Zwischen den Jahren 4 – Bügelmarathon

Die 1. Wachtuchtischdecke für den runden Tisch im Küchenerker, die dort seit September ’24 liegt, war mittlerweile wegen der Gebrauchsspuren schlimm unansehnlich geworden. Es handelte sich zwar um eine Wachtuchtischdecke, doch ihre Oberfläche war stoffartig, also nicht glänzend glatt, so wie es üblicherweise bei diesen Tischdecken der Fall ist. Wahrscheinlich war sie deswegen auch besonders anfällig für kleine Beschädigungen, die in ihrer Anzahl am Ende ein verschlissenes Gesamtbild abgaben. Es musste eine neue Tischdecke her.

Jetzt versuche einmal eine runde graue Tischdecke in Leinen-Optik und einem Durchmesser von mindestens 160 Zentimeter zu bekommen. Nirgendwo (!) gibt es sie, immer ist bei 140 Zentimetern Schluss bei der Auswahl. Erst nach tagelangem Suchen fand ich einen Restposten von einer einzigen noch verfügbaren grauen 160er Tischdecke. Ihr farbliches Aussehen ist identisch mit der alten Tischdecke, aber sie ist glatt und eben typisch etwas spiegelnd. Übrigens bei „Kaufland” gab es diesen Restposten.

Sie muss aber jahrelang dort gefaltet auf Lager gelegen haben, denn ihre Knicke waren wirklich hartnäckig. Sogar mit einem Fön bekam ich sie nicht raus. „Bügeleisen” heißt es überall im Internet dazu. Etliche YouTube-Videos zeigen, wie kinderleicht angeblich diese Knicke ausgebügelt werden können. Tja, im ganzen Leben habe ich noch nie ein Bügeleisen besessen. Wenn ich in den seltensten Fällen mal eines brauchte, lieh ich’s mir. Damit sollte aber auch irgendwann einmal Schluss sein, nicht wahr? Ein richtiger Mann besitzt auch ein Bügeleisen.

Konsumtechnisch befand ich mich auf den Stand der 1970er Jahre, was Bügeleisen betrifft, dachte daher, so ein Teil würde locker 50 Euro kosten. Überrascht haben mich dann die Preise heutzutage: Nur 8 bis 15 Euro für ein Dampfbügeleisen mit den besten Rezensionen bei Amazon. Wieder China-Technik sei Dank. Okay, seit gestern bin ich nun stolzer Besitzer eines Dampfbügeleisens.

In der letzten Nacht habe ich dann versucht die Knicke auszubügeln.

1. Alle Ratgeber stimmen nicht ganz, denn man soll das Eisen auf die minimalste Stufe einstellen und so die umgedrehte Decke glatt bügeln – umdrehen ist richtig, da sonst der Kunststoff schnell kaputt geht, das mit der Temperatur stimmt aber nicht. Nur warm tat sich bei mir nichts. Niente. Ob mit feuchtem Tuch oder ohne, die Knicke waren so hartnäckig, ich hätte sogar stundenlang das Bügeleisen auf einen Knick stehenlassen können, der Knick wäre umgehend wieder da gewesen.

2. Auf der höchsten Stufe allerdings, so heiß, dass man sich die Finger selbst bei einer sekundenkurzen Berührung am Eisen augenblicklich verbrannt hätte, zeigten die Knicke sehr langsam eine Veränderung. Fast zwei Stunden lang habe ich in Zeitlupe in dieser Art bügeln müssen, damit die Knicke jetzt zu 95 % entfernt sind. Jedes Mal, wenn der ausgebügelte Knick abkühlte, erschien er wieder. Zwar jedes Mal auch etwas weniger bzw. kleiner aber es hat etliche Male eine Bügelwiederholung bedurft. Der runterhängende Rand, den du auf dem Foto siehst (aufs Eingangsbild klicken = größer), setzt/legt sich noch mit der Zeit; das war bei der alten Tischdecke auch so. Also ganz so einfach, so fluffig leicht und locker von der Hand wie in den Videos, funktioniert das Knicke-Ausbügeln dann doch nicht. Aber mit Geduld und genug Zeit geht es.

Missgeschick in Weiß

Tja, gestern am frühen Abend war ich im Dunklen auf der Baustelle fast über einen mitten im Raum abgestellten geschlossenen Farbeimer gestolpert. Somit nahm ich ihn am Henkel und trug ihn kurzerhand an die Seite. Er war schwer, so dass ihn mein Bein beim Tragen ein wenig abstützte. Was ich nicht sah und erst später bemerkte, er war außen voller frischer Farbe. Lack. Wahrscheinlich hat der Maler vom großen Eimer in kleinere Behältnisse umgeschüttet. Ergebnis: Die Jeans is‘ nu‘ hin. Und die Weste hat ebenfalls ordentlich abbekommen. Genau die, die erst jüngst neu schwarz gefärbt worden war. Irgendwie hat sie von ihrem schwarzen Dasein definitiv die Nase voll.

Habe beides letzte Nacht neu gekauft, Jeans 50 Euro, Weste 40 Euro. Das heißt, grob habe ich letzte Nacht 150 Euro verdient und 90 Euro versaut. Also liegt eine Nachtschicht hinter mir für knapp 60 Euro netto.

