9:30 Uhr: Sooo, zwei Nachtschichten liegen wieder hinter mir. Du glaubst ja nicht, was mir letzte Nacht passiert ist. Zwar darf ich nicht öffentlich sagen, wo, warum und was genau ich arbeite, aber das funktioniert auch allgemein gehalten.
Um Krankenhäuser mache ich grundsätzlich mein Leben lang einen Bogen. Ich meine, es impliziert ja schon der Begriff Krankenhaus, Haus der Kranken usw., man hält sich freiwillig und ohne Not doch lieber bei den Gesunden auf, nicht wahr? Trotzdem habe ich in etlichen Krankenhäusern schon temporär gearbeitet. Von jeweils wenigen Wochen bis zu einigen Jahren. Arbeite ich dort, dann nachts, wenn alle Patienten schlafen oder wenn aus den unterschiedlichsten Gründen gar keine Patienten da sind. Nun halte dich mal beispielsweise 12 Stunden in einem leeren Krankenhaus oder auf einer leeren Station auf. Neben dem Lesen der Romane, gehe ich also auch gemütlich so meine Runden, betrachte dies, schaue mir jenes an, gucke hinter die Schränke, werfe einen Blick in Ecken und auf Orte, die gewöhnlich kein anderer sieht. Daher kann ich aus Erfahrung sagen, dass in Krankenhäusern die hygienischen Zustände abseits der allgemeinen Pfade geradezu katastrophal sind. Auf leeren Fluren und in leeren Zimmern kriechen seltsam aussehende Wesen nachts aus allen Ritzen: Ungeziefer allüberall. So auch letzte Nacht.
Am Ende eines dunklen langen Flures steht eine schöne Standleuchte mit einer Faden-LED-Birne von Ikea. Die interessierte mich. Ich wollte das Kleingedruckte auf der Birne lesen, also wie viel Watt Stromverbrauch sie hat oder, was sogar zu lesen war, die Milliamperestunden (30 mA/h). Um es entziffern zu können, holte ich aus dem Rucksack meine Lesebrille und eine kleine Taschenlampe. Währenddessen ich also die Buchstaben zu Worten aneinanderreihte, nahm ich direkt daneben an der in einem hellen Grau gestrichenen Tür eine Bewegung wahr. Da ich die Vergrößerungsbrille auf der Nase hatte, erkannte ich ein winziges Insekt in Höhe der Türklinke. Es war vielleicht einen Millimeter klein. Ohne Lesebrille und auf gemustertem Hintergrund hätte ich es nie gesehen. Zuerst dachte ich an eine kleine Müllfliege, näherte mich ein wenig mehr – und schwubbs sprang das Vieh auf mich zu. Auf die linke Schulter. Jawohl es war ein Floh! Dummerweise trug ich eine warme Fleece-Jacke. Der Stoff ist dichter als Fell. Und genauso schwarz wie das Insekt. Ich lief zurück in mein Einsatzbüro und zog dort die Jacke sofort aus, konnte aber beim besten Willen diesen Floh nicht mehr finden.
Mehrere Stunden lagen noch vor mir. Jetzt versetze dich mal in eine solche Situation. Du weißt, dass dich gerade ein Floh besprungen hat – es begann schon überall am Körper zu jucken. Die Psyche ist doch ein gemeines Ding manchmal. Auch wenn ich die Jacke nicht wieder angezogen habe, heißt es ja nicht, dass der Floh nicht längst woanders in meiner Kleidung unterwegs ist. Wer einmal einen Floh beobachtet hat, weiß, wie schnell sie mitunter unterwegs sind. Sie besitzen winzige Widerhaken, durch bloßes Schütteln kann man sie nicht mehr entfernen.
Zu Hause angekommen, was nun tun? Das Internet spricht von Waschmaschine und 60 bis 90 Grad. Dann wäre die Fleece-Jacke hinüber, sie verträgt nur Handwäsche bis maximal 30 Grad. Einen Tag lang im Gefrierschrank soll auch helfen, der ist aber voll, da passt nichts mehr rein. Außerdem will ich keinen tiefgefrorenen Floh haben. Und er soll nicht bloß aus der Jacke vertrieben werden, dann legt er sich irgendwann in mein Bett, sondern ich möchte ihn vernichten. Tod und Teufel wünsche ich ihm. Also nahm ich eine Vorrats-Sprühflasche „ARDAP” und tränkte die Fleece-Jacke darin (ist natürlich übertrieben ausgedrückt, es soll nur verdeutlichen, dass ich wirklich jeden Zentimeter ordentlich besprühte, deutlich mehr als empfohlen). Die restliche Kleidung wird gerade gewaschen, sie verträgt sogar 90 Grad.
So, und dieses Erlebnis fand an einem der vermeintlich reinlichsten und hygienischen Orte statt, die man sich vorstellen kann. Wo aber ein Floh ist, sind viele, das weiß man. Und wenn du nur einen einzigen Floh unentdeckt in deine Wohnung lässt, dann sind es in wenigen Wochen Hunderte. Deshalb bin ich auch kein Gegner von Insektiziden. Über 20 Jahre lebte ich bekanntlich in einer alten Bauernkate, zudem 30 Jahre lang mit Hunden zusammen; daher ist mir lange schon klar, wie überaus wichtig diese Chemie ist – ohne sie wäre ich längst von Insekten aufgefressen worden 🙂 Wohin aber eine übertrieben sparsame Benutzung heutzutage führt, das habe ich letzte Nacht mal wieder gesehen. Gegen Flohbefall hilft effektiv einzig die Chemie, reichlich und regelmäßig, Öko hin oder her.
Naah? Beginnt es bei dir an deinem Körper schon zu jucken? Einen netten Sonntag wünsche ich dir 🙂