Endlich bin ich mal in einer Sache ganz anderer Meinung als Rika 🙂 Ja, es geht ums leidige Thema der Wehrpflicht bzw. allgemein um die Wehrhaftigkeit bei einer Bedrohung. Dazu möchte ich heute doch leidenschaftlich – und ja, auch polemisch – gegenrufen.
Jeder einzelne muss sich am Ende des Tages die Frage stellen, wofür er bereit ist, im Äußersten zu gehen. Also wenn sein Leben, sein Besitz, die Freiheit, die Freunde, die Gesellschaft oder das Land bedroht werden. Natürlich wäre auch ich als Pazifist bereit, mich zu wehren, wenn mir jemand persönlich an die Wäsche will. Und auch meine Familie und Freunde würde ich selbstredend verteidigen, gar keine Frage. Lebte ich in Israel, würde ich widerspruchslos meinen Wehrdienst abhalten – doch für den deutschen Staat, in dem ich lebe, oder für die EU, die ganz ohne Krieg den Menschen Freiheit, Geld und Wohlstand raubt – also für Friedrich Merz, von der Leyen und für diese durch und durch korrupten Gestalten? Niemals!
Wir reden in der Öffentlichkeit doch ständig darüber, in Deutschland eine Gewaltenteilung zu haben. Sogar zur Selbstverteidigung darf man sich persönlich nicht bewaffnen, da das Gewaltmonopol einzig und alleine beim Staat liegt. Die Polizei ist für unseren Schutz im Inneren zuständig. Und genauso sollte es auch im Äußeren sein. Polizei im Inneren, eine Berufsarmee im Äußeren für den Verteidigungsfall. Ist meine persönliche Verteidigung (oder die meiner Familie) weniger wert, als die der Politiker? Warum müssen für deren Verteidigung alle kämpfen und selbst ich darf dann sogar die schlimmsten Waffen benutzen? Warum dürfen allein sie, die kompetenten Hansel im Parlament, einen Krieg ausrufen, nicht aber das Volk per Volksentscheid? Irgendwie stimmt da etwas mit der Logik nicht so ganz. Naja, ich höre schon, parlamentarische Demokratie und so weiter. Geschenkt. Nächster Punkt:
Absurd sind auch jene Gedankenspiele, die mir zum Beispiel die Kommission der Bundeswehr bereits als ein 17-jähriger Schnösel dargeboten hatte, nämlich was ich denn tun würde, wenn jemand meine Freundin vergewaltigen würde und ich in meinen Händen eine Waffe hielte. Wer damals der Benutzung der Waffe zur Verteidigung der Freundin zugestimmt hatte („den mach ich alle!”), dem wurde sofort die Verweigerung des Wehrdienstes aus Gewissensgründen aberkannt, da ja grundsätzlich die Bereitschaft für eine gewalttätige Verteidigung vorhanden sei. Das ist ein altbekanntes Problem mit der Scheinlogik: Der persönlichen Wehrhaftigkeit wird mit schrägen Beispielen eine abstrakte gegenübergestellt.
Man sollte annehmen, vor diesen Scheinlogiken heute bewahrt zu sein, doch Pustekuchen: Schon wieder werden Beispiele herangezogen, die rein gar nichts mit den persönlichen Umständen zu tun haben. Diesmal ist es statt der Freundin, die Ukraine. Es wird gefragt, ob du dich dem Russen auslieferst, wenn er morgen kommt, ob du dich ihm bedingungslos unterwerfen würdest, wenn er deinen Besitz wegnimmt und allen Leuten die Freiheit raubt. Tja, der Überfall der Russen auf die Ukraine hatte aber eine Menge andere Gründe, denn zum Ausrauben braucht heute keiner mehr einen physischen Krieg, das geht viel eleganter. Ob die Ukrainer überhaupt wissen, dass fast der gesamte Landbesitz in der Ukraine mittlerweile in ausländischer Hand ist? Dass die Bodenschätze, die sich noch unerschlossen tief in der Erde befinden, längst verkauft wurden?
Viel eher, wenn wir schon unbedingt moralisch argumentieren müssen, würde der Ukraine-Krieg als Beispiel für eine Wehrhaftigkeit aus der umgekehrten Blickrichtung plausibel. „Der Russe” seinerseits fühlte und fühlt sich durch das Handeln der Ukraine (NATO-Osterweiterung) bedroht und sieht den Krieg eben als Verteidigung Russlands. Jaja, der eine sieht es so, der andere andersherum und wieder einem ist es eh egal, was außerhalb Deutschlands die Länder miteinander so treiben.
Wäre die Ukraine in der NATO gewesen, dann hätte die Bundeswehr in deren Krieg ziehen müssen. So dicht stehen wir vor der Teilnahme an einem Krieg, der uns nichts angeht. Weder wurde am Hindukusch unsere Demokratie verteidigt (Peter Struck, Gott hab ihn selig), noch in der Ukraine die Freiheit. Die NATO wird derzeit Land um Land erweitert, womit die Chance ins Unermessliche steigt, in einen fremden Konflikt hineingezogen zu werden. Glaubst du nicht? Ich übertreibe? Unsere „glorreiche” Marine übt bereits in der Straße von Taiwan, wie es sich so kämpft innerhalb der NATO. Was hat die NATO mit dem taiwanesisch-chinesischen Konflikt zu tun?, fragst du vielleicht. Kann ich dir auch nicht sagen, aber die Bundeswehr ist dagewesen und hat unter Führung der USA an einem NATO-Manöver teilgenommen. Was ist denn Sinn und Zweck von Kriegsübungen? Wie erklären wir denn das bitteschön dem 17-jährigen bei seiner Musterung? Vielleicht damit, dass er zukünftig eine asiatische Freundin haben wird, die jederzeit vergewaltigt werden könnte?
Bitte nicht missverstehen! Eine Bürgerwehr ist völlig in Ordnung. In Israel oder der Schweiz wissen die Leute, wofür sie ihren Wehrdienst ableisten und eventuell ihr Leben lassen. Wahrscheinlich ist das auch in anderen Ländern wie Ungarn, Polen etc. sehr ähnlich. Auch dort weiß man, dass die Eigenständigkeit verteidigt werden muss. Aber Deutschland? Ich bitte dich! Was, bis auf die deutsche Sprache, wäre am heutigen Deutschland überhaupt noch verteidigungswert? Und was dann so sehr, dass man sein eigenes und einziges von Gott geschenktes Leben dafür hergeben würde?