Da machste nix dran. Et is, wie et is.

Früh morgens, wenn die Welt noch in Ordnung ist

Schlaf nachgeholt, 8 Stunden, da kann man ja nicht meckern, gelle? Vorhin am Ende dieser 8 Stunden fand ich mich also um 3:30 Uhr energiegeladen und topfit am Küchentisch sitzend wieder. Bäcker wäre just gerade der ideale Beruf für mich. Aber auch ohne frische Brötchen ist die Zeit, in der sich die Nacht so langsam verabschiedet und dem Morgen schon mal zur Begrüßung die Hand reicht, einfach nur zauberhaft. Es ist halt anders, diese Momente übermüdet als Abend zu erleben oder als Nachmittag, oder aber, wie eben jetzt, mit ihr erholt und ausgeschlafen die erste Tasse wohltuenden Kaffees zu teilen, die morgendliche Stille zu erleben, während sich gleichzeitig die eigenen Synapsen gut gelaunt recken und strecken, um für den kommenden Tag gerüstet zu sein. Diese Magie zwischen Nacht und Morgen spiegelt sich in der Seele wider, beruhigt das Gemüt und regt es an, sich in Gelassenheit und Freude zu entfalten.

Gegen 4:30 Uhr zog ich die Fensterrollos im Küchenerker hoch. So schaute ich ins Schwarz der endenden Nacht, erkannte in den nächsten Minuten die paar wenigen schattenhaften Gestalten, gebeugt mit Rucksäcken auf ihre Rücken geschnallt oder Taschen umgehängt, wie sie zum nahegelegenen dörflich-kleinen Busbahnhof eilten, sah die ältere Frau im Park, die ihren kleinen Hund zum Toilettengang animierte, der wiederum völlig gleichgültig ob der Ermahnungen seines Frauchens ihre Geduld so weit wie möglich ausdehnte, indem er hier schnupperte und dort mit seiner Nase in der Hundezeitung roch, um gezielt seinen eigenen Leserbrief als Frühkommentar zu hinterlassen. Ganz ähnlich übrigens wie ich hier und jetzt im Tagebuch ja auch.

Und jeden Morgen zwischen 4 und 6 Uhr stakst ein sehr alter dünner Mann mit seinen beiden Langlauf-Stöcken durch den Park, dem ich von der Nachtschicht kommend schon öfter einen guten Morgen gewünscht habe. Ja, wie du siehst, im Dorf ist früh morgens die heile Welt noch in Ordnung.

Abends ist das natürlich auch hier nicht mehr der Fall. Dann lungern auf und um den paar Bänken dunkle Gestalten, um die herum die normale Bevölkerung in weiten Umwegen einen Bogen zieht und deren Hinterlassenschaft in Form von unfassbar viel Müll die Umgebung säumt. Doch bereits in Kürze werden die orangefarbenen Männer zu sehen sein, die im Park wieder klar Schiff machen; die Gemeindeverwaltung erübrigt dafür nach wie vor die erforderlichen Mittel, das Dorf „Schneppenabum” funktioniert noch. Und ich darf diesen morgendlichen Anblick des erwachenden Dorfs wie vor einem Monitor durchs Fenster erleben. Morgens ist hier die Zeit stehengeblieben wie vor 50 Jahren; das ist keine Rückständigkeit, es ist ein erstrebenswertes Glück sondergleichen.

Flohbefall

9:30 Uhr: Sooo, zwei Nachtschichten liegen wieder hinter mir. Du glaubst ja nicht, was mir letzte Nacht passiert ist. Zwar darf ich nicht öffentlich sagen, wo, warum und was genau ich arbeite, aber das funktioniert auch allgemein gehalten.

Um Krankenhäuser mache ich grundsätzlich mein Leben lang einen Bogen. Ich meine, es impliziert ja schon der Begriff Krankenhaus, Haus der Kranken usw., man hält sich freiwillig und ohne Not doch lieber bei den Gesunden auf, nicht wahr? Trotzdem habe ich in etlichen Krankenhäusern schon temporär gearbeitet. Von jeweils wenigen Wochen bis zu einigen Jahren. Arbeite ich dort, dann nachts, wenn alle Patienten schlafen oder wenn aus den unterschiedlichsten Gründen gar keine Patienten da sind. Nun halte dich mal beispielsweise 12 Stunden in einem leeren Krankenhaus oder auf einer leeren Station auf. Neben dem Lesen der Romane, gehe ich also auch gemütlich so meine Runden, betrachte dies, schaue mir jenes an, gucke hinter die Schränke, werfe einen Blick in Ecken und auf Orte, die gewöhnlich kein anderer sieht. Daher kann ich aus Erfahrung sagen, dass in Krankenhäusern die hygienischen Zustände abseits der allgemeinen Pfade geradezu katastrophal sind. Auf leeren Fluren und in leeren Zimmern kriechen seltsam aussehende Wesen nachts aus allen Ritzen: Ungeziefer allüberall. So auch letzte Nacht.

