Nix verstehn

Eigentlich wollte ich heute einen Kommentar, eher einen umfangreichen Leserbrief, zu einem bestimmten Thema schreiben, auf das ich hier jetzt nicht eingehe, da ich es sogar nach Stunden des Nachdenkens nicht geschafft hatte, die vielen, vielen Gedanken in meinem Kopf zu bündeln und sie ordentlich zu virtuellem Papier zu bringen. Manchmal merkt man, wie das eine mit dem anderen in Verbindung steht, wie fast alles mit allem zu tun hat oder wie aussichtslos und missverständlich allein eine auf einen bestimmten Punkt fokussierte Betrachtung/Bemerkung sein kann, wenn der große Zusammenhang dabei außer Acht gelassen wird.

Erklär-Beispiel (um das es im Kommentar nicht ging): Heutzutage braucht nur jemand „Corona” zu sagen und augenblicklich summieren sich in mir innerhalb von nur einer Sekunde all das Erlebte und Empfundene von zwei Jahren. Manchmal kommen mir sogar sofort die Tränen und ich fühle mich außerstande, die gerade zu welchem Thema auch immer geführte Unterhaltung fortzuführen. Abrupter Abbruch. Dabei habe ich als Ungeimpfter seinerzeit nicht gelitten, überhaupt nicht, denn ich lebte mindestens ein Jahr lang in einer Art Schockzustand, der mich das Geschehen wie von außen beobachten ließ. Wir alle wissen, wer akut unter Schock steht, empfindet keinen Schmerz. Erst danach tut die Wunde weh. Dieser Schockzustand wurde nicht allein durch die Politik, die korrupten Medien, die Kirchen und wen auch immer hervorgerufen, sondern das Verhalten der Menschen um mich herum, der ganz normalen Menschen, das sich wie nach einem Umlegen eines Schalters von heute auf morgen in Richtung Absurdität und Unmenschlichkeit verändert hatte, rief ihn hervor.

Heute braucht also nur im passenden Moment dieses Wort zu fallen, „Corona”, und binnen einer Sekunde ist all das pure ungläubig bestaunte Entsetzen wieder da; dann aber ohne Schock. Ein Schmerz, der mich geradezu lähmt, ich muss innehalten für einen Moment und verspüre danach nicht die geringste Lust mehr, auf irgendein Detail eines zuvor besprochenen Themas weiter einzugehen. Die Corona-Zeit war ein Bruch in meinem Erfahrungswert. Seither weiß ich, dass nichts, absolut nichts sicher und verlässlich ist, und dass sogar Freunde, für die ich ohne zu zögern meine Hand ins Feuer gehalten hätte, zu Ungeheuern werden konnten. Andererseits erlebte ich Leute, die ich vorher kaum beachtet hatte oder nicht einmal kannte, wie sie plötzlich zu wunderbaren Menschen und zur Hilfe in der Not wurden.

Obwohl dieses Beispiel nichts mit dem unerledigten Leserbrief/Kommentar thematisch zu tun hat, gehört der größere Zusammenhang, um zu verstehen, wie und warum manche Menschen ticken, wie sie ticken, dennoch dazu. Ist schwer zu erklären. Jedenfalls würde der Leserbrief im Umfang jeden Rahmen sprengen – andererseits wäre meine Ansicht ohne diesen Zusammenhang nur ein meinungsmäßiges Grunzen.

Es gibt Leute, die in der Corona-Zeit Ähnliches erfahren hatten wie ich. Bei bestimmten politischen Diskussionen mit einem solchen Menschen braucht nur einer den Begriff „Corona” zu erwähnen, schon erübrigt sich jede weitere Erklärung, da beide innerhalb von einer Sekunde genau wissen, was der andere meint und zu erklären versucht. Allerdings glaube ich, dass bei vielen (den meisten?) anderen Leuten selbst die umfangreichste Erklärung nicht zu einem Begreifen des Gesagten führt. „Corona” hat mir gezeigt, dass es Grenzen des gegenseitigen Verstehens gibt. Mit all den daraus folgenden Konsequenzen, die da unter anderem lauten, dass ich weder jemanden von irgendetwas überzeugen muss, noch mich für Gedanken, mein Leben oder mein Handeln zu rechtfertigen brauche.

Quintessenz: Es gibt also Menschen, die werden nie einander verstehen. Das hatte ich bislang nicht geglaubt. Mein altes Harmoniebedürfnis, der Wunsch, es möglichst jedem recht zu machen, ist etwas für die Tonne, kostet lediglich eine Unmenge an Kraft und Energie aber führt zu rein gar nichts Sinnvollem als einem Wust von virtuellem Papier, mit dem man nicht mal einen Fisch einwickeln kann.

In der Hoffnung, dass wir beide, du liebe Leserin, lieber Leser und ich, uns wenigstens einigermaßen verstehen, wünsche ich dir einen nachdenklichen aber entspannten Sonntagabend. Bis morgen in alter Frische.

Klima besser verstehen lernen

Die hochkomplexen Zusammenhänge in der Klimawissenschaft sind für „Normalmenschen”, zu denen ebenfalls Politiker und Journalisten gehören (und selbstverständlich auch ich), nicht mehr zu verstehen. Daher braucht es Zusammenfassungen, auf die dann Entscheidungsträger und Erklärungs-Vermittler zugreifen können. Diese Zusammenfassungen werden wiederum zum Ziel verschiedener Interessen, so dass in ihnen, je nach Absicht, sogar häufig gelogen wird. Mangels eigenen Verständnisses und einer ausreichenden Kompetenz kann schließlich kaum jemand etwas davon mit dem tatsächlichen Kenntnisstand der Klimawissenschaft abgleichen.

Das ist ein Dilemma.

In der Reihe „Audimax” des Radiosenders „Kontrafunk” versucht daher Horst-Joachim Lüdecke, ein emeritierter Professor für Informatik und Physik, einigermaßen Licht ins Dunkel der Unwissenheit über den Einfluss von CO2 im Zusammenhang mit der Erderwärmung zu bringen und beleuchtet zudem die Schwierigkeiten, die in der politischen sowie medialen Aufbereitung dieser komplexen Themen bestehen. Dass nun selbst seine Ausführungen für „Otto Nomalbürger” äußerst schwer zu verstehen sind, sei mal dahingestellt, denn es gibt Grenzen der Vereinfachung bzw. nicht jedes Thema taugt dazu, in einem kindlichen kurzen Cartoon allgemein verständlich gemacht zu werden. Oder anders ausgedrückt: Wer ständig übers Klima redet, sollte sich wenigstens anstrengen, ein gewisses Grundwissen über die Komplexität dieses Themas anzustreben und seinen Wissensdurst, so er denn überhaupt vorhanden ist, zu stillen. Alles andere wäre bloßes Geplapper oder interessengeleitete Propaganda.

