Klima besser verstehen lernen

Die hochkomplexen Zusammenhänge in der Klimawissenschaft sind für „Normalmenschen”, zu denen ebenfalls Politiker und Journalisten gehören (und selbstverständlich auch ich), nicht mehr zu verstehen. Daher braucht es Zusammenfassungen, auf die dann Entscheidungsträger und Erklärungs-Vermittler zugreifen können. Diese Zusammenfassungen werden wiederum zum Ziel verschiedener Interessen, so dass in ihnen, je nach Absicht, sogar häufig gelogen wird. Mangels eigenen Verständnisses und einer ausreichenden Kompetenz kann schließlich kaum jemand etwas davon mit dem tatsächlichen Kenntnisstand der Klimawissenschaft abgleichen.

Das ist ein Dilemma.

In der Reihe „Audimax” des Radiosenders „Kontrafunk” versucht daher Horst-Joachim Lüdecke, ein emeritierter Professor für Informatik und Physik, einigermaßen Licht ins Dunkel der Unwissenheit über den Einfluss von CO2 im Zusammenhang mit der Erderwärmung zu bringen und beleuchtet zudem die Schwierigkeiten, die in der politischen sowie medialen Aufbereitung dieser komplexen Themen bestehen. Dass nun selbst seine Ausführungen für „Otto Nomalbürger” äußerst schwer zu verstehen sind, sei mal dahingestellt, denn es gibt Grenzen der Vereinfachung bzw. nicht jedes Thema taugt dazu, in einem kindlichen kurzen Cartoon allgemein verständlich gemacht zu werden. Oder anders ausgedrückt: Wer ständig übers Klima redet, sollte sich wenigstens anstrengen, ein gewisses Grundwissen über die Komplexität dieses Themas anzustreben und seinen Wissensdurst, so er denn überhaupt vorhanden ist, zu stillen. Alles andere wäre bloßes Geplapper oder interessengeleitete Propaganda.

In diesem Sinne versuche doch einfach mal Prof. Lüdecke in seiner einstündigen Vorlesung zu folgen. Praktisch an dem Podcast ist, dass du jederzeit den Stream anhalten oder zurückspulen kannst, um bestimmte Sequenzen des besseren Verständnisses wegen zu pausieren oder zu wiederholen. Als Wort zum Sonntag ist ist das Hören des Podcasts jedenfalls mit deutlich mehr Erkenntnisgewinn gesegnet, als jede Pastoren-Schwurbelei von der Kanzel.

Film- und Serientage

So langsam wird’s wieder meine Kernlebenszeit: Gerade ist es 20 Uhr und das Heimkino verkündet heute 2 knapp 3 ½-stündige Vorführungen 🙂

Es stehen 2 halbe Serien zur Begutachtung an. Zum einen die 3. Staffel „Teheran” (die ersten beiden Staffeln waren großartig), von der nun 4 von 8 Episoden vorhanden sind, und zum anderen die Serie „Ponies”, zu der ich noch absolut nichts sagen kann aber von der ebenso halbzeitmäßig heute die ersten 4 Folgen warten.

Dann hatte ich letzte Tage „Wonder Man” gesehen, 8 halbstündige Episoden = eigentlich ein 4-stündiger Spielfilm. 4 Bewertungspunkte.

Weiterhin die 3 Spielfilme „Rental Family” – 7 Punkte, leider zu viel belehrende Moral, ohne hätte ich ihm klar 9 Punkte gegeben,

Bugonia” – nur 2 Punkte aber eine herausragende Darbietung von Emma Stone, für die sich das Anschauen des ansonsten flachen Films dennoch sehr lohnt. Also eine klare Empfehlung als ein Emma-Stone-Film.

