Serien-Boom? Isch over

Geht’s eigentlich nur mir so? Seit einiger Zeit ist mir die Serien-Guckerei dermaßen zuwider, dass ich lieber alles Mögliche mache, aber regelrecht eine innere Abneigung verspüre, auf den Play-Knopf zu drücken. Habe mittlerweile das meiste in verwandter Form schon gesehen und das wird von Kopie zu Kopie blasser, abgegriffener, schlichter, miserabler. Dabei war das Serien-Bingen vor wenigen Jahren noch ein echtes Highlight. Während der Corona-Zeit war das klasse und erfuhr bei mir nochmals eine mengenmäßige Steigerung. Nur meine persönlich besten Serien speicherte ich, selbst das sind mittlerweile Hunderte im Archiv. Und doch lasse ich seit vielleicht einem halben Jahr neue Serien links liegen. Mag sie einfach nicht mehr sehen.

Na klar,

an ihrer Stelle sind zu einem großen Teil die „Real-Life-Videos” von YouTube getreten. Jene mit einer Spieldauer von 30 Minuten bis zu vielen Stunden. Teilweise schildern sie nichts anderes als den schnöden unaufgeregten Arbeitsalltag fremder Menschen. Und doch finde ich gerade sie unterhaltsamer als die auf der Suche nach stets neuen Verpackungen immer idiotischer wirkenden gleichen Inhalte der TV-Serien.

Zeigt das nun einen Überdruss durch ein zu großes Angebot? Oder die Banalität der Autorinnen und Autoren, die kaum etwas zu erzählen haben und das Wenige, thematisch Kurzweilige und Sehenswerte immer seltener erzählen können? Ich meine, wenn der Alltag eines zum Beispiel asiatischen Menschen interessanter auf mich wirkt als die innovativste (absurdeste) Idee junger Serienschöpfer, dann könnte der Grund für den Niedergang der Serien ja auch in ihrer gegen null driftenden Qualität zu finden sein, oder? Zumindest bei mir.

2 Kommentare zu „Serien-Boom? Isch over“

  1. Es findet sich rein gar nichts mehr.
    Die beiden letzten guten Serien waren Mr. Mercedes und The Night Of, danach Flaute.
    Wegen Billy Bob Thornton mit Goliath etwas Hoffnung geschöpft, aber nur mit Mühe die erste Staffel zu Ende geschaut. The Reacher wird ständig vorgeschlagen, aber das ist uns einfach zu schlicht, nur die Muckis des Protagonisten sind bissel wenig.
    Wenn immer wir im Tal der Hoffnunglosen landen, denken wir über Poker nach.

    1. Nö, The Reacher ist auch nicht mein Fall. Billy Bob Thornton ist zwar klasse, aber die Serie ist doch typischer Standard, auch da verstehe ich dich gut. Tja, zwar freue ich mich auf die nächste großartige Ausnahmeserie, die zweifelsohne irgendwann kommen wird, doch bis dahin vermisse ich wegen der YouTube-Videos noch nichts. Wenngleich sogar dort die „Alltags-Videos“ KI-generiert und kommerziell gewaltig verkitscht werden, dennoch findet man nach wie vor noch genug authentische Videos von echten Privatpersonen.

      Der Konkurrenzkampf der sozialen Medien untereinander ist auch derzeit heftig. Um mit den Zugriffszahlen der anderen mithalten zu können, hat YouTube gerade seine Zählweise komplett umgestellt: Bisher musste ein Video tatsächlich mindestens 30 Sekunden laufen, eh es gezählt wird, jetzt reicht ein versehentlicher Klick beim Überfliegen mit der Maus schon für eine Zugriffszählung. Ist mir als User allerdings egal. Und da ich noch sämtliche Werbung komfortabel automatisch abschalten kann, ist’s noch ganz wunderbar 🙂

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