In diesem Sinne versuche doch einfach mal Prof. Lüdecke in seiner einstündigen Vorlesung zu folgen. Praktisch an dem Podcast ist, dass du jederzeit den Stream anhalten oder zurückspulen kannst, um bestimmte Sequenzen des besseren Verständnisses wegen zu pausieren oder zu wiederholen. Als Wort zum Sonntag ist ist das Hören des Podcasts jedenfalls mit deutlich mehr Erkenntnisgewinn gesegnet, als jede Pastoren-Schwurbelei von der Kanzel.

Die richtigen Fragen stellen

Rika stellt die interessanteste Frage überhaupt, die man sich angesichts des Berliner Terrors dieser Tage stellen kann, finde ich: „Was wäre los, wenn es nicht nur ein paar Berliner Stadtviertel und ca. 100000 Bewohner beträfe, sondern nahezu flächendeckend die ganze Bundesrepublik?”

Zum einen möchte ich in dem Fall absolut nicht in der Haut der Links-Terroristen stecken, denn würde man von ihnen erfahren, bräche sicher so etwas wie eine Lynchjustiz aus. Es könnte ganz schön knifflig werden für ihr Leib und Leben. Zum anderen würden sich aber wohl sämtliche Unterstützer der woken und links-grünen Ideologie schnell verstecken und mucksmäuschenstill bleiben. Sicher nicht wenige von ihnen (viel mehr als man wahrscheinlich heute vermutet) würden ihr Gerede um 180 Grad wenden, um mit Vehemenz ihrer Wut Ausdruck zu verleihen.

Aber auch geleugnet würde diese Tat werden. Statt den Links-Terroristen, würde ganz schnell versucht werden, Putin oder anderen diffusen fremden Mächten im Sinne einer „False Flag” die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wobei das dann wohl eher im Nachhinein geschähe, wenn der Strom wieder vorhanden ist, da beim akuten Stromausfall ja keiner die Fake-News von ARD und ZDF empfangen könnte. Tja, und sterben würden sicher auch etliche Menschen. In Berlin starben zwei – erstellt man eine zynische Hochrechnung auf alle Einwohner des Landes, dann läge man bereits bei knapp 170. Rein rechnerisch, es könnte auch leicht das 10fache oder 100fache werden.

Würde es das Ende linker Politik bedeuten? Da bin ich nicht sicher. Für den Augenblick sicher ja, doch das Vergessen ist in Deutschland epidemisch. Nach diversen Umdeutungen und Relativierungen in den Mainstreammedien könnte es sogar geradezu eine Befeuerung linker Politik nach sich ziehen. Im Sinne vom Nachgeben und den „Klima-Aktivisten” recht geben, nämlich dass die eigentlich Schuldigen „am kaputten System” im Grunde der Kapitalismus, die ausbeutende Industrie und (natürlich) die Rechten sind. Das könnte ich mir zumindest gut vorstellen. So absurd es erscheinen mag, denke einfach mal daran, was heute alles so geschieht aber noch vor wenigen Jahren als unvorstellbar galt.

Wenn vier Tage lang in ganz Deutschland Stromausfall herrschen sollte, wäre einfach alles möglich, glaube ich. Deshalb finde ich Rikas Frage auch so ungeheuer interessant.

Linker Terror in Berlin

Boris Reitschuster, der olle Nörgler und Kritiker, bringt es mal wieder auf den Punkt, wenn er erklärt, weshalb vom linksextremistischen Anschlag aufs Stromnetz in Berlin medial so gut wie nichts zu erfahren ist. Man kann die Tagesschau-Gucker nur noch bemitleiden. Wenn bei ihnen allerdings ebenfalls kein Strom mehr für die Tagesschau vorhanden sein sollte und das TV-Gerät schwarz bleibt, dann wird aus meinem Mitleid die reinste Schadenfreude, denn ihre großen Augen angesichts einer Wirklichkeit, von deren Existenz sie gar nichts wussten, wird sicher zu erstaunlichen Schockreaktionen führen. Die Realität ist dann tatsächlich so düster wie der Monitor es ihnen zeigt.

Früher hieß es mal: „Die Revolution frisst ihre Kinder”. Wenn heute im linken Berlin, linker Terror verbreitet wird (ein Anschlag auf das Stromnetz ist Terror, was denn sonst?), sprechen die linken Medien lieber von „Klima-Aktivisten”. In gewisser Weise verübt von Gesinnungsgenossen aus der Praxis: ”Nicht nur reden, wir müssen endlich etwas tun!” Bis, ja bis niemand mehr diese „Journalisten” sehen kann, was ich weniger emotional meine, als vielmehr ebenso praktisch, da sie ohne Strom auch kein Gehör mehr finden. So gesehen könnte ein bundesweiter Stromausfall eine heilsame Wirkung entfalten. Alles eine Frage der Sichtweise, nicht wahr?

YouTube-Kanal-Tipp: „CJfarmGrit”

Ein frohes neues Jahr wünsche ich dir!

Dann will ich mal zu Beginn des Jahres sofort mit einer Art Disclaimer beginnen: Ja, mir ist schon bewusst, dass in den sozialen Medien überwiegend nur Schall und Rauch von Wichtigtuern und Leuten, die Geld verdienen wollen, verbreitet wird. Die verlinkten asiatischen YouTube-Videos in der rechten Spalte (der Desktopansicht, beim Smartphone stets ganz unten) sind Shows von professionellen Agenturen, die kaum etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben; es gibt da aber auch Ausnahmen unter ihnen. Die LKW-Fahrerinnen z.B. sind real, die Frauen verdienen einerseits ein Zubrot mit den Videos und andererseits lässt sich damit prima der Eintönigkeit ihres Berufs begegnen. All diese Videos schaue ich gerne, da ihnen eines gemeinsam ist: Sie bieten eine sehr gute Unterhaltung. Man bekommt mit ihnen bessere und ehrlichere Einblicke in den Alltag vieler Protagonisten, als dies irgendeine Dokumentation der öffentlich-rechtlichen Sender vermitteln könnte. Die Zeit der Dokus der großen TV-Sender ist abgelaufen, heute informiert oder unterhält man sich direkt bei den Personen, um die es geht. „Bildungsfernsehen” findet virtuell vor Ort statt, niemand braucht mehr Journalisten, die Dinge für einen einordnen, die dir sagen, wie du etwas zu verstehen und zu bewerten hast. Das erklären dir die Menschen nun also selber. Und wer glaubt, dass dadurch Manipulationen möglich werden, der hat den Journalismus nicht verstanden, denn so viel wie in den öffentlich-rechtlichen Sendern gelogen und getäuscht wird, so viel kann ein einzelner „YouTuber” gar nicht lügen, ohne längst dabei aufgefallen zu sein und folglich nicht mehr beachtet zu werden.