Sowie „Jane Austen und das Chaos in meinem Leben” – 2 Punkte. Und obwohl ich es gut meinen möchte, wüsste ich nicht, was an diesem Film zu loben wäre. Ihm fehlt jeglicher Sprit, das Drehbuch ist teilweise beschämend albern bis zotig, die Regie zeigt gähnend lange Einstellungen von Belanglosigkeiten und die Schauspieler überzeugen mäßig, sie spielen (wie’s mir scheint) lustlos vor sich hin. Da die Handlung eines solchen Films ja sowieso vorhersehbar ist, bietet die Umsetzung leider kein Alleinstellungsmerkmal, absolut nichts Besonderes. Ein völlig sinnloser Film ohne jedes Gefühl.

Insgesamt also alles ziemlich durchwachsen. Von den beiden Serien verspreche ich mir allerdings die kommende Nacht viel Gutes. Ansonsten bis morgen in diesem Theater, gehab dich wohl.

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Nächtlicher Nachtrag: Naja, „Ponies” ist Trash, 1 Punkt, ich habe nicht mal die erste Episode zu Ende gesehen. Wer schaut so etwas? Ich meine, Humor ist sicher milliardenfach verschieden, okay, aber Blaukraut bleibt Blaukraut und Blödheit bleibt Blödheit.

Die 3. Staffel von „Teheran” ist dafür von der ersten Minute an ohne Unterlass über 4 Episoden wieder genauso ausgezeichnet und absolut hochspannend wie die beiden Staffeln zuvor. Volle 9 Punkte. Somit bleibt’s im Heimkino insgesamt abermals gut ausgewogen.

Filmtipp: „Die Farben der Zeit”

Französische Filme sind entweder schlimm, zdf-seicht oder manchmal absolut herausragend gut. „Die Farben der Zeit” gehört glasklar in die letzte Kategorie. Wie wunderschön ist dieser Spielfilm! Eine intelligente und humorvolle romantische Komödie.

Etliche unbekannte junge Darsteller treten gemeinsam mit bekannteren Gesichtern (des französischen Films – ich kannte sie eher nicht) auf und verzaubern das Publikum mit ihrer ungeschminkten Natürlichkeit. Ein Drehbuch, das viel Raum fürs Schauspiel lässt, erzählt in detailreich inszenierten Bildern eine freundliche Geschichte mit Augenzwinkern über die gesellschaftliche und persönliche Sinnhaftigkeit aber auch über die kleinen Eitelkeiten des Daseins. In einer Art Zeit-Fantasie erleben mehrere Generationen in Hin- und Herblendungen nebeneinander und dennoch miteinander verflochten die eigene Familiengeschichte in munteren Sprüngen über ein Jahrhundert hinweg. Quasi Ur-Ur-Großeltern zu den Nachkommen von heute (keine Sorge, es ist nicht Science-Fiction, niemand verlässt seine Zeit; alte Fotos gewinnen an Farbe und die Figuren darauf werden wieder lebendig). Wir sehen ihnen als Zuschauer in Zeitblenden zu, die anfangs vielleicht verwirrend erscheinen, doch bereits nach wenigen Minuten einfach nur herrlich mitzuerleben sind. Der Film bietet eine Fülle hintergründigen Humor und doch bleibt er sensibel fein in seiner unbedingten Lebensbejahung.

Volle 10 Punkte und archiviert. Unter Garantie verstaubt er dort im Archiv nicht, sondern wird – bildlich gesprochen – eher ziemlich schnell sogar metallglänzende Abnutzungserscheinungen wegen seines ständigen Gebrauchs bekommen.

Ein nagelneuer Radiosender „Austria First”

Ist es nicht wunderbar? Jetzt läuft auf meinem Radio der österreichische Sender „Austria First”, ein als Patriotensender bezeichneter FPÖ-Radiosender. Weltweit empfangbar per Stream auf der Webseite, per App oder über „TuneIn“. Vollprogramm 24/7, werbearm, hervorragende Unterhaltung.

Warum höre ich einen FPÖ-Radiosender?

