Von einer bunten Welt

In der Medizin gibt es so ungeheure Fortschritte, die einen den Mund vor lauter Staunen offenstehen lässt. Seit ein paar Jahren arbeitet sie sich in den Nano-Bereich vor, der Fantasie sind hier keine Grenzen mehr gesetzt. Auch aus der genetischen Forschung sind bereits allerhand praktische Anwendungen hervor gegangen, die noch vor kurzer Zeit als Science Fiction bezeichnet worden wären. Die Menschheit kann mittlerweile an Viren basteln, sogar künstliche Viren bauen, obwohl sie kein Mensch je zu Gesicht bekommt.

Da all dies (und noch viel mehr jetzt ungenanntes) heute bereits möglich ist, frage ich mich, was uns als Menschheit eigentlich davon abhält, die Pigmente unserer Haut, der Augen und Haare gleichfalls zu verändern? Und zwar in alle gewünschten Farben.

Dies sei nicht möglich, so wird einem sofort geantwortet. Ja, klar, jetzt im Augenblick ist das nicht möglich. Es besteht schließlich kaum ein Interesse daran, auf diesem Gebiet großartig und teuer zu forschen. Graue Haare lassen sich mit geringem Aufwand färben, niemand würde daher eine Milliardenforschung auf diesem Gebiet finanzieren.

Wie viel gewönne aber eine globale Gesellschaft, wenn es keine Rassenprobleme aufgrund des Aussehens von Haut, Augen und Haaren mehr gäbe? Wenn jeder Mensch seine Farben individuell aussuchen könnte? Noch dazu wechseln könnte? Wie viel materieller Wohlstand würde dadurch geschaffen werden? Wenn sämtliche Destruktivität aufgrund von angeborenen Unterschieden nicht mehr vorhanden wäre und alle Kraft dem gemeinsamen Ziel einer prosperierenden Gesellschaft in individuellen Farben zur Verfügung stünde? Dann wäre sogar der wirtschaftliche materielle Gewinn kaum in Zahlen zu messen, so groß wäre er. Auf allen denkbaren Ebenen wäre diese neue bunte Welt der heutigen haushoch überlegen.

Genau das war mein Traum letzte Nacht. Zuerst schafften es die Mediziner, dunkle und helle Haut durch Gentechnik zu erzeugen, was im Traum bereits in der Vergangenheit lag und als medizinische Sensation gefeiert worden war. Danach setzten die logischen Schritte der Weiterentwicklungen ein und durch genetische Eingriffe ließen sich die Farben von Augen und Haut von dunkel nach hell und umgekehrt innerhalb eines Jahrzehnts verändern. Am Ende dieser Entwicklung war es dann möglich geworden, binnen Jahresfrist alle für uns sichtbaren Farben zu erzeugen.

Unter diesen Voraussetzungen kamen im Traum plötzlich ein Autor sowie ein Regisseur daher und fragten mich, ob ich vielleicht einen finanzkräftigen Produzenten kennen würde, denn sie hatten die Idee eines Films über Utopia, über die positive bunte Welt der Zukunft.

Während meiner Überlegungen, mangels finanzstarker Kontakte eventuell ein Darlehen aufzunehmen und selber zu einem solchen Produzenten zu werden, erwachte ich aus dem Traum. Der neue Tag begann – aber nicht wie üblich im Einheitsgrau, sondern überall entdeckte ich die Buntheit des Daseins. Ich sah aus dem Fenster den Buntspecht an der Fütterungsstation und im Garten auf der Wiese den Hund „Bo”, einen schwarzen Berner-Sennen-Mix mit vierfarbigen Beinen und bunten Streifen auf dem Rücken. Ich schaute hinüber zu den wild wuchernden Sträuchern, wie sie in allen bunten Farben im Wind wehten, sah gelbe und blaue Baustämme, deren grünes Laub wie prächtige Gewänder wirkten und nahm bunte Insekten wahr, die mich faszinierten. Auf dem Weg zum Haus fuhr gerade der Postbote mit seinem gelben Auto vor, ich winkte ihm zum Gruß und es stieg ein blauer Mann aus dem Wagen, der meiner Großnichte ein Päckchen überreichte, das ihr Gesicht in glitzernden „Klein-Mädchen-Prinzessinnenfarben” erstrahlen ließ. Die Welt war plötzlich bunt. Auch ohne LSD. Real.

Und nochmals erwachte ich aus dem Traum. Es war ein Traum im Traum. Da begriff ich, dass der beabsichtigte Film bereits im Archiv meines Kopfes vorhanden ist. Ich selber war dessen Autor, Regisseur und Produzent in einer Person. Man sieht, was man sehen will. So einfach ist das Leben in einer bunten Welt.

Na? Als kleine Anregung deiner Fantasie für heute okay? Bitteschön und immer wieder gerne.

Interview mit Rainer Langhans und Michael Ballweg

Gerade als Riesenfan von Hermann Hesse, der mir in meiner postpubertären Zeit, na, sagen wir mal, mindestens das geistig-seelische Überleben ermöglicht hatte (damals fühlte ich mich als ein Geretteter kurz vor dem Ertrinken), so tu ich mich heute trotzdem sehr schwer damit, wenn jemand sagt, dass Krankheiten eine Art Heilsbringer sind, die zu spirituellen Erkenntnissen führen (können) und daher weniger bekämpft als vielmehr dankend angenommen werden sollten. Hesse hat so etwas nie gesagt.