In den YouTube-Videos von „Lauras Farm” vermitteln diese Laura und ihr Ehemann seit Jahren ein möglichst realistisches Bild ihrer Farmarbeit. Das ist großartig, beide sind charismatische Menschen und besitzen ein angeborenes Gespür für eine unterhaltsame Präsentation vor der Kamera. Ganz anders sind die vietnamesischen Farm-Videos, denn sie sind eben nur eine Show für virtuelle westliche Besucher. Aber sie sind gute Aufführungen; nichts anderes geschieht beim Besuch beispielsweise in einem Freilichtmuseum hierzulande eines nachgebildeten Dorfs aus dem Mittelalter mit etlichen Laienschauspielern als Statisten. Unterhaltung muss nicht immer bis in die Haarspitzen realistisch sein.

Letzte Nacht habe ich einen recht neuen YouTube-Kanal entdeckt. 4 Kinder oder besser gesagt 4 jugendliche Geschwister, die auf einer Obstfarm in den USA aufgewachsen sind bzw. aufwachsen, versuchen mit Unterstützung der im Hintergrund nicht sichtbaren Eltern ihren Alltag auf der Familienfarm in den Videos zu vermitteln. Abseits jeglicher Professionalität, dafür spürbar authentisch, oft sogar noch kindlich albern, doch stets mit einer inneren ernsthaften Mission versehen, die da in etwa lautet, den Leuten, die keine Farmwirklichkeit kennen, das Gefühl und das Wissen zu vermitteln, was es bedeutet, heute ein Farmer in den USA zu sein. Und das gelingt ihnen so hervorragend, dass ich mich mal wieder stundenlang an den Videos festgesehen habe.

Ich finde, es sind gleich auf mehreren Ebenen sehr wertvolle Videos. Einmal das Zeitgeschehen natürlich, denn wer in Deutschland weiß schon etwas über nordamerikanische Bauern der Gegenwart? Ich wusste (trotz GEZ-Zwangsgebühren) vieles nicht. Zum anderen bekommt man ein ganz anderes Bild von der ländlich lebenden „Generation Z” als jenes, das uns von unseren Medien ständig eingeredet wird. Für die Farmerfamilie bedeutet das Land und die Natur die Grundlage ihrer Existenz. Allein deshalb gehen sie schon achtsam damit um. Unkraut hingegen, das ihre Pflanzungen und damit ihre Existenz bedroht, wird ausgemerzt und nicht darüber diskutiert, inwieweit man mit dem Trecker eventuell ums Unkraut herum fahren könnte. Auch über die Arbeit zum Beispiel der saisonalen Erntehelfer wird geradeheraus geredet, wenn es zum Beispiel in einem Video sinngemäß heißt: Bezahlst du sie nach Stundenlohn, brauchen sie mehrere Wochen für das Feld; bezahlst du sie aber nach der Menge der geernteten Erträge, sind sie in wenigen Tagen mit der Arbeit fertig. Lebensrealität trifft auf sozialistische Ideen, könnte man dazu sagen.

In den Videos finden sich noch etliche andere Beispiele. Auch jene, in denen die Jugendlichen zum ersten Mal Erwachsenenarbeit samt der Verantwortung dafür übernehmen (mit 14 und 16 Jahren einen Sattelschlepper fahren, Reparaturen bewerkstelligen, teure Maschinen bedienen und vieles mehr). Und das Überraschende daran ist, sie scheitern nicht, sondern sie wachsen von Aufgabe zu Aufgabe und strahlen bei all ihrem Tun der täglichen Farmarbeit eine ungeheure Zufriedenheit und Freude aus, die nur ein erfülltes und sinnvolles Dasein bietet, in dem jeder für den anderen einsteht. Das finde ich kolossal beeindruckend und ist so gänzlich anders als das Erwachsenwerden der städtischen Jugendlichen hierzulande. Also der Kanal ist absolut sehenswert, meine ich, und mit der automatischen KI-Übersetzung von YouTube kann man prima auf Untertiteln dem Geschehen folgen. Er heißt „CJfarmGrit”, was ich so übersetze, dass CJ wahrscheinlich der Kanalgründer ist und „Grit” der Begriff für den unbedingten Zusammenhalt der Farmerfamilie – die, nebenbei bemerkt, nach eigenen Angaben zu einem Viertel deutsche Vorfahren hat.

Emojis als Gradmesser gesellschaftlicher Entwicklungen

Wann hat das mit dem Wokeismus eigentlich angefangen? Ich würde sagen, es begann mit der Verkindlichung der sozialen Medien. Sie lässt sich prima an der Gestaltung von Grafiken, meist Erklärgrafiken, erkennen, die heute überall üblich sind. Die sind wiederum (nachäffende) Folge der Änderung und Erweiterung der bis ca. 2005 vorhandenen Emojis. Eine Sammlung heute üblicher Emojis gibt es z.B. bei „Emojipedia”. Sie unterscheiden sich von den in den 1990er Jahren und bis ca. 2005 üblichen Emojis in der infantilen Vereinfachung emotionaler Zustände. Begonnen in den 1980er Jahren als schlichte Zeichensetzungen, so wurden sie bis zu ihrer Blüte in der ersten Hälfte der 2000er Jahre sogar zu winzigen kleinen grafischen Geschichten. Hier noch eine Mini-Sammlung zur Veranschaulichung, was genau ich meine. Dann kam das erste Smartphone auf den Markt und mit ihm die großen sozialen Netzwerke. Meines Wissens nach wurden ab diesem Zeitpunkt zum ersten Mal von den Betreibern vollkommen neue Emojis gestaltet, die sofort 2006/7 herum ebenfalls von Microsoft in sämtliche Büroprogramme aufgenommen wurden. Daher kann man eigentlich sagen, dass die Infantilisierung ab 2005 begann und von der Generation der damals um die 20-Jährigen ausgegangen sein muss.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit richtig liege, denn es mag noch andere Umstände gegeben haben, die zum Wokeismus geführt hatten. Auch ist wahrscheinlich nicht mehr zu klären, was Ursache und was Wirkung dabei war: Ist der Infantilismus der Gesellschaft eine Folge der sozialen Medien (und einhergehend der Emojis als sichtbares Produkt) oder spiegelten die sozialen Medien einen bereits vorhandenen Rückzug ins Kindliche wider?