Weil man ein Gegengewicht zu den linken öffentlich-rechtlichen Sendern braucht. „NiUS” ist schon sehr gut, doch Vielfalt benötigt immer mehrere Seiten, nicht nur schwarz oder weiß, sondern bunt. Es gibt Dinge, die werden von linken Medien verschwiegen, denn davon sollen die Leute nichts erfahren. Und logischerweise gibt es auch Dinge, die werden von rechten Medien aus denselben Gründen verschwiegen. Das Gleiche gilt für die Gewichtung, die Interpretation und die Kommentierung. Also braucht man stets unterschiedliche Informationsquellen, um sich einen möglichst ausgewogenen sowie allumfassenden Informationsstand anzueignen. Das hatten früher die öffentlich-rechtlichen Medien geboten: Da gab es rechte, konservative, liberale, grüne und linke Infos. Die Zeiten sind leider vorbei. Heute existiert eine arge linke Schlagseite, die das Medienschiff zum Kentern bringt. Und genau deshalb entstehen ja andere Medien. Es sind kleine Rettungsboote, die sogar im Falle von „NiUS” zu regelrechten Rettungsdampfern herangewachsen sind.

Immer mehr Menschen haben das Gefühl, einseitig informiert zu werden. Der ÖRR hat sich einer Agenda unterworfen, die nichts anderes mehr zulässt als links-woke Propaganda. Darum tut es Not, die Medienlandschaft mit vielen Akteuren unterschiedlicher Richtungen wieder vielfältig zu gestalten. „Austria First” gehört zu dieser Buntheit; er ist als Radiosender ein Puzzleteil des ganzen Bildes. Dieses Bild (die Wahrheit, die Realität, die Vielfalt – oder wie auch immer) wird aber erst dann erkennbar, wenn viele Puzzleteile aneinander gelegt werden. Deshalb hat Radio „Austria First” dieselbe Berechtigung wie der ÖRR.

Wie höre ich „Austria First“ und alle anderen Sender?

Ohne Apps, Anmeldungen oder Webseiten-Präsenz, sondern vollkommen anonym per direkter Sende-URL, eingerichtet auf beiden Radios. Die aktuelle IP-Adresse wird sowieso von mir regelmäßig geändert, es gibt daher keine Verknüpfungsmöglichkeiten. Das mache ich bekanntlich nicht, um mich zu verstecken, dann würde ich darüber jetzt wohl kaum öffentlich schreiben, sondern aus purem Prinzip, jawohl, und bei allen unterhaltungsmäßigen Sachen (Funk, Text, Spiel, Bild, Musik, Stream, Audio, Video und Film).

Paranoia? Mag sein; ich stamme noch aus einer Zeit, als sich alle Leute tierisch aufgeregt hatten, weil Microsoft für „XP” eine Registrierung forderte. „Wofür?”, so fragten sie zurecht, „ich habe das Programm inklusive der Lizenz teuer gekauft, was brauchen sie meinen Namen und eine Mailadresse?” Wie sich die Zeiten doch geändert haben, nicht wahr?

Interview-Tipp: Kommt rechtzeitig die Kavallerie?

Es geht im folgenden Gespräch nicht nur um Lanz, das ZDF und deren plumpe Umdeutungsversuche der Realität (das ist nur zu Beginn noch einmal Thema), sondern es geht um Zensur und das Verbot kritischer Medien und damit um die Abschaffung des Grundrechts der Meinungsfreiheit. In letzter Konsequenz auch darum, ob ich das Tagebuch weiterführen werde können. Und es geht darum, ob wir weiterhin tatenlos dabei zusehen, wie um uns herum alles zerstört wird, oder ob, wie Julian Reichelt es formuliert, noch rechtzeitig die US-Kavallerie zur Rettung einreitet:

Mittelmaß

Habe die Netflix-Crime-Serie „His & Hers” angesehen und gebe ihr 5 bis 6 Bewertungs-Punkte. Nicht Fisch, noch Fleisch, doch es gibt viel Schlimmeres und ebenfalls Besseres – alles (Story, Schauspiel, Regie) befindet sich in einer qualitativen Mitte.