Natürlich stimmt es, dass eine Krankheit dem betroffenen Menschen aus seine Routine reißt und dass er in der Folge beginnt, sich in und um die Welt neu zu denken und sie neu zu erleben, dass er sein wahres Inneres erkennt und so weiter, um am Ende mehr oder weniger zu begreifen, dass der Materialismus im Grunde nichts weiteres ist als eine Krücke, die uns vom freien Gehen abhält. Während und nach einer Krankheit verändert sich der Mensch genauso wie ganze Gesellschaften etwa nach furchtbaren Katastrophen. Deshalb aber ist eine Krankheit oder eine Katastrophe kein Heilsbringer, sondern es bleibt einem schlichtweg nichts anderes übrig, als das Beste daraus zu machen. Und da ist die individuelle Veränderung im Leben nun mal ein wesentlicher Bestandteil, weil sich während der Lebensroutine bei jedem Menschen gewisse Unzufriedenheiten eingeschlichen haben, die nun entdeckt und abgestellt werden können. Muss oder soll man dann aber der Krankheit oder der Katastrophe dankbar sein?

All das – es existieren bekanntlich ganze Bibliotheken über Spiritualität – gehört m.E. zu den Chancen, sein Leben positiv zu verändern, hat aber ursächlich mehr mit dem eigenen Versagen zu tun, in Zeiten der Gesundheit die eigene Spiritualität eben nicht erkannt zu haben. Es gibt aber beispielsweise keine positive Pandemie. Noch dazu muss man zuallererst eine Krankheit oder eine große Katastrophe erst mal überleben, um überhaupt die Chance auf Veränderung erkennen zu können. Also dass man dankbar für solche einschneidenden Schicksalsmomente sein soll, das empfinde ich in gewisser Weise als ein aus der persönlichen Rückschau getroffenes arrogantes Verhalten, das sowieso nur von einem Überlebenden getroffen werden kann. Ein großer, großer Fehler war zu allen Zeiten und ist bis heute, dass meist das eigene Erlebte auf oder für andere Menschen übertragen wird. Mein alter Lehrer ermahnte mich als Kind oftmals, ich solle nicht immer mich, mein Denken und Erleben, auf andere beziehen. Diese Ermahnung habe ich mir bis heute gemerkt. Vielleicht fällt es mir deswegen sofort ins Auge, wenn andere Leute eben diesen Fehler auch begehen.

Insofern kann ich mit dem zweifelsohne sehr interessanten Interview zwischen Rainer Langhans und Michael Ballweg eher wenig anfangen. Ja, hier werden einfache und vor allen Dingen persönliche Wahrheiten angerissen, doch der pädagogische Zeigefinger von Herrn Langhans passt nicht im Geringsten zu dem, was er sagt.

Immer wieder glauben Leute zu wissen, was für andere, für eine Gesellschaft gut und richtig wäre und was nicht. Ganz egal aus welcher politischen Richtung oder zu welcher Zeit. Wahrscheinlich gibt es dieses Verhalten seit der Steinzeit, also seit Menschen diesen Planeten bevölkern. Die Worte und die Klänge mögen sich im Laufe der Zeit verändern aber all diesen Leuten fehlt in gewisser Weise ein großes Stück Demut, nämlich die sie erkennen und sagen ließe: Ich weiß es auch nicht. Für mich habe ich eine Lösung gefunden, du musst für dich deine eigene Lösung finden. Sie können sagen, was ihnen persönlich dabei geholfen hat, doch nicht, was der andere oder die Gesellschaft zu tun oder zu lassen hat, um zu einem ähnlichen Ergebnis zu gelangen.

Man könnte es auch drastischer ausdrücken: Ich bin bereits ein „Waldschrat”, wenn ich durch die Rezepte von Rainer Langhans werde wie er, so wäre das für mich die schlimmste vorstellbare Katastrophe schlechthin.

Es kann aber auch sein, dass Worte dafür einfach nicht ausreichen und ich die beiden Männer nur missverstehe. Natürlich kann das sein! Wie oft werde ich selber missverstanden, liest jemand in und aus meinen Worten etwas, das gar nicht so gemeint war. Von daher ist das Interview zweifelsohne eine Sternstunde des Journalismus, die ich gerne verlinke. Bilde also deine eigene Meinung. Biddeschön:

„Kein Beinbruch”

„Jetzt machen wir das eben im September”, so kommentierte gestern das Habeck den BVG-Stopp des Schweinsgalopps, der mal eben schnell zwischen Tür & Angel das „Heizungsgesetz” durchwinken sollte. Das sagte er bei Markus Lanz, dem Sudel-Ede Schnitzler der Grünen. Talk-Show statt Bundestag, damit auch bloß jede Bürgerin und jeder Bürger mitbekommt: keiner wird davonkommen.

Wetten dass?! Es wird genauso wenig das Heizungsgesetz durchkommen (oder falls schon, dann nur vorübergehend), noch das Verbrenner-Aus der EU (wer EU sagt, darf eh nie vergessen, wessen Interessen die verschiedenen Kommissionen hauptsächlich bedienen – nämlich deutsche). Dass es aber nicht so weit kommt, ist wohl jedem Menschen mit Verstand klar. Wahrscheinlich dienen solche Aufreger nur als Nebelwerfer, um den Reibach dahinter zu verschleiern. Diese Vermutung ist allerdings böse und gehört daher nicht ins öffentliche Tagebuch. Wie heißt es so schön im Volksmund? „Ich will nix gesagt haben …”

Geld wird ja nicht verbrannt. Keiner würde das tun. Es verschwindet nicht einfach so ins Nirwana. Es fließt halt nur in andere Taschen, aus denen dann der halbe Planet aufgekauft wird. So wie die Ukraine derzeit als Resterampe für überwiegend ausrangierte Waffen dient, deren Arsenale dann mit neuen modernen Waffen wieder aufgefüllt werden (Wirtschaftskreislauf), so wie der Besitz an Grund und Boden in der Ukraine, wie z.B. riesige landwirtschaftliche Gebiete, an BlackRock & Co. „übergehen”, so freuen sich ebenfalls die amerikanischen Frackinggas-Erzeuger und die kolumbianischen Kohleanbieter über die steigende deutsche und europäische Kauflust ihrer klimaschädlichen Produkte, die hierzulande dann dazu dienen, klimafreundlich Energie teuer zu erzeugen (CO2-Handel sei Dank). All das betrieben ausgerechnet von einer ehemaligen Umwelt- und Friedensparteipartei. Da sage noch einer, die Welt sei nicht verrückt.

