist erst mal schlüssig. Noch Mitte der 60er Jahre schrieb der Spiegel aus linker Sicht überaus positiv von Israel. Das änderte sich erst Ende des Jahrzehnts und kehrte sich bis heute ins genaue Gegenteil.
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Also was ich sagen will: Wir beide, Barbara, wir hatten uns schon immer für Geschichte interessiert und haben unser Wissen über die neuere Geschichte uns selber angeeignet. Bücher. Lesen. An die Jungen: Das sind so Teile aus Papier mit Hunderten Seiten Text. In der Schule lernte man das nicht.
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Nun ist das 20. Jahrhundert schon keine Gegenwart mehr. Heute ist es echte Geschichte. Man sollte also annehmen, dass die Schule wenigstens heute ein umfassendes Wissen jener Zeit vermittelt. Das geschieht aber nicht, und das finde ich recht merkwürdig. Nach wie vor gibt es ein Geschichtsunterricht aus linker Weltsicht, der Ereignisse wertet und ungleichgewichtig behandelt. Jene Geschehnisse, die der linken Weltsicht förderlich sind, werden betont, besonders herausgestellt, während andere Geschehnisse unter den Teppich gekehrt werden oder kaum Beachtung finden. Die Schul- und Bildungspolitik liegt seit den 1960er Jahren in linker Hand, in der Israel als vermeintlicher Juniorpartner der imperialistischen USA Hauptschuldiger an allen Übeln der Welt ist. Merkst du etwas, liebe Mitleserin, lieber Mitleser?
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Die Araber in Palästina, die seit Jahrzehnten von den umliegenden arabischen Ländern benutzt wurden, werden nach wie vor auch von den linken Protagonisten für ihren vermeintlichen Kampf gegen den kapitalistischen Westen benutzt. Die Begriffe wurden aber längst ausgetauscht, heute spricht man anders, statt Sozialismus wird von bunter Gesellschaft und so weiter geredet. Aber egal welchen Mantel man trägt, entscheidend ist der Mensch, der darunter zum Vorschein kommt.
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Ein neueres Problem gesellt sich all dem hinzu: Die Masseneinwanderung arabischstämmiger Menschen, die ganz unverhohlen ihrem Judenhass frönt. Nicht wenige linke Geschichtslehrer sehen darin den gemeinsamen Nenner mit ihrem eigenen Israelhass. Und schon wird verständlich, dass auf den Straßen Schulter an Schulter die Linken mit den Arabern unter den Palästina- und Antifa-Flaggen marschieren. Der Faschismus marschiert. Der Faschismus ist längst wieder da.
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Die Linken verstehen die eigene faschistoide Geisteshaltung nur leider nicht, da sie von der Geschichte des 20. Jahrhunderts nur eine Seite, die linke, kennen. Sie wissen nichts, rein gar nichts über die Entstehung des modernen Staats Israel; sie haben keine Ahnung von der Geschichte des Judentums – ich meine, sie WOLLEN es nicht wissen. Die Leute auf den Straßen, der Mob, sie sind dermaßen ungebildet, dass sie nicht einmal die Eckdaten des eigenen Landes Deutschland kennen. Aber sie schwingen sich auf und müssen zu allen und jedem ihre Meinung herausbrüllen, die aus nichts anderem besteht, als aus dem Nachplappern antisemitischer linker Propaganda des KI-ZDFs. Und dann sind sie nicht nur ungebildet und unwissend, sondern auch noch ziemlich dumm, da sie einerseits sich nicht bemühen, fehlende Bildung sich selber anzueignen, vielleicht mal zu lesen, sondern andererseits Worte und Parolen benutzen wie eben „religiöser Imperialismus” oder „religiöser Rassismus”. Da ist einfach Schluss, da stehst du mit offenem Mund und großen Augen davor und kannst nichts mehr erwidern, so absurd ist das alles.
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Ich glaube mittlerweile, dass es beim Antisemitismus weder um Geschichte, um Wissen noch um Logik geht, denn er ist der blanke Hass auf Juden, dem in jedem Jahrhundert ein neuer Mantel übergezogen wird. Alle Versuche ihn auszurotten sind fehlgeschlagen. Ich habe keine Idee, was man dagegen tun könnte.
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Aber ich frage mich, warum unter identischen Voraussetzungen die einen anfällig für den Judenhass sind, er aber bei den anderen keine Chance hat, sich einzunisten. Wie gesagt, unter denselben Bedingungen von Bildung und Kultur. Was macht diesen Unterschied aus?
Stimmt … es ist der blanke Hass auf Juden… hier wie dort.
„Wie gesagt, unter denselben Bedingungen von Bildung und Kultur. Was macht diesen Unterschied aus?“
Das ist eine gute Frage – und vermutlich gibt es keine befriedigende Antwort darauf, denn es ist nicht nur Information, Geschichte, Wissen und vielleicht Beeinflussung durch die Religion. Es ist auch eine Frage von Begegnung – wie vielen Juden ist man persönlich je begegnet – und Empathie.
Kann sein. Glaube ich aber weniger, denn wie würdest du das Verhalten der nicht wenigen „Alibi-Juden” damit erklären können, die von den Antisemiten in jeder zweiten Diskussion vorgeschoben werden (oder sich gar selber in den Vordergrund drängen)?
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Es ist jedenfalls nichts Genetisches, wie manche Zeitgenossen vermuten. Das belegt zumindest ein Blick über den Tellerrand hinaus, wenn man zum Beispiel in China, Japan, in Fernost eben, mal die Menschen auf dieses Problem anspricht. Ihnen ist das vollkommen fremd, sie können es genauso wenig begreifen wie wir beide.
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Wenn der Antisemitismus nicht genetisch veranlagt und nicht religiös begründbar ist, dann vermute ich, dass es etwas unbewusst Anerzogenes sein könnte. Ich habe ein ziemlich schiefes Beispiel dafür, das aber gut veranschaulicht, was genau ich meine: Die panische Angst vor Spinnen hat kein Mensch von Geburt an. Wenn ein Kind als eine der ersten bewussten Umgebungsverarbeitungen aber die Angst / den Schreck der Mutter vor dem Insekt wahrnimmt, pflanzt sich diese Angst in ihm fort. Unbewusst und daher nicht steuerbar. Genauso könnte das „Aber” bei vielen Erwachsenen auf Kinder wirken, wenn es wie so oft heißt: „Ich hab ja nichts gegen Juden, ABER …” Das führt dann dazu, dass das Kind als erwachsener Mensch stets mit einem diffusen Misstrauen diesem Thema gegenübersteht und es selber nicht mal richtig erklären kann. Es wäre dann so etwas wie eine kollektive oder soziale Vererbung.
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Vielleicht ist das Unsinn, ich weiß es nicht, finde halt keine wirklich plausible Erklärung, weshalb bei manchen Menschen es so ist, bei anderen aber nicht. Wie gesagt, unter denselben Bedingungen – eben auch der Bekanntschaft mit Juden und sogar mit demselben Glauben.
Wunderbar argumentiert! Volle Zustimmung.