Von Beginn an wird dem Zuschauer die Fährte zu einer bestimmten Person gelegt – aber da einem von Beginn an eben diese Richtung aufgedrängt wird, war genauso klar, dass es nicht so geschieht, sondern kurz vor Schluss eine überraschende Wende eintreten wird. Man benötigt kein besonderes detektivisches Gespür und kann sich von den darstellerischen Leistungen getrost unterhalten lassen ohne nachzudenken. Eine Serie zum Zeit-Totschlagen oder etwas für die Arbeit. Viel mehr bleibt von „His & Hers” leider nicht in Erinnerung, würde ich sagen.

Und irgendwie kann eigentlich auch niemand wirklich etwas dafür, denn alle machen einen anständigen Job. Es fehlt der Serie einfach das gewisse Etwas, damit sie aus dem Einheitsbrei der Crime-Serien herausragt. Das Dilemma dieses Genres ist bekanntlich das Publikum, da es geradezu nach diesen Themen lechzt und täglich Neues verlangt. Wie verrückt sollen da dann noch die Geschichten erzählt werden? Was wurde nicht bereits so oder so ähnlich geschrieben, verfilmt oder als Hörbuch vertont? Alles gibt es bereits, die Geschichten lassen sich nur noch in den Irrsinn treiben – aber zu viel des Absurden wird genauso schnell zum Flop. Man merkt der Serie ihre Routine an. Ein durchaus professionelles Abspulen eines Drehbuchs, das allerdings selber nicht daran glaubt, was es von den Darstellern und vom Publikum einfordert.

Gerade bemerke ich, dass dies schon wieder ziemlich negative Worte sind. Statler & Waldorf grüßen im Hintergrund. Dabei lag nichts Negatives in meiner Absicht, denn immerhin hatte ich die Serie auch nicht vorzeitig abgebrochen. Meine Kritik soll weder positiv, noch negativ sein, sondern ein reines Mittelmaß. Eine mittelmäßige Serie, die mittelmäßig unterhält an einem mittelmäßigen Samstag im mittelmäßigen Winter. Und Mittelmaß ist dann mal gar nicht das Schlechteste, nicht wahr?

Filmtipp: „Der Tiger”

Per Zufall letzte Nacht entdeckt: „Der Tiger”, ein 2025 für Amazon produzierter Kriegsfilm aus Deutschland. Kann das etwas sein? Klipp und klar: Ja.

Bunker, Boot und jetzt der Panzer.

Eine Mischung aus „Das Boot” und „Der Untergang” auf vergleichsweise technisch kleinerer Flamme produziert, dafür aber wie die beiden Highlights ebenso hochspannend von der ersten bis zur letzten Minute. Erstklassige junge Darsteller. Man glaubt, in die 90er Jahre zurückversetzt zu sein und bekannte junge Gesichter der obersten Schauspielriege Deutschlands wiederzuerkennen – aber nein, es sind unbekannte neue Gesichter. Die vermeintliche Ähnlichkeit rührt wahrscheinlich daher, dass sie ein ebenso beeindruckendes Schauspiel abliefern.

Kriegsfilm darf man in Deutschland ja gar nicht sagen, mindestens muss es ein „Anti-Kriegsfilm” sein. „Der Tiger” ist kein kitschiges Heldenepos und kein Kriegsfilm Hollywoods der 50er und 60er Jahre, doch genauso wenig ist er eine typisch deutsche „Schuldkomplex-Aufarbeitung”. Natürlich ist er ein Anti-Kriegsfilm, weil jede realistische Darstellung eines Krieges immer auch den Krieg verurteilt. Vor allen Dingen aber tritt hier die Spannung in den Vordergrund und daher würde ich ihn schlicht neutral als einen Kriegsfilm bezeichnen, weder mit einem „Anti” davor, noch mit einem „Epos” dahinter.