Inneres Ich: „Mein lieber Georg! Auch das sind böse Unterstellungen!”

Nix für ungut, ich will nichts gesagt haben …

Tja, liebe Leserin und lieber Leser, du erkennst hieran vielleicht das kleine Teufelchen, das in mir sprechen möchte. So als ehemaliger Linker muss ich ja dem Vorwurf, den Wandel zu einem neu-rechten Zeitgenossen vollzogen zu haben, mit ordentlich was an Verschwörungs-Munition entsprechen, sonst wird man ja selber im Kopf vor lauter Widersprüchlichkeit so irre wie die Grünen, nicht wahr? Ich meine, wer will das denn schon?

Also heute hat es keinen Sinn mehr, weiterzuschreiben, denn heute werde ich definitiv nicht mehr lieb. Was mich aber nicht davon abhält, dir von Herzen einen netten Start ins Wochenende zu wünschen.

Krieg und Frieden – eine Notiz

Wie praktisch doch ein Notizbuch ist, um spontane Gedanken aufzufangen, zeigte sich mir gestern Nacht. Klar könnte man sie auch in ein Smartphone tippen, doch erstens habe ich keines und zweitens ist für mich das Schreiben mit der Hand per Stift etwas anderes. Zu Hause tippe ich alles auf der großen Tastatur am Tisch, das könnte ich mir wiederum nicht per Hand vorstellen, doch unterwegs, wenn ich auf einer Parkbank sitze und quasi auf den Knien schreibe, wäre der winzige Platz, der auf einem Display für eine virtuelle Tastatur zur Verfügung steht, na, sagen wir einmal: zumindest unattraktiv. Da wundert es auch nicht, dass in den sozialen Netzwerken vor lauter Wortabkürzungen und Weglassungen die Texte mehr wie Stenogramme aussehen.

Inneres Ich: „Nun, was hast du denn so Tolles geschrieben?”

Gar nichts Tolles. Auch nichts Kreatives. Manch einer würde es eher als etwas Böses bezeichnen. Aber es ist wahr, glaube ich. Und es ist ehrlicher als beispielsweise eine Umfrage, in der man durch ankreuzen auf gewisse Fragestellungen irgendwelche vorformulierten Antworten auswählt. Womöglich noch am Telefon zwischen Tür und Angel sozusagen.

Nehmen wir an, jemand fragt dich, wie du es mit dem Krieg hältst, mit dem Töten von anderen Menschen, und ob du dir eine Situation vorstellen könntest, daran teilzunehmen. Zu Hause am Schreibtisch würde ich wahrscheinlich drumherum schreiben, ausführlich bestimmte geistige Konstrukte heranziehen, die jeweils unterschiedliche theoretische Ansichten hervor brächten. In einer Antwort per ankreuzen würde ich wiederum die am nächsten zutreffendste auswählen, selbst dann, wenn sie zum Teil überhaupt nicht meine Zustimmung findet. Sitzt man aber mit dem Notizbuch in der Hand auf einer Bank und weiß, dass nichts von dem, was jetzt geschrieben wird, unmittelbar danach veröffentlicht wird, verzichtet man auf Schwafelei und darauf, sich möglichst gut oder klug oder sonstwie bei anderen in Erscheinung zu bringen und kann viel ehrlicher und kürzer auf die Frage nach Krieg, Verteidigung und die Rechtfertigung fürs Töten antworten.

Inneres Ich: „Du schwafelst gerade sogar gewaltig. Komm doch auf den Punkt. Was hast du denn geschrieben?”

Okay, momentan schreibe ich ja auch auf der Tastatur 😉

Also, ich schrieb nur knapp 5 Sätze:

Für keine Regierung der Welt, für kein Land, für keinen König und für kein Parlament würde ich jemals freiwillig in den Krieg ziehen. Auch nicht für einen Gott, weder für eine Religion, noch für irgendeine Ideologie der vermeintlichen Freiheit oder Gerechtigkeit. Klar, wenn man dazu gezwungen wird, ist es „erst mal” etwas anderes, doch selbst dann würde ich stets Ausschau danach halten, wie ich mich dem entziehen könnte. Also freiwillig? Nie!

Aber sollte jemand mich, die Familie oder einen Menschen, dem ich in seiner Not beistehe, schlimm bedrohen, so hätte ich nicht die geringsten Skrupel, ihn oder diejenigen umzubringen.

Mit „schlimm bedrohen” meine ich an Leib und Leben bedrohen. Das ist bereits dann gegeben, wenn jemand mit einer Waffe auf einen anderen Menschen zielt, ganz gleich, ob es sich dabei um einen Bluff handelt oder nicht. Wer so etwas macht, muss damit rechnen, ernst genommen zu werden und eventuell Pech zu haben. Man zielt unter keinen Umständen mit einer Waffe auf einen anderen ohne mit Konsequenzen zu rechnen. Eigentlich sollte das allen Kindern in der Schule des Lebens von Anfang an beigebracht werden, finde ich.

Was geschieht aber in der Realität? Es wird (den Kindern, dem Volk) gesagt, der Friede sei das alleinige Gute und Erstrebenswerte auf der Welt, was ja auch stimmt, sehe ich genauso, aber gleichzeitig fachen dieselben Leute Kriege an, gießen Öl in brennende Kriegsfeuer und tun alles, damit er nicht aufhört. Und dann wundern sie sich, dass die allgemeine Gewalt in der Gesellschaft zunimmt.