Am Ende eines dunklen langen Flures steht eine schöne Standleuchte mit einer Faden-LED-Birne von Ikea. Die interessierte mich. Ich wollte das Kleingedruckte auf der Birne lesen, also wie viel Watt Stromverbrauch sie hat oder, was sogar zu lesen war, die Milliamperestunden (30 mA/h). Um es entziffern zu können, holte ich aus dem Rucksack meine Lesebrille und eine kleine Taschenlampe. Währenddessen ich also die Buchstaben zu Worten aneinanderreihte, nahm ich direkt daneben an der in einem hellen Grau gestrichenen Tür eine Bewegung wahr. Da ich die Vergrößerungsbrille auf der Nase hatte, erkannte ich ein winziges Insekt in Höhe der Türklinke. Es war vielleicht einen Millimeter klein. Ohne Lesebrille und auf gemustertem Hintergrund hätte ich es nie gesehen. Zuerst dachte ich an eine kleine Müllfliege, näherte mich ein wenig mehr – und schwubbs sprang das Vieh auf mich zu. Auf die linke Schulter. Jawohl es war ein Floh! Dummerweise trug ich eine warme Fleece-Jacke. Der Stoff ist dichter als Fell. Und genauso schwarz wie das Insekt. Ich lief zurück in mein Einsatzbüro und zog dort die Jacke sofort aus, konnte aber beim besten Willen diesen Floh nicht mehr finden.

Mehrere Stunden lagen noch vor mir. Jetzt versetze dich mal in eine solche Situation. Du weißt, dass dich gerade ein Floh besprungen hat – es begann schon überall am Körper zu jucken. Die Psyche ist doch ein gemeines Ding manchmal. Auch wenn ich die Jacke nicht wieder angezogen habe, heißt es ja nicht, dass der Floh nicht längst woanders in meiner Kleidung unterwegs ist. Wer einmal einen Floh beobachtet hat, weiß, wie schnell sie mitunter unterwegs sind. Sie besitzen winzige Widerhaken, durch bloßes Schütteln kann man sie nicht mehr entfernen.

Zu Hause angekommen, was nun tun? Das Internet spricht von Waschmaschine und 60 bis 90 Grad. Dann wäre die Fleece-Jacke hinüber, sie verträgt nur Handwäsche bis maximal 30 Grad. Einen Tag lang im Gefrierschrank soll auch helfen, der ist aber voll, da passt nichts mehr rein. Außerdem will ich keinen tiefgefrorenen Floh haben. Und er soll nicht bloß aus der Jacke vertrieben werden, dann legt er sich irgendwann in mein Bett, sondern ich möchte ihn vernichten. Tod und Teufel wünsche ich ihm. Also nahm ich eine Vorrats-Sprühflasche „ARDAP” und tränkte die Fleece-Jacke darin (ist natürlich übertrieben ausgedrückt, es soll nur verdeutlichen, dass ich wirklich jeden Zentimeter ordentlich besprühte, deutlich mehr als empfohlen). Die restliche Kleidung wird gerade gewaschen, sie verträgt sogar 90 Grad.

So, und dieses Erlebnis fand an einem der vermeintlich reinlichsten und hygienischen Orte statt, die man sich vorstellen kann. Wo aber ein Floh ist, sind viele, das weiß man. Und wenn du nur einen einzigen Floh unentdeckt in deine Wohnung lässt, dann sind es in wenigen Wochen Hunderte. Deshalb bin ich auch kein Gegner von Insektiziden. Über 20 Jahre lebte ich bekanntlich in einer alten Bauernkate, zudem 30 Jahre lang mit Hunden zusammen; daher ist mir lange schon klar, wie überaus wichtig diese Chemie ist – ohne sie wäre ich längst von Insekten aufgefressen worden 🙂 Wohin aber eine übertrieben sparsame Benutzung heutzutage führt, das habe ich letzte Nacht mal wieder gesehen. Gegen Flohbefall hilft effektiv einzig die Chemie, reichlich und regelmäßig, Öko hin oder her.

Naah? Beginnt es bei dir an deinem Körper schon zu jucken? Einen netten Sonntag wünsche ich dir 🙂

Wir alle sind Sünderlein

Wie bereits am gestrigen Mittwoch bei „Tichy” erwähnt, sagt der Fachmann und Sprachwissenschaftler Jan Henrik Holst, dass sich das zuständige Gremium der Uni Hamburg mit den Ungereimtheiten in Frau Brosius-Gersdorfs Doktorarbeit befassen werde und seiner Meinung nach entsprechende Konsequenzen ziehen wird. Ergänzend füge ich hinzu, dass letztendlich Frau Brosius-Gersdorf selber weiß, was sie getan hat und dass das schlimmste Szenario für sie wäre, wenn sie als Verfassungsrichterin tätig werden würde und ihr dann in dieser Funktion der Doktortitel aberkannt wird. Von daher erkenne ich ihren heutigen Rücktritt von der Kandidatur eher als das rechtzeitige Ziehen der Reißleine.

Nun, darf ich mal ein klein wenig plaudern?