Entsprechend fallen die deutschen Kritiken der hauptsächlich linken Medien inklusive der grün-woken Wikipedia negativ aus. Nichts anderes war zu erwarten. Trotzdem kann ich den Film nur wärmstens empfehlen – und zwar zur Unterhaltung. Krieg als Unterhaltung? Ja, genau wie „Apocalypse Now” eben gedreht worden ist, um mit dem Grauen und der Absurdität des Kriegs die Zuschauer zu unterhalten. Das bekommen wir in Deutschland nicht hin, hier muss immerzu belehrt und moralisiert werden, bis dass man es kaum noch aushält. Davon bleibst du zum größten Teil in „Der Tiger” verschont. Er überlässt dem Publikum die Moral. Und eben dieses Publikum wird über den Erfolg oder Misserfolg des Filmes entscheiden. Ich würde einen Wetteinsatz auf Erfolg setzen.

YouTube-Kanal-Tipp: „CJfarmGrit”

Ein frohes neues Jahr wünsche ich dir!

Dann will ich mal zu Beginn des Jahres sofort mit einer Art Disclaimer beginnen: Ja, mir ist schon bewusst, dass in den sozialen Medien überwiegend nur Schall und Rauch von Wichtigtuern und Leuten, die Geld verdienen wollen, verbreitet wird. Die verlinkten asiatischen YouTube-Videos in der rechten Spalte (der Desktopansicht, beim Smartphone stets ganz unten) sind Shows von professionellen Agenturen, die kaum etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben; es gibt da aber auch Ausnahmen unter ihnen. Die LKW-Fahrerinnen z.B. sind real, die Frauen verdienen einerseits ein Zubrot mit den Videos und andererseits lässt sich damit prima der Eintönigkeit ihres Berufs begegnen. All diese Videos schaue ich gerne, da ihnen eines gemeinsam ist: Sie bieten eine sehr gute Unterhaltung. Man bekommt mit ihnen bessere und ehrlichere Einblicke in den Alltag vieler Protagonisten, als dies irgendeine Dokumentation der öffentlich-rechtlichen Sender vermitteln könnte. Die Zeit der Dokus der großen TV-Sender ist abgelaufen, heute informiert oder unterhält man sich direkt bei den Personen, um die es geht. „Bildungsfernsehen” findet virtuell vor Ort statt, niemand braucht mehr Journalisten, die Dinge für einen einordnen, die dir sagen, wie du etwas zu verstehen und zu bewerten hast. Das erklären dir die Menschen nun also selber. Und wer glaubt, dass dadurch Manipulationen möglich werden, der hat den Journalismus nicht verstanden, denn so viel wie in den öffentlich-rechtlichen Sendern gelogen und getäuscht wird, so viel kann ein einzelner „YouTuber” gar nicht lügen, ohne längst dabei aufgefallen zu sein und folglich nicht mehr beachtet zu werden.

In den YouTube-Videos von „Lauras Farm” vermitteln diese Laura und ihr Ehemann seit Jahren ein möglichst realistisches Bild ihrer Farmarbeit. Das ist großartig, beide sind charismatische Menschen und besitzen ein angeborenes Gespür für eine unterhaltsame Präsentation vor der Kamera. Ganz anders sind die vietnamesischen Farm-Videos, denn sie sind eben nur eine Show für virtuelle westliche Besucher. Aber sie sind gute Aufführungen; nichts anderes geschieht beim Besuch beispielsweise in einem Freilichtmuseum hierzulande eines nachgebildeten Dorfs aus dem Mittelalter mit etlichen Laienschauspielern als Statisten. Unterhaltung muss nicht immer bis in die Haarspitzen realistisch sein.

Letzte Nacht habe ich einen recht neuen YouTube-Kanal entdeckt. 4 Kinder oder besser gesagt 4 jugendliche Geschwister, die auf einer Obstfarm in den USA aufgewachsen sind bzw. aufwachsen, versuchen mit Unterstützung der im Hintergrund nicht sichtbaren Eltern ihren Alltag auf der Familienfarm in den Videos zu vermitteln. Abseits jeglicher Professionalität, dafür spürbar authentisch, oft sogar noch kindlich albern, doch stets mit einer inneren ernsthaften Mission versehen, die da in etwa lautet, den Leuten, die keine Farmwirklichkeit kennen, das Gefühl und das Wissen zu vermitteln, was es bedeutet, heute ein Farmer in den USA zu sein. Und das gelingt ihnen so hervorragend, dass ich mich mal wieder stundenlang an den Videos festgesehen habe.