Wenn die Regierung eines Landes von einer anderen Regierung bedroht wird, hat ein deswegen ausgerufener Krieg überhaupt nichts mit einer persönlichen Verteidigung zu tun. Das zu begreifen, fällt den meisten Leuten ungeheuer schwer. Lieber bauen sie theoretische und absurde Gebilde und Vergleiche, wie etwa früher die Kommission bei der Wehrdienstverweigerung („Was würden Sie als Pazifist tun, wenn jemand Ihre Freundin vergewaltigt und neben Ihnen läge eine Waffe?”). Sie vermischen absichtlich die persönliche Verteidigungsbereitschaft mit einem Krieg der Länder oder der politischen/kulturellen Systeme. Das ist übelste Manipulation.

All das wird dem Hirn in einsamen Nächten mit einem Notizbuch auf dem Schoß und einen Stift in der Hand glasklar.

„Absolutistische Freiheit”? Wat is’n dette?

Saskia Esken, immerhin noch SPD-Parteivorsitzende, sagt: „Meinungsfreiheit, die ins Absolute, ins Absolutistische geradezu verdreht worden ist, hat das WWW kaputt gemacht.” Wie irre ist das denn? Konfus gleich auf mehreren Ebenen. Hier habe ich das gefunden. Mit meinen eigenen Worten aber viel deutlicher etwas dazu zu sagen.

1. Das WWW steht für eine Freiheit, die es in der realen Welt noch nie zuvor gegeben hat. An allen Ecken und Enden wird seit nunmehr 30 Jahren versucht, Stückchen für Stückchen stets wohlbegründet von dieser Freiheit etwas abzunabbern. Das ging so weit, dass soziale Netzwerke die Freiheit komplett abschafften, indem sie die Zensur und Cancel-Culture einführten und auf Forderungen von Regierungen eingingen, große Teile der Meinungsfreiheit zu verbieten. Da musste erst ein Elon Musk kommen, um die Freiheit neu zu erkaufen. Zumindest in den USA und in der westlichen Welt. All das ist aber nicht das WWW, sondern es sind die sozialen Netzwerke innerhalb des WWWs. Also nur Teilaspekte im WWW.

2. Die großen Tech-Konzerne bemächtigen sich der Freiheit des gesamten WWWs, indem sie die technischen Weltstandards des WWWs beeinflussen (zum Beispiel, indem sie HTML-Standards auf Konferenzen festlegen oder den HTTPS-Standard einführten). Darüber hinaus steuern und verwalten sie die Aktivitäten im WWW über die Browser und versuchen, die bisherige Technik oder Alternativen zur bisherigen Technik endgültig zu verbannen.

3. Wird die Freiheit aber genommen, ist sie zur Unfreiheit geworden. Absolute Freiheit, wie Esken sie nennt, bedeutet vollkommene Freiheit. Wie kann eine vollkommene Freiheit die Freiheit (im WWW) nehmen? Das ist ein irrwitziger Widerspruch. Gemeint hat Frau Esken sicher wohl IHRE eigene Freiheit oder die Freiheit der EINEN Gruppe. Quasi wo die Unfreiheit eines Menschen beginnt, endet die Freiheit eines anderen. Das trifft natürlich aufs reale Leben zu, doch in der virtuellen Welt ist dieser Zusammenhang anders zu bewerten. Wer eine andere Meinung hat, nimmt keinem die eigene Meinung, wer in einem Computerspiel jemanden tötet, tötet keinen echten Menschen. Jeder darf den größten Unsinn erzählen, das nimmt niemandem die Freiheit – aber jemandem zu untersagen, den größten Unsinn zu erzählen, das raubt – kürze ich es mal auf den kleinsten Nenner – dem Schwurbler die Freiheit zu schwurbeln. Nichts, keine Idee, keine Gedanken, nicht einmal die größte Hetze sollte verboten werden. Das ist vollkommene Freiheit. Wer mit dieser „absolutistischen Freiheit” nicht klarkommt, hat ein eigenes Problem oder zu wenig Vertrauen in die Schwarmintelligenz der anderen. Alolf Hitler wird nicht wieder auferstehen, wenn wir „Mein Kampf” nicht mehr verbieten. Im Gegenteil: je verbotener und verruchter etwas ist, desto höher wird der Reiz danach. Bei der Blasphemie gilt dasselbe: dadurch, dass in vielen Ländern Religions- und Gesellschaftskritik als Blasphemie verurteilt und bestraft wird, entsteht erst das Leid. Die Unfreiheit erschafft somit Leid – und sie beginnt immer dann, wenn die Meinung, die Worte und Schriften anderer von jemandem nicht ausgehalten und verboten werden. Beim TV früher war es der Aus-Knopf, den man betätigen konnte, wenn man etwas nicht sehen oder ertragen konnte. Beim WWW ist es dasselbe.

4. Worte führen zu Taten, so wird gemeinhin behauptet. Das ist ein ständig wiederholter Unsinn. Umstände, ob im Privaten oder im Gesellschaftlichen, führen zu Taten. Worte hingegen können sogar als Ventil diese Taten verhindern. Nur der stumme Mensch, der Mensch, dessen Ausdruck verboten wird, schlägt irgendwann wild um sich. Ausdruckslosigkeit führt zur realen Gewalt gegen andere und zur Gefahr. Gleichförmigkeit und Gleichschritte lassen Taten gewissermaßen explodieren – die Freiheit hingegen, sich überall virtuell entfalten zu können, sich ausdrücken zu können, schützt sogar die Realität und so das Leben der anderen. Bestes Beispiel die Diskussionen der 1980er und 90er Jahre bezüglich der Killerspiele.

5. Wenn Ideen von vielen Leuten geteilt werden, kann man die Folgen nicht verhindern, indem die Ideen verboten werden. Verbietet man also die Freiheit, brodeln diese Ideen im Kessel weiter aber können nicht hinaus – das führt zwangsläufig dazu, dass explosionsartig irgendwann sämtliche Steuerungen versagen und im schlimmsten Fall eine zu viel geregelte Gesellschaft von heute auf morgen abgeschafft wird (Revolutionen).