Selber hatte ich Mitte der 1980er Jahre studiert. Von den Kommilitonen weiß ich, dass der Großteil derer, die ich persönlich kannte, und ich kannte fast den gesamten Jahrgang, mindestens zur Hälfte ihre Diplomarbeiten aus anderen Veröffentlichungen zusammengeschustert hatte. Das war damals eine übliche Herangehensweise und man zeigte untereinander sogar voller Stolz die Ergebnisse des eigenen „rationalisierten Arbeitens”. Es wurden Tipps herumgereicht, wie auch Mitstudenten dieses Ziel erreichen konnten, wenn sie noch nicht so versiert mit den nagelneuen elektronischen Medien umgehen konnten – keiner besaß einen Personal Computer (den gab es noch gar nicht), man musste, um an einen IBM-Rechner zu arbeiten, einen vorherigen Termin mit dem zuständigen wissenschaftlichen Mitarbeiter absprechen, in dessen verschlossener Obhut sich die megateuren Geräte befanden, und es gab bereits damals Studenten, die anboten, für wenig Geld diese Arbeiten zu erledigen. Wir nutzten 8-Zoll-Floppy-Disks, die Vor-Vorläufer der 3,5-Zoll-Disketten, für Text-Kopien und zur Speicherung sowie die Software „WordPerfect”, was beides erstmalig komfortabel ganze Textbausteine in- und aneinanderreihen ließ.

Würde rein theoretisch heute jede Abschlussarbeit der 1980er Jahre (beginnend beim Diplom) untersucht werden, es gäbe eine Trefferquote von mindestens 50 % unlauterer Arbeiten. Da gehe ich jede Wette ein. Bei den 50 % honorigen echten Eigenarbeiten dürfte es sich um Schreibmaschinen-Arbeiten derjenigen handeln, die noch nicht fit genug für die damalige elektronische Textverarbeitung gewesen waren. Wohlgemerkt, ich schreibe von Mitte der 80er Jahre; 5 Jahre später sah das Bild schon ganz anders aus und bei den Arbeiten der 90er Jahre würde ich auf eine Betrugsquote von über 80 % tippen.

Was meine eigene Diplomarbeit betrifft? Auch ich hatte sie aus anderen Arbeiten zusammengeschustert aber nicht mehr eingereicht, da ich für meine Zukunft nicht in die Schublade eines Sozialpädagogen gesteckt werden wollte (ich hatte das Studium sowieso nur wegen der vielen – 90 %! – Mädchen gewählt und nicht weil ich irgendetwas mit dem Inhalt zu tun haben wollte. Es hat sich sogar sehr gelohnt, die Erinnerungen sind ein langer Spielfilm süßer bis aufregender Begebenheiten, die mir keiner mehr nehmen kann).

Auch möchte ich sagen, dass die Empörung, mit der dem „Plagiatsjäger Weber” begegnet wird, meines Erachtens nur mit einem Gefühl des Ertappens eigener „Jugendsünden” zu erklären ist, denn man müsste dem Herrn Weber und seinem Team eigentlich sogar dankbar sein, wenn er diese Betrügereien ans Licht bringt. Ich selber sehe heute Menschen, damalige Kommilitonen, von denen ich WEIß, dass sie betrogen hatten, wie sie heute am Ende ihres Berufslebens altersbedingt verknöchert und autoritär voller moralischer Empörung auf den Plagiatsjäger zeigen, gerade so, als verdecke dies ihr eigenes Fehlverhalten, ihren eigenen Betrug. Vergessen hat ihn sicher keiner.

Doppelte Moral? Ja, man will nie so sein, doch am Ende ist sie ein Bestandteil von uns allen. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Anfällig dafür sind wir ohne Ausnahme. Wer selbst nach Jahrzehnten erst erwischt wird, sollte nicht aufjaulen wie ein getroffener Hund, sondern die Größe besitzen, die Konsequenzen still zu tragen.

Haben Sie Sprit im Tank?

Boah, das darf ich niemandem sagen 🙂 Gerade sitze ich hier noch schweißgebadet (im Nacken) aber immerhin überglücklich, trotz meiner abgrundtiefen Dummheit. Jawohl, anders kann man das Folgende nicht ausdrücken.

Der Linux-Rechner hatte mal wieder keinen Ton. Das kennt der geneigte Leser dieses Tagebuchs ja schon. Vor Jahren hatte ich Monate mit diesem Problem verbracht. Vorübergehend wurde ich zu einem Linux-Experten. Als danach allerdings alles reibungslos funktionierte, vergaß ich sämtliche Herangehensweisen wieder. Das ist der Vorteil von Windows: Durch die ständigen Fehler dieses Betriebssystems bleibt man quasi immer in der Materie. Aber ich schweife schon wieder ab, hüstel.

Natürlich war das heutige Schweigen von Linux ein sofortiger Schockmoment. All die damalige Aufregung kam wieder hoch. Von der einstigen Hacker-Odyssee ist also tief in meinem Inneren nichts wirklich verarbeitet. Was nun tun?

Zuerst nachgeschaut, ob das Audiogerät richtig erkannt wurde. Wurde es. Danach die Pegel beim „Alsomixer” kontrolliert. Alles in Ordnung. Was mir als Notbehelf damals half, war die USB-Soundkarte. Also kramte ich sie hervor. Sie wurde ordnungsgemäß erkannt aber der Ton blieb auch mit ihr stumm.