Ich finde, es sind gleich auf mehreren Ebenen sehr wertvolle Videos. Einmal das Zeitgeschehen natürlich, denn wer in Deutschland weiß schon etwas über nordamerikanische Bauern der Gegenwart? Ich wusste (trotz GEZ-Zwangsgebühren) vieles nicht. Zum anderen bekommt man ein ganz anderes Bild von der ländlich lebenden „Generation Z” als jenes, das uns von unseren Medien ständig eingeredet wird. Für die Farmerfamilie bedeutet das Land und die Natur die Grundlage ihrer Existenz. Allein deshalb gehen sie schon achtsam damit um. Unkraut hingegen, das ihre Pflanzungen und damit ihre Existenz bedroht, wird ausgemerzt und nicht darüber diskutiert, inwieweit man mit dem Trecker eventuell ums Unkraut herum fahren könnte. Auch über die Arbeit zum Beispiel der saisonalen Erntehelfer wird geradeheraus geredet, wenn es zum Beispiel in einem Video sinngemäß heißt: Bezahlst du sie nach Stundenlohn, brauchen sie mehrere Wochen für das Feld; bezahlst du sie aber nach der Menge der geernteten Erträge, sind sie in wenigen Tagen mit der Arbeit fertig. Lebensrealität trifft auf sozialistische Ideen, könnte man dazu sagen.

In den Videos finden sich noch etliche andere Beispiele. Auch jene, in denen die Jugendlichen zum ersten Mal Erwachsenenarbeit samt der Verantwortung dafür übernehmen (mit 14 und 16 Jahren einen Sattelschlepper fahren, Reparaturen bewerkstelligen, teure Maschinen bedienen und vieles mehr). Und das Überraschende daran ist, sie scheitern nicht, sondern sie wachsen von Aufgabe zu Aufgabe und strahlen bei all ihrem Tun der täglichen Farmarbeit eine ungeheure Zufriedenheit und Freude aus, die nur ein erfülltes und sinnvolles Dasein bietet, in dem jeder für den anderen einsteht. Das finde ich kolossal beeindruckend und ist so gänzlich anders als das Erwachsenwerden der städtischen Jugendlichen hierzulande. Also der Kanal ist absolut sehenswert, meine ich, und mit der automatischen KI-Übersetzung von YouTube kann man prima auf Untertiteln dem Geschehen folgen. Er heißt „CJfarmGrit”, was ich so übersetze, dass CJ wahrscheinlich der Kanalgründer ist und „Grit” der Begriff für den unbedingten Zusammenhalt der Farmerfamilie – die, nebenbei bemerkt, nach eigenen Angaben zu einem Viertel deutsche Vorfahren hat.

Zwischen den Jahren 2 – Filmtipp: One Battle After Another

Ganz vergessen, über Weihnachten sah ich einen tollen Spielfilm. Wirklich erste Sahne sozusagen, ein Highlight, das vielleicht alle 5 bis 10 Jahre zu sehen ist. Schön lang, über zweieinhalb Stunden Spielzeit und absolut humorvoll. Ein grandioser Leonardo DiCaprio (man kommt aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus), vielleicht ein klein wenig arg schenkelklopfender Kino-Humor der Rolle von Sean Penn, dafür wieder ein wunderbares Schauspiel von Benicio del Toro in einer Nebenrolle als Karatelehrer und Untergrundkopf organisierter illegaler Einwanderer. „One Battle After Another” heißt dieser Ausnahmefilm.

Und glaube bloß nichts, was du von links-woken Leuten dazu hörst, es sei ein Anti-Trump-Film usw. (was man da wieder alles lesen kann, OMG), denn „One Battle After Another” spielt zwar vor einem politischem Hintergrund, doch die Politik ist dem Film so entschieden egal, wie sie DiCaprio in der Rolle des Sprengstoffexperten der Terrorgruppe „French75” verkörpert. Es ist eine herrlich schräge und absurde Action-Komödie, die einfach nur riesig Spaß macht.