Man könnte weiter fragen: War Angela Merkel und die verheerende Große Koalition das Produkt des Infantilismus der Gesellschaft oder dessen Ursache?

Egal wie herum man es betrachtet, eines ist jedenfalls gewiss: Die Zeiten ändern sich gerade. Wenn man davon ausgeht, dass die Emojis samt ihrer Brüder und Schwestern der Erklärgrafiken mit der Gemütsverfassung der jüngeren Generation zumindest korrelieren, dann wird man, so denn der Wokeismus tatsächlich seinen Höhepunkt überschritten hat, in Kürze die Emojis in einem veränderten Aussehen erleben können. Wohin bzw. wie genau dies geschehen wird, das weiß heute wohl noch kein Mensch, aber dass die Veränderung kommen wird, das ist garantiert. So sind wir mal gespannt, wann welche dem Wesen nach neuen, anderen Emojis zu sehen sein werden. Ab diesem Moment verändert sich (wieder) die Welt.

Krieg ab 2030?

Victor Orbán ist sicher der gebildetste und klügste Regierungschef Europas. Darüber hinaus ist er ein begnadeter Stratege, der viele Entwicklungen in der EU bereits vor Jahren erkannt hatte und bisher Ungarn aus den größten Konflikten heraushalten konnte. Nun sagt er unmissverständlich, dass die Parlamentswahl in Ungarn 2026 die letzte Wahl in Friedenszeiten sei, da die EU sich darauf vorbereite, ab 2030 mit Russland Krieg zu führen. Das erklärt er hier im Detail (du musst einen Übersetzer aktivieren).

Nun, kein Mensch besitzt die ultimative Glaskugel, die die Zukunft voraussagt. Zumindest unsere Politiker sind sowieso zu dumm, bis 2030 irgendwelchen Plänen nachzukommen, doch die Kriegsvorbereitungen werden laut Herrn Orbán nicht von ihnen, sondern in Kreisen innerhalb der EU getroffen, und dort würde man diese Pläne nicht einmal mehr verheimlichen. Im März wurde die EU-Verteidigungsstrategie mit dem Titel „Readiness 2030” veröffentlicht, in der die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet werden, ihre Verteidigungsdefizite zu beheben, um ab 2030 kriegsbereit zu sein.

Was unsereins jetzt davon halten soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wenn man die Corona-Planspiele heranzieht, die unmittelbar vor der ausgerufenen Pandemie stattgefunden hatten, dann wäre ein solcher EU-Plan durchaus der logische Beginn einer „Umsetzung”. Was denkst du darüber?

Fortsetzung E-Book ./. Papierbücher

Barbaras Kommentar inspiriert mich zu einer kleinen Ergänzung des gestrigen (kalendarisch sogar noch heutigen) E-Book-Eintrags. Barbara bringt das Smartphone und die KI ins Spiel, und daran hatte ich gestern nicht einmal gedacht! Es zeigt, wie komplex eigentlich dieses Thema ist und wie hinterwäldlerisch ich selber unterwegs bin.

Der langjährige Leser wird wissen, dass ich mein eigenes Smartphone, genannt „Mata Hari”, erst seit 2023 besitze und dass ich mir es nur deshalb zugelegt hatte, weil die Sparkasse ihr Onlinebanking umstellte, ich also ohne „Mata Hari” den Alltag nicht mehr erledigen konnte. Die Bank befindet sich in einem anderen Ort fast 100 Kilometer entfernt von meinem Wohnort. Wäre das Onlinebanking noch ohne Smartphone möglich, besäße ich nach wie vor keines. Deshalb benutze ich dieses Teil heute über das Banking hinaus auch für andere Dinge, doch vergleichsweise viel weniger als andere Leute. Auch wenn ich unterwegs bin, bleibt „Mata Hari” zu Hause liegen.

Wenn’s ums Lesen geht, dann glaube ich, dass man unterscheiden muss, was gelesen wird. Belletristik, Sach- und Fachbücher oder Zeitungsartikel. Einen 1.000-Seiten-Roman als Papierbuch wäre mir viel zu dick und schwer. Gerade auf Arbeit, bei der ich 10 Stunden lang lese, hätte ich längst eine Sehnenscheidenentzündung bekommen. Das Smartphone müsste zwischendurch ständig aufgeladen werden und sein Display wäre mir zu unkomfortabel, um Hunderte Seiten Text darauf zu lesen. Da ist der E-Reader einfach unschlagbar.

Ein Sachbuch lese ich aber nie auf dem E-Reader, das lese ich am Desktoprechner.

Zeitungsartikel lese ich auch nie mit dem E-Reader (weil eh offline), sondern mittlerweile immerzu auf dem Smartphone oder dem Desktoprechner.

Ein Roman ist Kunst, das Erzählen ist ein Kunsthandwerk. Der eine kann’s, der andere nicht. Man benötigt Talent und Können fürs Geschichten-Erzählen. Die Arbeit, einen guten Roman zu schreiben, ist groß. Entsprechend hat der Autor auch ein moralisches Recht, dafür entlohnt zu werden. Bei einem Fachbuch ist es ähnlich, es interessiert aber nur die Fachleute bzw. die am Fach, am Thema, interessierten Leute. Zum Schluss die Zeitungs- bzw. Zeitschriftenartikel, sie sind in erster Linie entweder allgemeine Verständlichmachung von Fachbüchern bzw. irgendwelchen Studien oder es sind politische Artikel. Und das wiederum bedeutet, dass 90 % der Artikel eigentlich nur Kommentare oder Agitationen von anderen Menschen sind. Wieso sollte ich jemanden für seinen Kommentar zu irgendetwas bezahlen?

Aufklärung über Missstände: Wichtig aber politisch motiviert. Meist Teil von Agitation. Auch hier sehe ich nicht ein, irgendjemandem Geld dafür zu bezahlen. Das Argument der sogenannten „4. Gewalt” als Kontrolle der Regierenden trifft längst nicht mehr zu, im Gegenteil, der ÖRR betreibt Regierungspropaganda. Dafür sollte niemand auch nur einen Cent bezahlen müssen.