Es folgte die Lektüre in diversen Foren. Der Umgangston dort ist unfassbar schlimm. Überall. Ich weiß nicht, was mit den Leuten los ist; wenn man keine Nerven hat, knifflige oder sehr dumme Fragen einfach und sachlich zu beantworten, was verspricht man sich denn dann in diesen Foren? Ich habe da natürlich nur gelesen, ich meine, das reicht vollends. So, und wäre ich jetzt sämtlichen Tipps gefolgt, hätte ich den Linux-Rechner beinahe neu installieren müssen. Da aber der Ton letztens noch funktionierte und Linux als Netzwerkrechner nie heruntergefahren wird, konnte es eigentlich auch nicht an einem Linux-Fehler liegen.

Da kam mir die Idee, einmal nachzuschauen, ob der Stromstecker für die Soundanlage überhaupt eingesteckt ist. Man weiß ja nie. War er aber. Das ist so wie beim liegengebliebenen Auto, wenn einem vom Mechaniker die erste Frage gestellt wird: „Haben Sie Benzin im Tank?”

Doch es gibt eine weitere dumme User-Möglichkeit. Die Frage nach dem Sprit im Tank führte schon auf die richtige Fährte. Glücklicherweise habe ich Kabelverlängerungen für kleine Klinkenstecker. Somit probierte ich die nicht funktionierenden Lautsprecher an einem der beiden der Windows-Rechner aus. Ergebnis: Auch kein Ton. Oha! Nächster Versuch: Beide funktionierenden Windows-Soundsysteme nacheinander an Linux gesteckt und …? Beide Male Ton vorhanden!

Fehler gefunden, es lag am Sound-System des Linux-Rechners.

Aber warum? Alles war richtig verbunden und eingeschaltet.

Und jetzt kommt das, was ich am liebsten für immer und ewig verschweigen würde (ein Tagebuch ist ja etwas Privates, nicht wahr?). Nachdem ich sämtliche Kabel verfolgt hatte, sah ich, dass ein kleiner Lautsprecher einen zusätzlichen Regler besaß (schwarz auf Schwarz, war schwer hinter den Monitoren im Kabelgewirr zu erkennen). Dieser Regler steuert zusätzlich noch die Lautstärke. Oh, oh, oh … Genau! Und der war auf ganz leise, also auf Null gestellt. Wahrscheinlich bin ich während des Monitor-Tauschs letztens dort versehentlich rangekommen. Keine Ahnung, ich wusste ja nicht mal etwas von seiner Existenz, denn für die Lautstärke benutze ich üblicherweise einen Drehknopf, der auf dem Schreibtisch steht. Jedenfalls aufgedreht und schon war der Ton wieder da. Tja, was sachste nu‘?

Insgesamt hatte die Fehlersuche gottlob nicht so lange gedauert. Knapp zwei Stunden waren es. Aber da zweifle ich doch an meinem Verstand. Ganz ehrlich.

2-Punkte-Tag: 1. Frieden in Nahost | 2. Spinnen-Albtraum

1. Also Präsident Trump gehört definitiv der Friedensnobelpreis verliehen. Er wird ihn natürlich wohl nicht bekommen, und daran sieht man, wie viel dieser Preis seit Obama im Grunde Wert ist. Was den „Regime-Change” betrifft, so ist er auf den Weg gebracht und kann sowieso nur von innen kommen. 90 Millionen Iraner leben seit knapp zwei Wochen ohne Internet, TV oder Radio, sie sind noch völlig abgeschnitten von allen Informationen. Wir werden sehen, wie schnell sich eine Dynamik entwickeln wird, sobald der Informationsfluss wieder hergestellt ist. Die Führung der religiösen Fanatiker wurde zum großen Teil kopflos und ist stark geschwächt worden. In Wochen oder wenigen Monaten beginnt es in der iranischen Gesellschaft gewaltig zu rumoren; aber egal was folgt, es kann nur besser werden als jetzt.

2. Als ich gestern von der Arbeit zu Hause ankam und die Haustür aufgeschlossen hatte, huschte eine fette aber ungeheuer schnelle Kellerspinne mit in den Hausflur. Normalerweise trete ich sie sofort tot, denn Kellerspinnen können überall leben, nur nicht unter dem gemeinsamen Dach. Nunja, ich ließ sie trotzdem großmütig in Ruhe und betrat meine Wohnung. Die liegt im Erdgeschoss. Also sprühte ich in Bodenhöhe an der Türritze vorsorglich Insektenspray, falls das Vieh auf die Idee kommen sollte … Lange Rede, kurzer Sinn, später kam ein Albtraum:

Es fiel etwas auf meinen Kopf. Ich wischte es herunter. Das waren – wie ekelhaft! – drei oder vier Kellerspinnen. Sie blieben auch noch an der Hand kleben wie Kletten. Sie krallten sich um meine Finger und bissen sich wie Blutegel in meine Hand fest. Es tat zwar nicht weh, war aber schrecklich unangenehm. Fies. Ich musste sie einzeln mit der anderen Hand entfernen. War eine weg, war sie plötzlich wieder da. Langsam stieg Panik in mir auf. Dabei muss ich ziemlich robust in der Realität mit meinen Armen um mich geschlagen haben, denn genau das war der Grund für mein Aufwachen. Da siehste mal: So was kommt von so was her.