Nacht der Entdeckungen

Eine Nacht der Entdeckungen liegt hinter mir. Eine der besten TV-Serien*, die ich je gesehen habe, ist „From the Earth to the Moon”. Das war meine allererste Serie, die ich in einer DVD-Box sogar gekauft hatte. Diese Box nahm ich sogar beim Wohnungsumzug, bei dem ich „alle” DVDs (Hunderte) zurückgelassen hatte, als einzige noch mit in die neue Wohnung. Sie steht im Schrank. Weil mir diese ersten DVDs ans Herz gewachsen sind. Ist so’n emotionales Ding. Benutzt habe ich sie seit Jahren nicht mehr, da die Serie längst als Dateien zur Verfügung steht.

* Nicht abschrecken lassen, denn die Episode 2 von 12 ist für am Thema eher uninteressierte Zeitgenossen grotten langweilig, da sehr textlastig. Das ist aber wirklich nur bei dieser Episode der Fall, alle anderen sind auch für „Normalmenschen” interessant und hochspannend.


Einzig schade fand ich immer an dieser Serie ihr Bildformat: Sie wurde in 4-zu-3-Bildern gedreht, so auch als DVD verkauft und bisher gesendet, weil dies 1998 zur Entstehungszeit leider noch TV-Standard war. Doch dann kam die Nacht der Entdeckungen 😉

Letzte Nacht also wollte ich sie mal wieder anschauen. Ja, diese Serie kann man x-mal ansehen, ohne dass auch nur eine Sekunde Langeweile entsteht*. Ich öffnete die Filmdatei und begann zu schauen. Noch zu Beginn lauschten meine Ohren wieder der tollen Filmmusik und ich wollte den Komponisten mal eben schnell bei Wikipedia nachschlagen. Da las ich dann ganz nebenbei, dass es heute TV-Ausstrahlungen der Serie im 16-zu-9-Format gebe. Das war mir 1. neu und 2. vermutete ich natürlich ein fieses Abschneiden oder Verzerren der Ränder, wie man es von manch anderen Formatanpassungen der Filme kennt. Denn auch bei Wiki ist zu lesen, dass die Serie original im 4-zu-3-Format gedreht worden ist. Wie soll das vernünftig auf 16-zu-9 angepasst werden?

Trotzdem bemühte ich die weltweite Datenbank. Ich war neugierig geworden. Wobei dies eigentlich aussichtslos ist, da man zwar im englischen Original quasi alles finden kann, nicht aber die deutsch synchronisierte Fassung. Lange Rede, kurzer Sinn: Einmalig war die Serie in deutsch und in einem neueren Upload (2020) vorhanden. Ich lud sie herunter und als die erste Episode begann, traute ich meinen Augen nicht: Wie wunder-wunderbar! 1. ist sie in einer sehr guten 720-Pixel-Qualität, 2. ist die Tonspur besser als auf der alten Kauf-DVD und 3. ist die Serie bildfüllend im 16-zu-9-Format ohne irgendeine Verzerrung oder einen auffallenden Bildabschnitt. Es ist ein ganz neues herrliches Seh-Erlebnis.

Und dann kam der Oberhammer: Ich wunderte mich, dass nicht nur kaum etwas am Bild abgeschnitten wurde, sondern ich gewann den Eindruck, dass in dieser breiteren Fassung sogar mehr zu sehen ist als zuvor. Also habe ich mehrere Szenen verglichen und es ist tatsächlich so, dass die breitere bildfüllende Version auch breiter das Geschehen zeigt und man Gegenstände sieht, die rechts und links im 4-zu-3-Format nicht zu sehen sind, da sie anscheinend dort abgeschnitten wurden. Das kann aber nicht sein, wenn eine Umwandlung von 4:3 nach 16:9 stattfand. Es riecht also förmlich danach, dass es trotz aller gegenteiligen Infos im Netz dennoch eine andere, eine etwas breitere Ur-Version gegeben haben muss.