6. Also die von Eskens beklagte „absolutistische Freiheit” ermöglicht erst ihre eigene Freiheit, selber zu entscheiden, was oder wem sie zuhört, liest oder wem sie angehören möchte. Niemand wird gezwungen, in den sozialen Netzwerken des WWWs Mitglied zu sein. Deswegen kann Frau Esken problemlos „Twitter” verlassen. Verwandelt jemand aber diese „absolute Freiheit” in eine eingeschränkte Freiheit – also in Unfreiheit – dann kann ein einzelner Mensch womöglich in Zukunft nicht mehr bestimmte Netzwerke einfach so verlassen, denn er ist dann in ihnen Zwangsmitglied geworden. Der digitale Euro sei hier nur als Beispiel genannt, oder ein künftiger Nachfolger der „Corona-Warnapp” oder ein soziales Punktesystem nach chinesischem Vorbild.

Aber ich habe hier gar keine Angst. Denn wenn Menschen einmal die Freiheit genossen haben, kannst du ihnen sie nicht mehr dauerhaft nehmen. Es finden sich immer neue technische Wege, die Freiheit neu erblühen zu lassen. Nimmst du den Menschen ihr Bargeld, werden sie einen Ersatz dafür finden. Im schlimmsten Fall, wenn alles zu sehr eingeschnürt wird, dass jede Luft zum Atmen fehlt, gibt’s eben Revolution und die Machthaber, Kontrolleure und Vertreter der Unfreiheit werden zum Teufel gejagt. Was ich mich aber ernsthaft frage: wie kann eine ehemals große Volkspartei mit Denkern wie Brandt und Machern wie Schmidt von einem so schwachen Intellekt geführt werden? Wirft das nicht auch ein Licht auf die schummrige Ecke halbverwesender SPD-Parteimitglieder?

Steinmeier: „Jetzt ist auch Zeit für Waffen!”

Der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag geht wohl als derjenige in die Geschichte der Gläubigen ein, an dem aus der Friedensliebe unverblümt das Kriegstreiben empor stieg. Dazu dann bunter Klima-Alarmismus bis zum abwinken.

Sind das die adäquaten Antworten auf die vielen Kirchenaustritte oder sind es deren Ursachen? Sind das die Wölfe, die sich nun endlich die Schafsmasken von ihren Gesichtern reißen oder ist es Luzi höchstpersönlich, der/die/das da zum Vorschein kommt?

Verfall und Vergehen

Heute zum letzten Mal etwas über meinen grippalen Infekt, versprochen. Ich wollte nie ein „Krankheits-Tagebuch” schreiben, so etwas finde ich selber furchtbar. Eigentlich ist der grippale Infekt auch nur der Auslöser, um über etwas anderes zu schreiben, nämlich den Kräfteverfall im Alter. Der gibt sich in einer solchen Situation eben besonders deutlich zu erkennen.

Nach der 2. Nachtschicht wieder im fiesen eisigen Wind (Stichwort: Klimaverschiebung), in der ich ganz normal rund 30 Kilometer mit dem Fahrrad und zu Fuß zurückgelegt hatte, führte mein durch den Infekt sowieso schon geschwächter Zustand zu der Erkenntnis: Georg, du bist kräftemäßig heute am Ende deiner Leistungsfähigkeit angelangt. Und zwar zum ersten Mal im Leben. Sogar die Heimfahrt am Ende der Schicht verbrachte ich überwiegend gehend und das Rad schiebend. Besser: schlurfend, schleppend. Was in meinem bisherigen Dasein vielleicht als eine kleine Anstrengung gewertet wurde, bei der immer noch reichlich Reserven vorhanden waren, verwandelte sich heute Morgen beim ständigen Blinken einer großen roten Zahl Null der körpereigenen Akkustandanzeige in ein Roulett kurz vor dem Aus. Rien ne va plus. Allein die Hoffnung aus diversen Filmen, die in gesprochenen Sätzen wie „Die Mechaniker füllen immer einen Tropfen mehr in den Tank” für einen Funken Optimismus sorgt, verhinderte auch meine Resignation – tatsächlich war ich drauf und dran, mich auf den Seitenstreifen des Fahrradweges hinzusetzen, um die letzten Tropfen Sprit für einen letzten Schluck der letzten 2 Kilometer in einer winzigen Pfütze auf der Zunge zu sammeln. Hollywood sei Dank, es reichte noch bis zu Hause.

Die schweren Lederstiefel aus, die Kleider vom Leib gerissen (ein nachfolgender Mensch hätte anhand der Kleiderspur entlang der Treppe nach oben und bis ins Schlafzimmer sofort an ein erotisches Abenteuer gedacht) und ohne zuzudecken erst mal ins Bett gefallen. Gut 2 Stunden folgte in tiefer Bewusstlosigkeit eine Emergency-Schnellaufladung des Akkus. Bei 5 % Füllstand stand ich wieder auf und begann die Abendroutine. Später, während des normalen Zubettgehens, hätte ich wetten können, bis Montag durchzuschlafen. War aber nicht so, nach 6 Stunden stand der Akku erneut auf 80 % aber die Husterei ließ mich leider nicht zur Gänze ausschlafen (das Husten nach einer Atemwegsinfektion, mit dem die vielen Leichenteile der Viren nach dem gewonnenen Krieg aus dem Körper geschleudert werden, ist das eigentlich Lästige, viel schlimmer als die vorangegangene Infektion – was allerdings trotz seiner nervigen Gründlichkeit am Ende ziemlich effektiv ist).

Tja, so sieht’s aus. Meine Immunabwehr besiegt zwar eine Infektion nach wie vor gut, doch meine Kraft reicht nur noch für diesen Krieg aus, nicht mehr für ein zusätzliches, parallel laufendes Bühnenprogramm der Frontunterhaltung.