Politik im Alltag

Wo ich ja gestern schon beim Rant war, will ich mal etwas ähnliches zur jüngeren Generation loswerden. In erster Linie zu deren weiblichen Vertreter. Mit „jung” meine ich die 20 bis 40-jährigen – und eigentlich auch nur die Frauen. Also schreibe ich hier und jetzt in erster Linie von der neuen Verblödung der Frauen, tarne diesen Sexismus lediglich damit, dass ich von der „jungen Generation” schreibe. Das ist fies geschickt, nicht wahr?

Natürlich schimpfen die Alten seit allen Zeiten über die vermeintliche Blödheit der Jungen und die Frauen schimpfen über die blöden Männer oder eben die Männer über die Blödheit der Frauen, ich meine, Blondinenwitze finden ja nicht von ungefähr seit Generationen immer neuen Anklang, gell? Aber es stimmt nicht, ob junge Leute, Frauen oder Männer, sie sind meines Erachtens gar nicht verblödeter als früher, nein, absolut nicht!

Und da widerspreche ich sogar dem einen alten (!) Kollegen, der letztens lauthals über die neue Verblödung schimpfte, da er als zwangsweises temporäres Mitglied eines jungen weiblichen Teams eine komplette Nacht lang deren dienstliche Bereitschaftsaktivität auf einem Großbildschirm ertragen musste, die in mehreren Stunden (Staffeln, sagt man ja heute dazu) als Streaming stattfand.

Hier und jetzt kenne ich den Namen/Titel dieser Shows nicht, es handelt sich dabei um eine Mischung aus „Big Brother” und „Ich bin ein Star, holt mich hier raus”, also Sendungen, in denen C-Promis mit der Kamera bis ins Schlafzimmer verfolgt werden, was anschließend von der Regie nach einem losen Drehbuch szenisch entsprechend zu einer Geschichte zusammengeschnitten wird. Das fast die ganze Nacht mitansehen und die Kommentare der Kolleginnen ertragen zu müssen, weil man sich beruflich bedingt leider im selben Raum aufhalten muss, also das ist in der Tat eine Qual, die mitunter sogar an Folter erinnert, da stimme ich aus eigener leidvoller Erfahrung dem Kollegen vollends zu, aber neu ist das nicht.

Auch wenn das Streaming als solches noch relativ neu ist (gibt’s erst seit knapp 20 Jahren) und man den Konsum daher in erster Linie den 20 bis 40-jährigen verordnen kann, steckt dahinter nichts anderes als das, was seit dem Buchdruck ohne Ende boomt, nämlich das förmliche Suchten von Liebes- und Skandalromanen aller Couleur. Gut, das geschah früher eher still: Jemand saß lesend in einem Sessel und allenthalben war im Raum vielleicht ein Seufzen oder ein leises Stöhnen zu vernehmen. Da die „jungen Leute” (Frauen) heute nicht mehr lange Texte lesen können, hat sich das Angebot solcher Romane in den visuell-akustischen Bereich verlagert. Oder es wurde andersherum ein Schuh daraus und durch das visuell-akustische Angebot der Streamingdienste die Lesefaulheit erst derart unterstützt, dass heute kaum mehr gelesen wird. Wie herum man es auch betrachtet: Es ist jene uralte Sucht im modernen Gewand, die sich heute halt vor den Großbildschirmen Bahn bricht.

Demnach sind die Konsumentinnen der Gegenwart nicht dümmer oder blöder als jene der Vergangenheit, nein, beide Generationen sind identisch, sie sind, mit Verlaub, genauso dumm und blöd, wie sie schon immer waren.

Um gerecht zu sein, erwähne ich jetzt auch die Fortsetzung meines kurzen Gesprächs mit dem Kollegen und erinnere dich, liebe Leserin, lieber Leser, zur Erklärung nur noch schnell daran, dass sich beim männlichen Teil der 20 bis 40-jährigen ebenfalls nichts zu früher verändert hat. Wenn du das Pech hast, heute als Teil eines männlichen Teams eine Nacht lang in einem Raum verbringen zu müssen, dann bleibst du zwar von der Folter des „Reality-TVs” verschont, musst dir dafür aber das beinahe unerträgliche Gedudel und Gedaddel diverser Sport-Videospiele anhören. Der Mann als solcher konsumiert eben kein Programm, der Mann macht Programm.

Also erinnerte ich den Kollegen dann auch: „Sag mal, letzte Woche warst du doch so begeistert davon, dass man dich hat mitspielen lassen, und die langweilige Nacht, wie du meintest, sei wie im Flug vergangen. Ist das denn nicht genauso bescheuert?” Mit einem Gesichtsausdruck des puren Unverständnisses kam wie aus der Pistole geschossen die empörte Antwort, dies sei doch etwas völlig anderes, es sei aktive Unterhaltung, damit man nicht während des Dienstes einschläft. „Und wenn mich die Geräuschkulisse genauso nervt, wie du dich von den Soaps genervt fühlst?”, wandte ich ein. Wenn alle bis auf einen das so wollten, meinte er, müsse ich mich nun mal fügen. So etwas sei schließlich Demokratie, ergänzte er. Aha, er glaubte also, es sei clever, die Politik ins Spiel zu bringen. Ich fragte ihn, mit wem er als Team diese Nacht denn teile. Er überlegte kurz, dann verzog sich sein Gesicht zu einem grinsenden sarkastisch-leidenden Ausdruck: „Mit Mia, Lena, Petra, Laura und ich glaube Lukas.” Beim Namen Lukas hob er seine Stimme künstlich an. „Na, dann sei mal ein guter Demokrat”, lachte ich.