Hier mal (unten) eine Vergleichsszene, willkürlich ausgewählt. Es ist bei allen Szenen so, musst du mir einfach glauben. Eigentlich müsste das rechte 16:9-Bild nur oben und/oder unten abgeschnitten sein, doch beim 4:3-Bild fehlen rechts und links die Seitenränder.

Also wenn das nicht seltsam ist … Jedenfalls gibt’s 12 tolle Episoden von je rund 50 Minuten zu erleben. Erleben schreibe ich bewusst, denn es ist ein Erlebnis. Die Schauspieler wurden ähnlich dem Aussehen der echten Astronauten gewählt, sie spielen alle oscarpreiswürdig. Die Musik – Gänsehautfaktor. Und dann die Regie: Bei jeder Episode führt jemand anderes Regie; der Stil wechselt, wird teilweise künstlerisch, komödiantisch, dann wieder ernst – in einer Episode so modern, als sei es ein aktueller Kinofilm, der während der gesellschaftlichen Verwerfungen der USA spielt. Die sind eben keine neue Erscheinung, denn auch Mitte, Ende der 1960er Jahre befand sich die USA schon einmal kurz vor einem Bürgerkrieg. Gleich 3 politische Anführer wurden ermordet, Innenstädte brannten, Gewalt herrschte allüberall. Das spiegelt diese Episode eben so modern wider, dass du denkst, sie zeige ein Bild der Gegenwart. Andere Episoden legen ihren Fokus auf anderes. Und dann ist es auch keine reine Doku, sondern eigentlich 12 Spielfilme, die sich aber strikt an die Wirklichkeit halten. Dramaturgisch wird hier nichts hinzugedichtet, brauchte es ja auch nicht, da die geschilderte Zeit quasi im Original schon spannend und aufregend genug war.

Also wenn du irgendwann diese Serie sehen kannst, nimm sie auf und behalte sie. Sie lässt sich immer wieder mal anschauen. Da „rostet” nichts.

Beispielszene (klick drauf = größer): Auf die Millisekunde genau die identische Szene. Man sieht wie erwartbar im 16:9-Format deutlich einen unteren Bildabschnitt. Aber (!) wieso sind dort rechts und links Gegenstände vorhanden, die beim 4:3-Bild fehlen? Und irgendwie ist es nicht der exakt gleiche Blickwinkel der Kamera. Sieht es nicht so aus, als ob das rechte Bild von einer anderen, über die Kamera des ersten Bildes befindlichen Kamera aufgenommen ist? Oder wurde ins 4:3-Bild hereingezoomt? Oder hat sich die Perspektive durch die Anpassung ein wenig verändert? Aber wie können dann die beiden Seiten hinzugekommen sein, die im Original gar nicht vorhanden sind? Das grenzt ja schon an Zauberei.

Lesetipp: „Das Blut der Rebellin”

So, heute und morgen bin ich wieder verschütt. Lesenächte stehen an. Übrigens werde ich heute oder morgen Nacht den Roman „Das Blut der Rebellin” der österreichischen Autorin Sabrina Qunaj beenden. Immerhin rund 700 Seiten der Papierbuchausgabe. Ein spannendes Mittelalter-Abenteuer als historischer Roman. Sehr gut geschrieben. Ich falle dort wie in einen Film oder in einer Serie vollständig hinein, erlebe alles hautnah mit und die Zeit verstreicht unbemerkt wie im Fluge. Bis Montag also, gehab dich wohl.

Filmtipp: „Mariandl”

Irgendwo muss der Film gerade gesendet worden sein, denn er stand in der Datenbank der Neuerscheinungen ganz oben. Und weil mir so richtig nach Kitsch zumute war, habe ich ihn mir tatsächlich angeschaut. Klasse! „Mariandl” aus dem Jahre 1961. Mit der 18-jährigen Conny Froboess in der Hauptrolle. Eine typische Nachkriegs-Schmonzette aber durch ihre Spielfreude, die den ganzen Film quasi alleine trägt, hat’s wirklich Spaß gemacht. So, und jetzt gleich geh ich ins neue Bettchen. Gute Nacht um 8.