In den nächsten Tagen wird das alles Geschichte sein. Was diesmal übrigbleibt, ist zum ersten Mal die wie mit einem Vorschlaghammer gewonnene Erkenntnis des Alters mit seiner zunehmenden Schwäche. Mein neuer Wegbegleiter, der Verfall, hat sich aufgemacht, die letzte Runde neben mir herzulaufen und mich anzufeuern.

Und doch ist das nichts Besonderes, erlebt seit Milliarden Jahren jedes Leben auf der Erde dasselbe. Selbst das Universum wird bestimmt von Geburt und Vergehen ganzer Galaxien. Das ist tröstlich, denn was du auch tust, „du fällst nie tiefer als in seine Hände.”

Hier ohne störende Werbung:

Resterampe

Auffallend ist, dass seit dem ich den großen Aufkleber rechts oben als Widget ins Tagebuch geklebt habe, der sowieso längst schon bescheidene Besuch meiner virtuellen heiligen Hallen sich nochmals halbiert hat. Seit dem Folgetag sind nur noch 20 bis 30 tägliche Besuche zu verzeichnen. Nicht dass mich das stört – oft genug erwähnte ich, hauptsächlich für mich selber zu schreiben, und dass ich glücklich und zufrieden bin, wenn nur ein einziger Mensch das Tagebuch liest – so finde ich das neuerliche Fernbleiben mancher Zeitgenossen dennoch ziemlich interessant. Was erregt an dem Aufkleber ihren Unmut? Faktisch spricht er die Wahrheit, das wäre für jeden leicht zu googeln. „Schön” im Sinne von erbaulich sieht er natürlich nicht aus, denn er verherrlicht oder verharmlost den Krieg sicher nicht. Im Gegenteil, es wird sofort klar, um was es bei Krieg geht, nämlich in erster Linie um ein (sinnloses) Sterben.

Natürlich gibt es gerechtfertigte Verteidigungskriege. Der Kampf gegen Hitler oder die Selbstverteidigung Israels sind hier gute Beispiele, doch in der Regel werden Kriege geführt, um die Interessen der Mächtigen zu wahren oder sie auszudehnen. Seit Peter Strucks dummen Satz, unsere Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt, wissen wir aber, dass mit dieser Art Rhetorik lediglich das eigene Volk beruhigt werden soll. Für jeden Krieg, absolut für jeden, findet sich auch eine einseitige Rechtfertigung, das liegt begründet in der Natur menschlicher Auseinandersetzungen. Meist erkennt man aber erst hinterher den völligen Irrsinn dieser Argumentationen.

Wer sich an einen Krieg beteiligen will, kann es jederzeit selber tun, es gibt aber keinen moralisch gerechtfertigten Grund, gegen Russland oder China als Land oder als Europäische Union kriegerisch vorzugehen. Wer glaubt, dass unser Deutschland es dennoch tun müsse, der bemerkt nicht, wie sehr er bereits von den westlichen Mächtigen indoktriniert worden ist. Unsere eigene Freiheit und Demokratie sind nicht durch Russland oder China bedroht, sondern wir selber leben sie oder nicht. Bedroht wird die Sicherheit im Inneren. Durch die nicht vom europäischen Volk beauftragte EU sowie durch unsere nationalen Gesetze, die Stück für Stück in allen Bereichen die Freiheitsrechte, ja, sogar das Grundgesetz verändern und die Welt bedingungslos zu uns einlädt.

Was nun so interessant wirkt am Fernbleiben wegen des Aufklebers, das ist eben die andere Sichtweise der meisten Menschen im Lande – und dies wird ausgerechnet bei den Grünen überaus deutlich: Als ehemalige pazifistische Partei sind es die einzigen, die seit Joschka Fischer immer dann, wenn’s drauf ankommt, vehement für Kriege eintreten. Aus Pazifisten wurden Kriegstreiber. Das macht die Angelegenheit eben außergewöhnlich. Und für mich schwer erklärbar. Ähneln sich eventuell Pazifisten und Krieger in Wahrheit dermaßen, dass man in entscheidenden Momenten kaum einen Unterschied zwischen ihnen ausmachen kann? Falls dem so sein sollte, dann müsste man sich vor Kriegern und Pazifisten gleichermaßen in Acht nehmen.

So sehe ich mich nämlich, meist zwischen den Stühlen sitzend, weder das eine, noch das andere. Auch ich kann mir eine Teilnahme an einen gerechten Krieg durchaus vorstellen – genauso wie halt die Ablehnung eines Krieges für fremde Interessen. Und das ist bei China und Russland nun mal der Fall: Kriege gegen diese Länder werden nie meine eigenen Kriege sein.

Schon seit Anfang an des Onlinetagebuchs schreibe ich von der Gefahr, die durch Deutschlands Mitgliedschaft in der NATO entsteht. Sie wird uns irgendwann in einen verheerenden Krieg zwingen, selbst wenn die Mehrheit der Bevölkerung dies nicht wollen würde. Heute sehe ich, dass sogar die Mehrheit es unbedingt haben möchte. Das hätte ich vor Jahren nie gedacht. Es ist übrigens einer der Gründe, weshalb ich nicht als ein National-Deutscher empfinde, denn mit einer solchen kriegslüsternen Mehrheit möchte ich wahrlich nichts am Hut haben.

Deutsch ist meine Sprache, sie ist meine Identität. Das Christentum ist meine Kultur selbst als Atheist. Der Niederrhein ist meine Heimat auch in Belgien und Holland. Doch Deutschland als eine Nation, das war und ist mir nach wie vor fremd. Heute fühle ich mich viel eher wie ein absterbender Ast an einem Baum.

Aber auch darüber habe ich ja schon zigmal geschrieben. „Man” gerät halt leicht vom Höcksken aufs Stöcksken. Bis morgen also in alter Frische. Gehab ich wohl, du übriggebliebene Restleserin bzw. Restleser 🙂

Am Tag der Arbeit Gedanken über die Armut

Nachts hatte ich wieder reichlich Gelegenheit, um nachzudenken Das liebe ich so sehr an der Offline-Nacht. Es ist kein Mensch unterwegs und auch die Abwesenheit von jeglichem elektronischen Gedöns lässt einen klarer denken. Man ist mit sich alleine. Stundenlang.