Verheerender Mausklick

Meine Güte! Du fasst dir bestimmt jetzt an den Kopf, wenn ich dir folgendes sage, und du denkst, was für ein Idiot. Zurecht.

Aus Versehen habe ich knapp 600 Spielfilme gelöscht. Ich habe das falsche Laufwerk formatiert.

Weil ich stundenlang versucht hatte, einen imaginären Schreibschutz einer 512-GB-MiniSD-Karte zu entfernen. Das gelingt bis jetzt nicht, ich glaube, die Karte ist defekt. Es handelt sich dabei natürlich nicht um den mechanischen Schreibschutz oder um falsch gesetzte Sicherheitsattribute. Auch ist er weder mit Diskpart, noch via Regedit aufzuheben. Sogar der gute „AOMEI-Partitionsassistent” versagt. Aber während etlicher Versuche klickte ich ein Mal versehentlich das daneben angezeigte, also das falsche Laufwerk an und hatte einen 3-TB-Datenträger neu formatiert und partitioniert. Erst im Nachhinein bemerkte ich diesen Fehler. Das muss man sich mal vorstellen. Unfassbar dämlich!

Wie gut, dass ich ein Backup aller Film-, Serien und Datei-Archive besitze!

Es war zwar lästig, man kann schon sagen, über Dekaden alle Schreib- und Kopierarbeiten immerzu doppelt ausführen zu lassen, doch heute wurde diese Arbeit („Arbeit”, ich meine, es sind Mausklicks) endlich belohnt. Allerdings dauert die Wiederherstellung noch die ganze Nacht (gerade ist erst Mitternacht vorbei), denn die BackUps liegen auf mehreren zum Teil uralten mechanischen Wechseldatenträgern und kopieren in einer vorsintflutlichen Geschwindigkeit. Aber immerhin!

Das erinnert mich sehr an einen Studentenjob 1988, als ich in einer Zeitungsspedition für die Urlaubsvertretung des Vertrieb-Chefs vorgesehen war. Am letzten Tag hatte ich nur Minuten vor Feierabend wegen eines versehentlichen Enter-Befehls das komplette Computersystem der Firma formatiert. Du kannst dir sicher vorstellen, was da am nächsten Tag los war. Gut, dass es damals noch kein Internet und keine Smartphones gab. Wochen später wurde an mich herangetragen, dass sie zu viert mehrere Tage und Nächte Sonderschichten einlegen mussten, denn es gab damals noch kein regelmäßig gepflegtes BackUp bei ihnen. Hätten sie mich physisch erreicht, ich wäre in Stücke gerissen worden 🙂

Jaja, mehr habe ich heute gar nicht zu sagen. Menschen machen Fehler, Georgs bis ins hohe Alter.

Vorarbeiten

Herrje! Nu‘ kann ich mich kaum noch bewegen. Zuerst anderthalb Stündchen im Wald unterwegs und danach konnte ich’s einfach nicht lassen: Habe das alte monströse Bett alleine auseinandergenommen und alles samt Matratze nach und nach mit und ohne Sackkarre in den Keller verfrachtet. Sogar der Akku des Akkuschraubers hat dabei schlapp gemacht (es war gottlob ein zweiter geladener vorhanden). Jetzt nur noch saugen und wischen, dann steht der Platz für den Aufbau des neuen Betts bereit. Eigentlich wollte ich das alles im Laufe des morgigen Sonntags machen, doch es ist ein ziemlich gutes Gefühl, damit jetzt schon fertig zu sein. So schmeckt das Stückchen Kuchen und das lecker Tässchen Kaffee im Küchenerker nochmal so gut.

Inneres Ich: „Und wo schlafen wir die nächsten zwei Nächte, hmm?”

Das kann die Matratze auf dem Boden liegend ab. In zwei Tagen schimmelt da nichts.

Inneres Ich: „Das woll’n wir hoffen, du erinnerst dich sicher noch …”

Ja, vor annähernd 50 Jahren – das Bild hat sich in meinem Kopf eingeprägt, als wäre es erst gestern fotografiert worden, schlief ich mit meiner damaligen Teenager-Freundin in der ersten eigenen Wohnung mangels Geld für ein Bett auf zwei Matratzen auf dem Boden. Alles schien monatelang einfach nur herrlich zu sein, Freiheit! Die Welt gehörte uns. Wir dachten, wir seien endlich erwachsen und so – bis ich die Matratzen aus heute nicht mehr erinnerten Gründen angehoben hatte: Ein dicker Teppich aus fröhlich sprießenden bunten Schimmelpilzen wuchs in einer Art Feuchtbiotop direkt unter der jugendlichen Spielwiese.

Trotzdem sind zwei Nächte auf dem Boden völlig in Ordnung. Noch’n lecker Tässchen Kaffee gefälligst? Stückchen Kuchen dabei?