Und jetzt kommt noch die KI als Autor ins Spiel. Auch hier habe ich keine Statistiken, doch ich gehe jede Wette ein, dass heute weit über die Hälfte aller Zeitungsartikel vollständig oder zu ihren größten Teilen von der KI verfasst werden. Wozu soll ein Leser diese Artikel dann bezahlen?

Bei der „taz” mit ihrer geringen Papierauflage zeigte es sich beispielhaft: Papierzeitung eingestellt, nur noch online verfügbar. Inhalt: Nur linke Politik, sie verlangen nicht einmal Geld dafür vom Leser, da sie selber wissen, dass kaum jemand es bezahlen würde. Bezahlartikel anderer Zeitungen: Sie werden entweder geleakt oder verschwinden einfach aus dem öffentlichen Diskurs, weil jemand anderes dieselbe Meinung frei zugänglich verbreitet. Kein Journalist ist in normalen Zeiten so wichtig, dass man ihm als Leser Geld bezahlen muss. Anders in Ausnahmezeiten: Boris Reitschuster zum Beispiel wurde während der Corona-Zeit groß und wichtig, sogar ich habe ihm jahrelang freiwillig ein Abo bezahlt. Seine Stimme der Freiheit war für mich als ein von anderen in Bedrängnis geratener Ungeimpfter geistig-seelisch überlebenswichtig. Daran sieht man deutlich, dass es die Menschen selber sind, die entscheiden, wem sie Geld wofür bezahlen, wer ihnen wichtig ist und wer nicht. Boris Reitschuster ist das genaue Gegenteil der „taz”: Während er groß wurde, darbte die „taz” bis dass sie schlussendlich starb. Übrig blieb von ihr ein Rauschen im Internet.

Inneres Ich: „Aber die Papierbücher und Zeitungen müssen doch bezahlt werden.”

Die Zeiten ändern sich. Heute braucht niemand mehr Papier. Wer es dennoch will, kann dafür ja auch bezahlen. Elektronischer Text kostet aber nichts bzw. wenige Cent. Ein Autor braucht heute keine Verlage als Agentur zur Vervielfältigung und Verbreitung seiner Werke. Ist die Geschichte interessant genug, verbreitet sie sich durchs Internet von ganz alleine; dasselbe gilt für das Thema eines Artikels. Die Internetportale können Geld mit Werbung verdienen. Übertreiben sie’s hiermit, verschwindet das Interesse der Leser. Sie müssen also Wege finden, die als Kompromisse angenommen werden. Jedoch Geld von den Lesern für Artikel zu verlangen, das wird dauerhaft nicht funktionieren.

Ein E-Book ist aber etwas anderes, da es sich um eine eigenständige Datei handelt, die nicht irgendwo als Text erscheint, sondern die man sich herunterlädt, um sie anschließend mit entsprechender Software zu lesen. E-Books sind heute deswegen unverhältnismäßig teuer, weil man mit ihrem Preis anteilsmäßig den Autor bezahlt, den Verlag, den Zwischenhändler, die GEMA und die Produktionskosten der Papierbücher. Natürlich haben solche Modelle keine Zukunft. „Google & Co.” scannen sämtliche Texte der Welt und stellen sie der Menschheit kostenlos zur Verfügung. Richtig so! Natürlich schimpfen alle, denen ihr Geld dadurch verloren geht. Keiner wird diese Entwicklungen aber aufhalten. Wären die Verlage klug, würden sie von der Musik-Industrie lernen; dort hat man längst Wege gefunden, trotz Internet zu überleben. Und es wird nicht weniger, sondern mehr denn je Musik im Internet verbreitet. Nach wie vor werden Interpreten Millionäre. Die Buchverlage schaffen seit Jahrzehnten einfach nicht diesen Turn, jammern über das große Sterben ihrer Branche und – tun nichts.

Also: Heute gibt es neben dem E-Reader eben auch das Smartphone als „Papierersatz”. Und ich möchte gar nicht wissen, wie es in 10 oder 20 Jahren aussehen wird. Man kann sich diesen Entwicklungen nicht entziehen, sondern nur anpassen, um erfolgreich zu bleiben. Tatsächlich entscheiden die Menschen, wie sie welches Medium in Zukunft nutzen. Gesetzliche Beschränkungen werden die Freiheit nicht dauerhaft einschränken können. Die EU wird trotz ihrer vielfältigen Bestrebungen das Internet niemals kontrollieren, eher wird die EU auseinanderbrechen. Aber das wäre wieder ein gesondertes Thema. Trotzdem hängt alles mit allem zusammen, das eine beeinflusst das andere, die Freiheit bricht sich bei all dem überall und immer Bahn. Nicht allein die politische Freiheit, auch die Freiheit von jenem Kommerz, der die Menschen auspresst. Gegen Kommerz habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden, nur an der Ausplünderung, an der Bereicherung der Grundbedürfnisse der Menschen. Aber das hatten wir ja schon, ich wiederhole mich 😉

E-Book ./. Papierbuch

Nachdem ich im Mai dieses Jahres schon einmal über Frau Dagens Ansichten zu E-Books unangenehm schlucken musste, setzt sie in ihrem Interview mit Herrn Schuler noch einen drauf, wie man so schön sagt. Und das drängt mich mittlerweile nun zu der Ansicht, sie habe die Technik der E-Books eben nicht nur nicht vollumfänglich verstanden, sondern sie betreibt ihre Desinformation über E-Books mit voller Absicht.

Naturgemäß wundert ein solches Verhalten bei einer Buchhändlerin kein Mensch, möchte sie doch hauptsächlich Papierbücher verkaufen, sie sind ihre große Leidenschaft. Von daher betrachte ich ihre Falschaussagen, E-Books gehörten nicht den Kunden, sondern sie seien nur ausgeliehen, mit einer gewissen verständlichen Nachsicht. Was mich an dem Interview mit dem ollen Schuler aber wirklich stört, ist seine zur Schau gestellte Unwissenheit über E-Books, mit der er sich in gewisser Weise der Frau Dagen anbiedert, indem er ebenfalls hanebüchene Dinge zu E-Books sagt, nämlich dass sie von außerhalb auf den E-Reader leicht manipuliert oder sonst wie im Nachhinein verändert werden können. Über seine halb verschluckten Bemerkungen, auch Eselsohren oder Anmerkungen könne man nicht bei E-Books machen, verliere ich kein weiteres Wort, denn beides geht natürlich genauso wie bei Papierbüchern. Was er nicht weiß, existiert halt für ihn auch nicht.