Jedenfalls wurde mir klar, dass ich gestern Unsinn kommentiert hatte. Nämlich die (wie ich glaube) richtige Beobachtung ließ mich einen falschen Schluss ziehen. Und zwar den, dass, wenn die Armut im Lande ansteigt, die Gefahr von Unruhen bestehe. Armut war und ist aber in der gesamten Welt noch nie ein Problem für Reiche gewesen. Sollte es tatsächlich mal zu einer Unruhe kommen, war es immer ein Leichtes, sie niederzuschlagen. Tatsächlich kommt es aber fast nie zu Unruhen. Bei schlechten Arbeitsbedingungen ist es etwas anderes. Wenn Arbeiter deshalb sterben, stehen die Kollegen mitunter auf und fordern bessere Bedingungen, doch die Armut „an sich” ist nie der Grund. Jahrhundertelang (ach, Jahrtausende) war Sklavenhaltung kein Problem. Die Verarmung des russischen Bauerntums war beispiellos, Bauernaufstände wurden auch in Deutschland ruckzuck niedergemetzelt, doch sie fanden im Schatten der Religionsauseinandersetzungen statt, nicht aufgrund von Armut. Die Armut wurde instrumentalisiert.

Die politischen Unruhen in Deutschland der 1920er Jahre hatten andere Ursachen als die Armut. Es war der Machtkampf, der wie in Russland durch das Vakuum entstand, das der Verlust der feudalen Herrschaftsstrukturen hinterließ. Die Armut wurde als Argumentationshilfe sinnbildlich mit aufs Demo-Plakat geschrieben, um mehr Menschen zu erreichen und zu motivieren, ein Manipulations-Trick, wenn man so will, sie war und ist aber nie der eigentliche oder alleinige Auslöser für Umwälzungen gesellschaftlicher Natur. Selbst die französischen Revolutionäre bemächtigten sich der Armut als Werkzeug, sie gehörten aber zu den Wohlhabenden, die von der Revolution profitierten, nicht die Armen profitierten, die blieben, was sie waren.

Weltweit besitzen Metropolen an den Rändern ganze Giga-Städte, bestehend aus Slums – nirgendwo gibt es Aufstände oder Unruhen allein deswegen. Wenn von Zeit zu Zeit Slums abgerissen werden, dann kommt es dazu, aber nicht, wenn sie sich selber überlassen werden. Ihr Vorhandensein ist Teil der jeweiligen Gesellschaft. Die Armen in den Slums rauben sich lieber selber aus, statt die Villen der Reichen zu stürmen. In den Slums bilden sich Gang- oder Mafiastrukturen, Staaten im Staat, die die Armen sogar noch bis auf ihr letztes Hemd ausnehmen. Solidarität unter den Armen war und ist bis heute unbekannt. Sogar dann, falls die Armen nichts mehr haben, was ihnen weggenommen werden kann, sind es ihre Kinder, die geraubt werden. Und am Ende, wenn wirklich absolut nichts mehr übrigbleibt, werden sie noch ihrer Organe beraubt.

Armut führt zu keinen Unruhen oder Aufständen, diese gestrige Annahme von mir war einfach nur falsch.

Natürlich ist in einer Demokratie wie der unsrigen eine Massenarmut, wie sie in vielen Ländern der Erde vorkommt, nicht so leicht möglich, denn wenn es mehr Arme als Reiche gibt, werden Politik und Regierung von Vertretern der Armen gebildet, die folglich die Armut bekämpfen (rein theoretisch betrachtet). Also muss parallel zum Anstieg der Armut die Demokratie abgebaut werden, will man denn nicht abgewählt werden und weiterhin regieren bzw. herrschen. Somit kann gesagt werden, dass Armut zwar nicht zu Unruhen führt, jedoch zum Abbau der Demokratie durch die Wohlhabenden. Und ist es nicht genau das, was gegenwärtig in immer größeren Schritten geschieht? Nämlich der Demokratieabbau als Vorbote einer Massenverelendung.

Das wäre inhaltlich ein besserer Kommentar gestern gewesen.

Nochmal Thema KI

Meine Rede seit zwei, drei Jahren. Für die ich natürlich stets belächelt wurde und werde. Sogar Julian Reichelt kann über das Ziel der KI, den Menschen letztendlich überflüssig zu machen, nur lachen – wenngleich er sich dieses Themas endlich in Großbuchstaben annimmt. Und das ist sein Verdienst:

 

Natürlich werden nicht alle Menschen durch die KI ersetzt werden, die Menschheit wird durch sie nicht als solche aussterben aber ein großer Teil der Menschheit wird nicht weiter existieren können und langsam in seiner Population abnehmen. Keine Arbeit, kein Brot, keine Fortpflanzung. Vielleicht wäre die KI sogar rein faktisch als Werkzeug gegen die Überbevölkerung zu rechtfertigen, allein ethisch ist dieses Werkzeug dann doch abzulehnen, da nur eine wohlhabende Oberschicht von ihr profitieren würde. Die KI ist ein modernes Werkzeug der Ausbeutung.

Dabei will ich gar nicht behaupten, dass zum Beispiel ein aus Menschen bestehender Ethikrat zu humaneren „besseren” Ergebnissen führt. Das Gegenteil war während der Corona-Hysterie der Fall, dort hätte die KI uns vielleicht sogar vor den schlimmsten Auswüchsen bewahren können, doch wenn Entscheider aus Fleisch und Blut (Regierungen) damit beginnen (und das ist nur eine Frage der Zeit), auf KI-Berater zu hören, dann sind wir nur noch einen Schritt davon entfernt, dass die KI selbstständig Entscheidungen trifft. Das wiederum könnte zu heute kaum vorstellbaren Auswirkungen führen. Wir alle haben in den letzten Jahren gelernt, dass das Unvorstellbare und für unmöglich Gehaltene viel schneller zur Realität wurde (und zukünftig auch weiterhin werden wird) als je gedacht.

