Überschwemmung

Sonntagmorgen gegen 3 Uhr wurde ich nach 6 Stunden Schlaf wach, setzte mich im Bett auf und meine Füße platschten augenblicklich in einen See Wasser. Das halbe Schlafzimmer, die Diele und das Badezimmer standen knöcheltief unter Wasser! Natürlich griff sofort die Panik nach meinem Gehirn. Es kostete ziemliche Mühe, sie durch logisches Denken erst mal recht autoritär in ihre Schranken zu weisen.

Folgendes geschah automatisch, ohne darüber nachzudenken:

Aufstehen, Licht an, ins Badezimmer eilen. Schwimmen, könnte ich fast sagen. Überflutung, doch keine Leckage zu erkennen. Auf zur Küche = alles trocken. Wohnzimmer = trocken. Abzieher in die Hände nehmen, Aufnehmer und Handtücher verteilen, Wasser aufsaugen und auswringen. Bis zum wischnassen Zustand kamen 5 Putzeimer (á ca. 10 Liter = 50 Liter!) zusammen. Als ich am Ende im Schlafzimmer fertig geworden war, stand im Bad wieder das Wasser knöcheltief. „Sehr gut”, denn das war ein Indiz. Es konnte also kein Heizungswasser vom Schlafzimmer sein (in der Wohnung gibt es eine Fußbodenheizung mit Ausnahme des Schlafzimmers, die hat man sich dort wohl 1994 beim Bau des Mietshauses gespart und nur einen normalen Heizkörper installiert, der aber seit meinem Einzug auf Null gestellt ist). Ich wurde den Eindruck nicht los, als käme das Wasser aus der Wand. Unter meiner Wohnung befindet sich der Wasch- und Trockenkeller, in dem viele Nachbarn ihre Waschmaschinen aufgereiht haben. Also runter in den Keller. Dort war hingegen nichts Auffälliges festzustellen.

Wieder in meiner Wohnung: Abermals das stehende Wasser im Bad aufgesammelt. Ich konnte aber nach wie vor kein Leck finden. Inzwischen war es 5 Uhr. Das dann am Sonntagmorgen. Positiv daran: Es ist die ruhigste Zeit des Tages. Also die Ohren aufgesperrt, alle Pegel der akustischen Sensibilität in den roten Bereich gedreht und lausche, still: Ein leises Zischen war zu hören. Allerdings nicht wirklich zu orten. Die Wasseranschlüsse des Waschbeckens, der Dusche und der Waschmaschine waren alle in Ordnung und trocken. Was sagte somit die Logik? Genau, Durchlauferhitzer!

Sicherungen ausgeschaltet und Abdeckung entfernt. Das Gerät hängt tief unter dem Waschbecken an der Wand. Darunter ist maximal ein fingerbreit Platz – und ja, da war es pitschnass. Nach dem Entfernen der Abdeckung sah ich dann den Übertäter: Das Wasser tropfte nicht, sondern es floss in einem Rinnsal aus dem Wasseranschluss innerhalb des Durchlauferhitzers – gegen die Fliesen und von dort breiter verteilt auf den Boden. Im Gerät lässt sich das Wasser aber leider nicht abdrehen, also musste ich den Haupthahn zudrehen. Das wirkte, die Leckage war beseitigt. Tja, jetzt habe ich indes gar kein Wasser mehr. Und es ist Sonntagmorgen um 6.30 Uhr 🙁

Zu dieser Zeit hat es noch keinen Sinn, den Vermieter anzurufen. Einen Klempner-Notdienst würde er sowieso nicht beauftragen, da ja kein Wasser mehr fließt. Den könnte um diese Uhrzeit außerdem eh keiner bezahlen. Vor Montag werde ich keinen Menschen erreichen.

Wie gut ist aber folgendes:

Da ein nicht geringer Teil meiner Gene aus Prepper-DNA besteht, befinden sich 30 Liter regelmäßig erneuertes Frischwasser in drei Kanistern in meinen Gefilden. Zwei stehen im Keller, einer unterm Basteltisch im Schlafzimmer. Wegen meiner Liquid-Mischerei fürs E-Dampfen in der Vergangenheit besitze ich so wunderbar praktische Hähne für Kanister. Man schraubt einen solchen statt des Deckels auf den Kanister und schon besitzt man ein bequemes 10-Liter-Reservoir mit Wasserhahn. Eines in der Küche, eines im Bad = perfekt! Für die Toilette habe ich noch zwei volle Eimer aufgewischtes Wasser übrig. Für die Waschmaschine steht eh nichts an, wurde gerade die Tage erledigt. Koch- und Nudelwasser macht der Topf auf dem Herd, Teewasser der Wasserkocher, Kaffeewasser die Maschine und Menschen-Putzwasser – das funktioniert prima aus den Kanistern. Ich dusche sowieso nie täglich, denn ich gehöre zur Boomer-Generation, die sozialisiert worden ist mit täglichem Waschen unter Gebrauch eines Habeck-Waschlappens*. Zu kalt? Nicht mal, denn „kalt” im Sommer ist relativ. Das Wasser hat die 24 Grad der Umgebungstemperatur angenommen, hab’s gerade mit einem Stab-Messgerät für Speisen und Getränke nachgemessen.

Also positiv sehen: Glück im Unglück gehabt. Hätte auch schlimmer kommen können.

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* Korrektur: Habeck sagte 2022: „Ich hab noch nie in meinem Leben fünf Minuten lang geduscht.” Kretschmann war’s, der im selben Jahr sagte: „Auch der Waschlappen ist eine brauchbare Erfindung.” 🙂

2 Kommentare zu „Überschwemmung

  1. Jessas. Wie konnte das denn passieren? Am Durchlauferhitzer selbst liegt es ja wohl nicht. Hoffentlich wird es keine größere Aktion für dich.
    Wir hatten das auch mal in der Küche, da war die Osmose Umkehranlage undicht geworden. Hier tropfte es dann noch durch die Decke in die Waschküche, war so gar nicht lustig. Unser Installateur kommt dann immer sofort angeschossen, bei Wasser in der Bude leuchtet seine persönliche Alarmglocke auf.
    Ist auch zu hoffen, dass der Vermieter schnell jemanden beauftragen kann, keine Selbstverständlichkeit mehr.

    1. Doch, wahrscheinlich ist der Durchlauferhitzer kaputt. So wie es aussieht, hat er wohl +/- 30 Jahre auf dem Buckel. Naja, wir werden sehen. Es ist momentan hier alles ziemlich herausfordernd. Habe nun aber gerade keine Zeit (6 Uhr früh), um darüber in Not, Kummer und Selbstmitleid zu verfallen. Manchmal können ablenkungs-technisch anstehende Termine sogar sehr positiv sein.

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