Wie bei vielen anderen moderneren Dingen (unter anderem bei einem neuen Auto) ist natürlich heutzutage vieles möglich, wenn der Kunde dies zulässt und es sogar so wünscht. Was alles möglich ist und was schlussendlich beim Kunden geschieht, bestimmt aber immer noch hauptsächlich der Kunde (auch wenn einiges und immer mehr bereits im Hintergrund ohne dessen Wissen geschieht – wir befinden uns hier innerhalb einer Entwicklung und schon morgen kann noch mehr geschehen, das gestern noch undenkbar war). Daher kann ich auch nur von mir sprechen, wenn ich jetzt imaginärerweise den beiden Gesprächspartnern deutlich widerspreche.

Seit über 20 Jahren lese ich E-Books, besitze heute meinen 3. E-Book-Reader. Nur für das erste Mal des Einschaltens ist man mit dem Internet einmalig verbunden, danach nie wieder, wenn man denn auf sowieso überflüssige Updates verzichtet. Hier gilt also ebenfalls der Wunsch des Kunden/Benutzers. Die WLAN-Tauglichkeit der Geräte ist bei mir komplett ausgeschaltet. Niemand kann von außen eine Verbindung mit dem E-Reader herstellen. Und ich stelle sie, wie gesagt, nicht her, da ich diese Funktion nicht benötige. In der Vergangenheit mochte ich keine Papierbücher ausleihen und leihe somit auch keine E-Books aus. Allerdings habe ich auch noch nie ein E-Book gekauft.

Meine derzeitige Bibliothek besteht aus mehr als 25.000 E-Books, um darin zu stöbern. Klar, das zu lesen, schafft kein Mensch. Sie ist, um ein versehentliches Löschen zu vermeiden, auf mehreren Datenträgern gesichert und aus ihr werden regelmäßig für eine Auswahl temporär zu lesender Bücher stets ca. zwei Dutzend Werke auf den E-Reader kopiert. Ist ein Buch zu Ende gelesen, lösche ich es einfach auf dem Reader. Ist alles gelesen, wird er wieder aufgefüllt. Zudem stehen E-Books kostenlos milliardenfach im Internet zur Verfügung. Bei Bedarf wird eines auf den Desktoprechner in die Bibliothek heruntergeladen und anschließend per USB-Kabelverbindung auf den E-Reader übertragen. Dabei gibt es weder einen fremden Zugriff, noch eine Fernsteuerung von irgendwem.

Wie man nun an seine Bücher gelangt, da gibt es viele Wege. Frau Dagen hat recht, wenn es um den Verkauf der E-Books bei Amazon & Co. geht. Deren Bücher sind verschlüsselt und können nur von bestimmten E-Readern (ihren eigenen, die von ihnen vertriebenen „Kindls”) unter bestimmten einschränkenden Bedingungen gelesen werden. E-Reader anderer Hersteller können die verschlüsselten Bücher nicht lesen, doch es gibt eben legale Software zur schnellen und einfachen Entschlüsselung. Es ist ähnlich wie bei den Betriebssystemen Windows, Apple oder Linux. Der kluge Leser benutzt einen freien E-Reader und für zu Hause auf dem Laptop- oder Desktoprechner das Verwaltungsprogramm „Calibre”, mit dessen Hilfe unter anderem auch Verschlüsselungen aufgehoben werden können. Dazu benötigt man keinerlei technische Vorkenntnisse.

Entschlüsselte Bücher sind freie Bücher. Der Ursprung der E-Books liegt in den 1990er Jahren und war frei, danach kamen erst die Verschlüsselungstechniken des Kommerzes. Sie haben aber keine eigene Technik für die E-Books verwendet, sondern an der vorhandenen Technik einfach ein Schloss montiert. Die Technik bleibt also die alte und deshalb lassen sich E-Books auch beliebig oft kopieren, weiterverbreiten und heute selbst mit einem E-Reader von 1996 lesen wie ehedem.

Ist ein Buch einmal entschlüsselt, hat niemand je wieder von außerhalb irgendeinen Zugriff darauf. Es sei denn, du richtest eine Internetverbindung ein und ein Hacker dringt in deinen E-Reader und löscht z.B. alle Bücher. Das wäre vergleichbar mit dem Brandstifter, dem du deinen Hausschlüssel gegeben hast und der in deiner Abwesenheit die Bibliothek anzündet. Von daher ist es einfach unwahr und falsch den Eindruck zu vermitteln, E-Books seien alle grundsätzlich irgendwo eingeschränkt und stünden den Papierbüchern in etwas nach. Nur weil Amazon ein Bezahlsystem und eine Verschlüsselung erfunden hat, gelten diese Einschränkungen aber nicht für alle normalen, also unverschlüsselten, E-Books. Mit diesem Irrglauben verbreitet man höchstens die warmen Träume von Amazon. Ich habe keine Statistik zur Hand aber würde schätzen, dass weltweit über 99 % der E-Books freie Bücher sind, die natürlich in den Freundes- und Bekanntenkreisen der Leser durch legales Kopieren ihre massenhafte Verbreitung finden. Mit E-Books verdient demnach niemand großes Geld, sie sind aber eine Gefahr für den Buchhandel. Das wiederum ist die verständliche Erklärung, weshalb Buchhändler sie nicht mögen.

Auf die vielen, vielen anderen Vorteile der E-Books will ich jetzt gar nicht eingehen, das habe ich im Laufe der Jahre schon immer mal wieder getan. Schließlich möchte ich keine verkaufsfördernde Reklame für E-Books betreiben. Es muss jeder selber wissen, was er lieber liest, also ob auf Papier oder ob auf dem Reader. Nur soll man, wenn man das eine oder das andere schlechtredet, was man ja durchaus tun kann, einfach nicht lügen – auch nicht aus Unwissenheit Lügen weiterverbreiten. Denn das wäre schlicht ein Betrug am Leser.

Beim Lesen geht es neben anderen Dingen immer noch in erster Linie um den Inhalt, nicht ums Geld. Und wer heute behauptet, beim Schreiben, also als Autor, ginge es ihm ums Geld, der soll aufhören zu schreiben. Geschichten erzählt haben sich die Menschen schon vor tausenden von Jahren an den Lagerfeuern, das werden sie auch weiterhin tun – ob auf Papier oder auf elektronischem Wege.