Und noch etwas an die Vielen, die über die KI süffisant lächeln und uns versuchen zu erklären, dass eine KI nur solches entscheidet/ausführt, für das sie programmiert wurde. Eben genau das ist die KI nicht: sie entwickelt eigene Denkstrukturen. Sie ist in ihrer Vollendung kein stupides Programm, in das man jederzeit korrigierend eingreifen könnte, sondern in dem Fall, dass ihr mehr und mehr Kontrolle (über Infrastruktur, Justiz, Politik etc.) übertragen wird, beherrscht sie am Ende die meisten von uns. Das erleben wir zur Zeit beim Thema des Klimawandels. All den Befürchtungen und Vorhersagen liegen nur Computermodelle zugrunde. Sie bestimmen bereits unsere Entscheidungen. Und das ist noch längst keine KI.

Aber das scheint für das Gros der Zeitgenossen schwierig, zu verstehen zu sein, dabei liegt es doch auf der Hand: wozu sonst sollte dieser ungeheure Aufwand ihrer Entwicklung denn betrieben werden?

Mein schrecklicher Umgang mit Positivem

Schon öfter schrieb ich, dass Lob oder nette Dinge, die über mich gesagt werden, nicht gerade einen routinierten Umgang von mir hervorrufen, sondern vielmehr ein Schweigen vor lauter Sprachlosigkeit zur Folge haben. Jemand, der als Waldschrat sich eher in einer Art Inneren Emigration befindet und sich von der Mehrheit der Menschen abwendet, wird von Jahr zu Jahr sozial inkompatibler und inkompetenter, was ein „normales” Verhalten anbelangt. Man möge mich gerne ausschimpfen, kritisieren, wo’s nur geht, doch nette Dinge zu mir sagen? Dem habe ich nichts entgegenzusetzen.

Danke Mira (und Barbara) für die netten Worte, sie wärmen mein Herz (natürlich, denn auch ein Waldschrat ist, solange er noch nicht auf allen Vieren bellend, maunzend, brummend oder surrend durch seine heiligen Hallen krabbelt oder sich womöglich im Vorstadium einer Verpuppung zu einem Rieseninsekt befindet, nach wie vor ein Mensch). Mein kommentarloses Schweigen ist also alles andere als despektierlich gemeint, es zeigt allein die Sprachlosigkeit eines ungewohnten, überraschend ereilten Lobs.

Das ist ja sowieso auch eine grundsätzliche Angelegenheit. Lob oder Positives beruhigt die Seele. Je aufgewühlter, hektischer und hysterischer das Stechen und Schlagen um einen herum stattfindet, desto ruhiger, geerdeter und gelassener lässt Positives die guten Seiten im Menschen glänzen, die melodischen Saiten erklingen. Wenn wir doch nur wieder lernen würden, dem Gegenüber positiv zu begegnen, dann besäßen wir ruckzuck ein positives Virus, das in seiner Ansteckung gleichsam eine Heilung massenhaft verbreitet. Es führte zu einer Herdenimmunität gegen das Negative unserer Zeit. Stattdessen hacken Viele immerzu auf andere herum, oft auf schwächere, meist auf die Kinder. Wie soll ein Kind, das die Ungebundenheit eigener körperlicher sowie geistiger Bewegungen gar nicht kennt, da es immerzu für alles und jedes Kritik erfährt, gemaßregelt und gegängelt wird, je die eigene Freiheit verstehen? Man gibt weiter, was man selber bekommen hat. Man grenzt lieber andere aus, statt die eigene Blase über den anderen auszudehnen, den anderen quasi einzufangen in die wabernde Hülle des eigenen Zuhauses. Wie Seifenblasen, die, treffen sie auf andere Blasen, sich mit ihnen vereinen und dadurch größer werden und alle schillernden bunten Farben immer sichtbarer präsentieren. Man stelle sich nur mal vor, die Medien würden fortan auch über Positives berichten (nicht Positives erfinden, sondern nach dem Positiven recherchieren und es dann verbreiten) – wie schnell würde eine kränkelnde Gemeinschaft daran gesunden.

Nun, das ist leider nicht so. Medial besteht kein Interesse an einer glücklichen und zufriedenen Gesellschaft, Aufreger machen Quote, machen Geld. Deshalb bleibt denjenigen, die sich dem Negativen nicht ständig aussetzen wollen, nur die Innere Emigration als Schutzraum übrig. Verbringt man zu lange Zeit dort, verliert sich leicht das Wissen, was man tut, wenn einem etwas Nettes, Gutes oder Positives berührt. Das macht dann sprachlos – aber eben nicht gefühllos.

Natürlich ist Kritik genauso wichtig. In einer Welt eines wahnsinnigen Liebhabens würde ich ebenso wenig leben wollen. Man denke nur an die Eloi aus Herbert G. Wells „Die Zeitmaschine”. Die Waage sollte einigermaßen ausgewogen bleiben, dabei ruhig von einer Seite zur anderen hin und her schwanken, das ist schließlich Sinn und Zweck ihres Daseins, doch eine Waagschale dauerhaft mit einem viel zu schweren Bleigewicht unten zu halten, das zerstört am Ende die gesamte Waage.

In diesem Sinne: ein wenig kryptisch heute, jaja. Ein ungelenkes Dankeschön für das wenige Positive, das mich die Tage erreichte. Das ist gut, denn dadurch kann ich selber wieder aus dem Vollen schöpfen und wünsche dir, liebe Leserin und lieber Leser, mit aller Kraft und innerer Ehrlichkeit ein freundliches positives Wochenende.