Eine Nacht der Entdeckungen liegt hinter mir. Eine der besten TV-Serien*, die ich je gesehen habe, ist „From the Earth to the Moon”. Das war meine allererste Serie, die ich in einer DVD-Box sogar gekauft hatte. Diese Box nahm ich sogar beim Wohnungsumzug, bei dem ich „alle” DVDs (Hunderte) zurückgelassen hatte, als einzige noch mit in die neue Wohnung. Sie steht im Schrank. Weil mir diese ersten DVDs ans Herz gewachsen sind. Ist so’n emotionales Ding. Benutzt habe ich sie seit Jahren nicht mehr, da die Serie längst als Dateien zur Verfügung steht.
| * Nicht abschrecken lassen, denn die Episode 2 von 12 ist für am Thema eher uninteressierte Zeitgenossen grotten langweilig, da sehr textlastig. Das ist aber wirklich nur bei dieser Episode der Fall, alle anderen sind auch für „Normalmenschen” interessant und hochspannend. |
Einzig schade fand ich immer an dieser Serie ihr Bildformat: Sie wurde in 4-zu-3-Bildern gedreht, so auch als DVD verkauft und bisher gesendet, weil dies 1998 zur Entstehungszeit leider noch TV-Standard war. Doch dann kam die Nacht der Entdeckungen 😉
Letzte Nacht also wollte ich sie mal wieder anschauen. Ja, diese Serie kann man x-mal ansehen, ohne dass auch nur eine Sekunde Langeweile entsteht*. Ich öffnete die Filmdatei und begann zu schauen. Noch zu Beginn lauschten meine Ohren wieder der tollen Filmmusik und ich wollte den Komponisten mal eben schnell bei Wikipedia nachschlagen. Da las ich dann ganz nebenbei, dass es heute TV-Ausstrahlungen der Serie im 16-zu-9-Format gebe. Das war mir 1. neu und 2. vermutete ich natürlich ein fieses Abschneiden oder Verzerren der Ränder, wie man es von manch anderen Formatanpassungen der Filme kennt. Denn auch bei Wiki ist zu lesen, dass die Serie original im 4-zu-3-Format gedreht worden ist. Wie soll das vernünftig auf 16-zu-9 angepasst werden?
Trotzdem bemühte ich die weltweite Datenbank. Ich war neugierig geworden. Wobei dies eigentlich aussichtslos ist, da man zwar im englischen Original quasi alles finden kann, nicht aber die deutsch synchronisierte Fassung. Lange Rede, kurzer Sinn: Einmalig war die Serie in deutsch und in einem neueren Upload (2020) vorhanden. Ich lud sie herunter und als die erste Episode begann, traute ich meinen Augen nicht: Wie wunder-wunderbar! 1. ist sie in einer sehr guten 720-Pixel-Qualität, 2. ist die Tonspur besser als auf der alten Kauf-DVD und 3. ist die Serie bildfüllend im 16-zu-9-Format ohne irgendeine Verzerrung oder einen auffallenden Bildabschnitt. Es ist ein ganz neues herrliches Seh-Erlebnis.
Und dann kam der Oberhammer: Ich wunderte mich, dass nicht nur kaum etwas am Bild abgeschnitten wurde, sondern ich gewann den Eindruck, dass in dieser breiteren Fassung sogar mehr zu sehen ist als zuvor. Also habe ich mehrere Szenen verglichen und es ist tatsächlich so, dass die breitere bildfüllende Version auch breiter das Geschehen zeigt und man Gegenstände sieht, die rechts und links im 4-zu-3-Format nicht zu sehen sind, da sie anscheinend dort abgeschnitten wurden. Das kann aber nicht sein, wenn eine Umwandlung von 4:3 nach 16:9 stattfand. Es riecht also förmlich danach, dass es trotz aller gegenteiligen Infos im Netz dennoch eine andere, eine etwas breitere Ur-Version gegeben haben muss.
Hier mal (unten) eine Vergleichsszene, willkürlich ausgewählt. Es ist bei allen Szenen so, musst du mir einfach glauben. Eigentlich müsste das rechte 16:9-Bild nur oben und/oder unten abgeschnitten sein, doch beim 4:3-Bild fehlen rechts und links die Seitenränder.
Also wenn das nicht seltsam ist … Jedenfalls gibt’s 12 tolle Episoden von je rund 50 Minuten zu erleben. Erleben schreibe ich bewusst, denn es ist ein Erlebnis. Die Schauspieler wurden ähnlich dem Aussehen der echten Astronauten gewählt, sie spielen alle oscarpreiswürdig. Die Musik – Gänsehautfaktor. Und dann die Regie: Bei jeder Episode führt jemand anderes Regie; der Stil wechselt, wird teilweise künstlerisch, komödiantisch, dann wieder ernst – in einer Episode so modern, als sei es ein aktueller Kinofilm, der während der gesellschaftlichen Verwerfungen der USA spielt. Die sind eben keine neue Erscheinung, denn auch Mitte, Ende der 1960er Jahre befand sich die USA schon einmal kurz vor einem Bürgerkrieg. Gleich 3 politische Anführer wurden ermordet, Innenstädte brannten, Gewalt herrschte allüberall. Das spiegelt diese Episode eben so modern wider, dass du denkst, sie zeige ein Bild der Gegenwart. Andere Episoden legen ihren Fokus auf anderes. Und dann ist es auch keine reine Doku, sondern eigentlich 12 Spielfilme, die sich aber strikt an die Wirklichkeit halten. Dramaturgisch wird hier nichts hinzugedichtet, brauchte es ja auch nicht, da die geschilderte Zeit quasi im Original schon spannend und aufregend genug war.
Also wenn du irgendwann diese Serie sehen kannst, nimm sie auf und behalte sie. Sie lässt sich immer wieder mal anschauen. Da „rostet” nichts.
Beispielszene (klick drauf = größer): Auf die Millisekunde genau die identische Szene. Man sieht wie erwartbar im 16:9-Format deutlich einen unteren Bildabschnitt. Aber (!) wieso sind dort rechts und links Gegenstände vorhanden, die beim 4:3-Bild fehlen? Und irgendwie ist es nicht der exakt gleiche Blickwinkel der Kamera. Sieht es nicht so aus, als ob das rechte Bild von einer anderen, über die Kamera des ersten Bildes befindlichen Kamera aufgenommen ist? Oder wurde ins 4:3-Bild hereingezoomt? Oder hat sich die Perspektive durch die Anpassung ein wenig verändert? Aber wie können dann die beiden Seiten hinzugekommen sein, die im Original gar nicht vorhanden sind? Das grenzt ja schon an Zauberei.