Literatur stillt dasselbe Grundbedürfnis der Menschen wie die Musik. Kein Verlag und keine GEMA wird den Leuten jemals das Singen und Musizieren verbieten können. Allein schon die Idee, sich an einem Grundbedürfnis bereichern zu wollen, ist genauso pervers wie die Bemühungen der Lebensmittelkonzerne, Wasser als käufliches Gut zu vermarkten. Natürlich verdient der Interpret, der Autor, der Künstler seinen Obolus, das bestreite ich hier in keiner Weise, doch es ist etwas anderes, einen Künstler freiwillig, je nach subjektiv empfundenem Wert seines Vortrags, zu entlohnen und dem, was Google, Amazon und die GEMA betreiben. Das ist die pure Bereicherung.

Inneres Ich: „Und was hat das mit den E-Books zu tun?”

Nun, sie sind, wie das Internet als solches, ein entscheidender Fortschritt, sich aus den Fängen des Kommerzes zu befreien. Der Kommerz hat es allerdings geschafft, mit dem Internet, also mit dem Werkzeug für die Befreiung vom Kommerz, einen ganz neuen Kommerz zu erschaffen. Seien wir doch nicht so blöd und nehmen den Buchhändlern nun dieselbe Strategie ab, die uns Geld abknöpfen will für eine seltsame Freiheit, die uns vom Kommerz der Konzerne befreien soll aber ihrerseits nichts anderes als eben der Kommerz ist. Deshalb werden E-Books von ihnen überall schlechtgeredet, und das kann ich einfach nicht ausstehen.

Inneres Ich: „Achso, ein kleiner Revoluzzer?”

Eigentlich nicht. Ich mag nur nicht hinter die Fichte geführt werden und auch nicht dabei zusehen, wie anderen das geschieht.

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Nachtrag: Fortsetzung des Geschwurbels 🙂

Lieber arm als rechts

Sie, die Bürger, erkennen mehr und mehr den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zerfall unseres Landes – aber sie wählen nach wie vor in ihrer Mehrheit die Verursacher des Niedergangs. Ist das nicht seltsam?

Sobald die Regierungskoalition zerbricht, was beinahe täglich geschehen kann, wird für die Neuwahl der nächste Wahlkampf sich nicht mehr um eine Entscheidung zwischen einzelnen Parteien und ihren Programmen/Vorhaben drehen, sondern es wird zu einer Richtungswahl kommen: Links oder Rechts.

Dabei wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine große, vielleicht sogar die entscheidende Rolle spielen. Der „Kampf gegen Rechts” wird als Endkampf dargestellt werden. Nazis gegen Menschenrechte oder so ähnlich. 24 Stunden am Tag werden wir von etlichen prominenten Menschen so etwas hören und sehen. Das wird seine Wirkung nicht verfehlen, es könnte sogar die SPD als jetzige 14-Prozent-Partei hinter der AfD auf den zweiten Platz befördern. AfD, SPD, CDU – und schwupps bekämen wir wegen der „Brandmauer” fast dasselbe wie heute nur unter SPD-Führung.

Auch wenn der linke Wokeismus weltweit zu Ende ist, dauert es noch viel länger, bis diese Erkenntnis in der Verwaltung, den Behörden und der Justiz angekommen sein wird. Leider haben wir niemanden, der mit einer Kettensäge durchs Unterholz jagt, und auch keinen kleinen Trump wird es geben. Also kannst du dich schon mal darauf einstellen, dass Deutschland ein zweites Frankreich werden wird. Das bedeutet: Für Leute mit viel Geld wird es nicht besonders schwierig, das Geld außer Landes in Sicherheit zu bringen; für Leute ohne Geld wird es ebenfalls, solange die Mieten noch öffentlich bezahlt werden, zu keiner existentiellen Katastrophe kommen, doch alle dazwischen, Normalverdiener und ihre Familien, sie sind es, die binnen kurzer Zeit verarmen und ins Elend gestürzt werden. Ob sie wohl dann weiterhin wie bisher wählen und damit sagen: „Lieber arm als rechts”?

Krieg und Frieden zum x-ten Mal

Das Fass Krieg und Wehrpflicht will ich jetzt gar nicht öffnen, denn dazu habe ich schon genug geschrieben. Ich möchte nur auf zwei Aspekte eingehen, die mir von Zeitgenossen im Alltag immer wieder vorgetragen werden. 1. sei die Wehrpflicht hilfreich, um die soziale Kompetenz, das Miteinander sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl von jungen Menschen zu fördern, und 2. sei ein Land bzw. eine Bevölkerung ohne Armee jedem hilflos ausgeliefert.

Zum ersten Punkt: Ja, es stimmt, bei der Armee lernt man einen sozialen Umgang untereinander/miteinander, der nie und nimmer im normalen Leben möglich wäre. Aber ist das wirklich ein Vorteil einer „pädagogischen Armee” oder zeigt diese Diskrepanz nicht vielmehr das offensichtliche Versagen von sämtlichen zivilen pädagogischen Anstalten (von Schule über Ausbildung und Vereinsleben bis hin zum erlaubten/gelebten Alltag)? Wenn ich in der Armee etwas über das soziale Leben lernen kann, wenn ich dort soziale Verhaltensweisen und Erfahrungen mache, die mir bisher im normalen Leben unbekannt waren, dann stimmt etwas mit der „Erziehungswelt” im normalen Leben nicht. Eine Armee ist keine Erziehungsanstalt, die vorhandene Defizite ausgleicht, sondern die Aufgabe der Armee ist in erster Linie das effektive Kämpfen und Töten. Wer eine Waffe in die Hand nimmt, muss damit rechnen, sie auch zu benutzen. Eine Wehrpflicht ist nichts anderes als die Beschaffung von reichlich Kanonenfutter zum Schutz der eigentlichen Berufsarmee (Generäle fallen idR in keinem Krieg). Die soziale Erkenntnis der Gleichheit aller Schichten der Gesellschaft, sie zeigt sich dann im Tod.

2. Natürlich braucht jeder Schutz im eigenen Leben. Wenn ein anderer Mensch kommt, deine Wohnungstür eintritt, dich am Kragen packt und dich aus deine Wohnung wirft, dabei sagt, von nun an gehöre die Wohnung ihm, dann brauchst du die Polizei und die Gerichte, um deine Familie, dich, deinen Besitz und die eigene Wohnung zu beschützen. Dasselbe gilt auch für ein Land, das sich vor ähnlichen Überfällen schützen muss. Wurde deshalb aber jemals diskutiert, dass wir nun für junge Leute eine Dienstpflicht bei der Polizei brauchen? Eine Berufsarmee, der Beruf des Soldaten, ist natürlich für ein Land sinnvoll und notwendig. Wie es im Inneren den Beruf des Polizisten bedarf, so braucht es im Äußeren den Beruf des Soldaten. Was aber keiner braucht und sogar gefährlich wäre, das sind freiwillige Polizisten, die glauben, in wenigen Wochen oder Monaten einen kompetenten Dienst leisten zu können. Und was für Polizisten gilt, das trifft auf Soldaten, die mit Waffen hantieren, die ungleich zerstörerischer sind als jene der Polizei, im besonderen Maße zu.