Elli im Schnee

Achherrje, auf der Suche nach einem schönen Film, stieß ich im Archiv auf diesen Schnipsel, den ich seinerzeit (2008 herum) einfach so in diesen Ordner gesteckt hatte. Nur 40 Sekunden lang. Gefilmt mit einem alten Klapp-Handy: „Elli im Schnee”. Was hatte sie für einen Spaß im Schnee!

Man erkennt nicht wirklich viel auf diesem Schnipsel. Elli besaß nur zwei gesunde Beine, vorne und hinten links. Auf der rechten Seite waren die Beine verkrüppelt und hingen in der Luft. Trotzdem war das im Spiel und im hohen Schnee fast gar nicht zu erkennen. Elli konnte verflucht geschickt auf nur zwei Beinen laufen. Das war sie vom Welpenalter an nicht anders gewohnt.

Jedenfalls wurde mir bei diesem Zufallsfund doch arg melancholisch zumute. Und weil ich es dir an diesem Ort nicht anders zeigen kann, habe ich den Schnipsel mal ebkes auf YouTube hochgeladen. Für so etwas finde ich YouTube ja echt praktisch.

Süßer Traum, Stollengebäck und Rauhnächte

Eigentlich noch eine Fortsetzung von gestern: Denn gegen Mitternacht legte ich mich aufs Sofa und schlief ein Stündchen recht tief und fest. Ich träumte wirres aber wunderschönes Zeug aus meiner Studentenzeit mit Anfang/Mitte 20. Der Traum war so real, dass ich unmittelbar nach dem Aufwachen und noch auf dem Sofa liegend mein Telefon (kabelgebundenes Festnetzt-Telfon mit Wählscheibe) suchte, da ich unbedingt Claudia anrufen wollte, um ihr endlich zu sagen, wie sehr ich sie doch liebe, wie unfassbar weiß und rein meine Gefühle für sie waren und wie tief und bedeutend diese Zuneigung für sie war. Tja, so ist das mit den selbstverschuldeten vertanen Chancen, denn ich fand das Telefon nicht mehr.

Also begab ich mich schnurstracks in den nächsten Baumarkt, um ein neues zu besorgen. Der Techniker in der Telekommunikationsabteilung schüttelte nur seinen Kopf und sprach voller Bedauern: „Wie schade! So etwas führen wir hier leider noch nicht.” „Mensch”, fügte ein Kollege hinzu, „wir sind bereits heilfroh, bei der Geschäftsleitung durchbekommen zu haben, die Anschlüsse im Markt jetzt nach Weihnachten endlich auf ISDN umstellen zu können.” [Achtung: Traum und Logik haben bekanntlich nichts miteinander zu tun.] Somit blickte ich voller süßem Trennungsschmerz der nur wegen technischen Unzulänglichkeiten entstandenen vertanen Vereinigung einer bergsee-klaren gar heiligen Innigkeit hinterher, „bis dass der Tod euch scheidet” – und erwachte abermals; diesmal aber in Echt.

Leicht frustriert, überraschenderweise wirklich nur leicht und eigentlich auch weniger wegen des Bergsees wahrer Liebe als vielmehr wegen des Endes der süßen Träumerei, machte ich mich über das Stollengebäck her, jenes aus der Weihnachtstüte der Firma, für deren Öffnen ich mich bis heute bewusst und charakterstark zusammengenommen hatte (nicht vor Weihnachten öffnen! Und auch nicht an den Arbeitstagen, denn sie ist vorgesehen allein für den ersten freien Tag danach! Für meine persönliche Weihnacht). Bei einer frisch aufgebrühten Tasse Bohnenkaffee schmeckt dieses Stollengebäck vorzüglich; da hat sich jedes Warten gelohnt. Ganz anders als die junge Liebe. Doch gerade ihr Verlust, also als es auf der Kippe stand, real zu werden oder für immer ein Traum zu bleiben, verstärkte die leicht melancholische Stimmung und verwandelte den Stollen mit dem leckeren Tässchen Kaffee erst recht in einen seltenen weihnachtlichen Genuss, den ich langsam und mit maximal zeitlicher Verzögerung bis vorhin ausgedehnt hatte.

Selbst die eingeriebenen Reste des Puderzuckers in T-Shirt und Jogginghose können mich nicht mehr ärgern, denn nach einem Jahr in der neuen Wohnung habe ich ja endlich eine Waschmaschine. ’s geht also ab in die Wäschetonne. Wieso ich zwischen den Jahren nicht wasche? Bis zum 6. Januar herrschen die „Rauhnächte”. In diesen Tagen öffnet sich das Geisterreich und die Grenzen zwischen dem Jenseits und dem Diesseits verschmelzen miteinander. So wie in einem Traum. Wenn dann die Geister herumschwirren, besteht für sie die Gefahr, sich in der aufgehängten Wäsche zu verirren oder sich in den gespannten Leinen zu verfangen. Deshalb bringt es Unglück, in dieser Zeit zu waschen. Mit einem Trockner müsste es wahrscheinlich schon gehen, doch für den hätte ich sowieso keinen Platz. Also zwei Wochen Waschpause 🙂