Nochmal: Eine Wehrpflicht sorgt allein für reichlich Kanonenfutter, aber kein Mensch lebt sicherer mit Tausenden Halbjahres-Praktikanten des Soldatentums. Israel ist deswegen eine Ausnahme, da die Bevölkerung seit Jahrzehnten in einer permanenten Bedrohungslage lebt – aber auch weil dort die Wehrpflicht der Lehrzeit eines Berufes entspricht. Im Grunde ist die Wehrpflicht dort die Verpflichtung des Erlernens des Soldatenberufs und ähnelt eigentlich mehr dem Bild einer Berufsarmee (Männer 3 Jahre, Frauen 2 Jahre Ausbildung). Sie ist also nur dem Begriff nach mit unserer diskutierten Wehrpflicht zu vergleichen, in der Praxis ist sie etwas ganz anderes. Wie gesagt, eine Berufsarmee zum Schutz ist notwendig und wichtig wie die Polizei und die Gerichte.

Noch einen Aspekt gebe ich zu bedenken: Nehmen wir einmal an, wir haben einen Krieg verloren und Deutschland wäre nun von einem grausamen Herrscher erobert worden. So grausam der Eroberer auch sein würde, wie könnte er das ganze deutsche Volk beherrschen, wenn sich jeder Einzelne dagegen sträubt? Die eroberten Deutschen würde lediglich das Nötigste tun, was vom neuen Herrscher verlangt wird, um das eigene Leben zu schützen, aber sie würden kein prosperierendes Land für ihn bereitstellen. Auch Sklaven arbeiten nicht über das Nötigste hinaus. Bei Nationen mit einem solchen Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger – bei einem nationalen Bewusstsein – ist eine Fremdherrschaft auf Dauer nicht möglich und am Ende viel zu teuer für den Eroberer. GB, die USA oder Frankreich sind deshalb nicht von außen eroberbar. Doch bei Ländern ohne Nationalbewusstsein ist das etwas anderes. Vielleicht wäre jeder zweite Deutsche sofort ein Opportunist und würde mit dem Eroberer zum eigenen Vorteil zusammenarbeiten. Ein solches Land wäre es jedenfalls nicht Wert, durch eine Wehrpflicht verteidigt zu werden. Und jetzt frage ich dich: Wie siehst du unser Land, zu welchem Land gehört heute unser Deutschland? Würdest du dein Kind diesem Land freiwillig opfern?

In Gottes Hand

Es ist so, dass ich mich selber mein ganzes Leben als einen linken Zeitgenossen verstanden habe. „Das Herz schlägt links”, betitelte einst Lafontaine seine Memoiren. Was heute die linken Parteien aber als links verkaufen, ist längst etwas anderes. Es ist das genaue Gegenteil.

Jetzt darauf einzugehen, wie, seit wann, wodurch und von wem die 180-Grad-Wende im Selbstverständnis der Linken vonstatten ging, ist viel zu aufwendig und müßig sowieso, denn es bleibt als wichtig nur festzuhalten, dass die links-grün-woke Gesellschaftserscheinung in der Politik zu diktatorischen, rassistischen, übergriffigen und frauenfeindlichen Entwicklungen führt, die alle Freude, Liebe und Freiheit der Bürger bis aufs Mark bekämpft, die die Kriegsrhetorik vergangener Zeiten wiederbelebt, die den politischen Mord feiert und die mit ihrem Ideal einer neuen Gesellschaft dem Bild des „neuen Menschen” der Nationalsozialisten gleicht wie ein Ei dem anderen.

Wie lange wird es noch dauern, bis die große Mehrheit der Bevölkerung das Böse erkennt, das sich den Mantel einer vermeintlichen Vielfalt angezogen hat, um die vorhandene Buntheit der Menschen mit dem Einheits-Schwarz der „Antifa” zu übermalen und alle in eine im Gleichschritt marschierende hörige Masse zwingt? Kann eine Mehrheit das überhaupt erkennen?

Die Masse, das Kollektiv – die Herde bietet dem Individuum Körper an Körper Schutz und Geborgenheit, was man nachvollziehen und verstehen kann. Es gilt auch dann, wenn die Herde auf einen Abgrund zurast, der das Ende von 90 % der Gemeinschaft bedeutet. Wenn diese Herde zu groß ist, kann keine Orientierung mehr stattfinden, kein Innehalten, denn die Kraft der puren Masse reißt jeden mit. Vielleicht – Denken muss erlaubt sein – ist exakt das ein evolutionärer Prozess, der auch bei uns Menschen automatisch und unbemerkt stattfindet, wenn beispielsweise eine Population zu groß oder zu krank geworden ist.

Man kann also mit dem Teufel oder mit biologischen Verhaltensweisen argumentieren, um die rasant fortschreitende Selbstzerstörung unserer Zivilisation zu beschreiben. Wer den Mechanismus, egal mit welchem Erklärungsmodell, verstanden hat, der kann sich abseits der mitreißenden Kraft an die Ränder der galoppierenden Herde begeben und dort versuchen, sich, seine Lieben oder die Familie vor den Sturz in den Abgrund zu bewahren. Eine Herde abrupt anzuhalten, ist jedenfalls unmöglich – und genau das beschreibt den Pessimismus, dem ich seit gestern anheim gefallen bin. Ich glaube nämlich nicht mehr an eine Rettung von allen, ich hoffe lediglich, eine Nische zu finden, in der einige und ich den kommenden Sturm überstehen werden.

Tja, so ist das mit dem Pessimismus. Man könnte ihn natürlich auch betäuben und sich das Leben schönsaufen, das würde ich vielleicht sogar tun, wenn ich wüsste, dass morgen der große Knall kommt, doch wahrscheinlich dauert der Untergang mehrere Jahre, dabei entstünde viel zu viel Katerstimmung. Also muss man auch das Ende der westlichen Zivilisation nüchtern und stark ertragen. Letztlich befinden wir uns alle in Gottes Hand. Und siehe da, die christliche Religion bietet Trost. Sie hilft tatsächlich, das Erkennen, das Sehen oder das Leben zu ertragen. Werde ich jetzt zu einem ur-linken Christen?