Nickerchen

Huch, da war ich doch glatt letzte Nacht auf dem Sofa eingeschlafen. Nur mal ebkes für ein paar Minuten hinlegen, so die Idee. 5 Stunden später tauchte ich aus einer erlebnislosen Zeitreise wieder auf. Du schaust auf die Uhr, sie zeigt 3 Uhr in der Nacht und im nächsten Augenblick ist die Uhr um 5 Stunden vorgesprungen. Schon irre, was?

Werteunion – die Stimme der Vernunft – mit Nachtrag

Morgen gründet die „Werteunion” ihre Partei. In Bonn, was deutlich zeigt, wo die Ausrichtung dieser konservativen neuen Partei liegt, nämlich als CDU der Bonner Republik zuletzt unter Kanzler Kohl.

Diese CDU war früher in meiner Jugend für mich nicht wählbar – heute im Alter (oh Wunder) hat sich durch die Lebenserfahrung und gewonnene Menschenkenntnis mein politisches Denken in vielen Dingen (aber nicht in allen) beinahe um 180 Grad gedreht, was allerdings auch nur dem ganz natürlichen geistigen Reifeprozess geschuldet ist. Was also nun? Für mich, ich kann nur von mir selber schreiben.

Noch vor wenigen Monaten existierte allein die AfD als echte Alternative zu den Blockparteien von Links-Grün bis zur CDU/CSU; plötzlich gibt es mit der Werteunion schon die 3. Alternative. Insgesamt stehen die AfD, das Bündnis Sahra Wagenknecht und eben diese neue Werteunion zur Verfügung. In allen Ländern Westeuropas war in den letzten Jahren ähnliches geschehen: die klassischen Links-Rechts-Parteien sind kaum noch vorhanden und neue Parteien, die dieses starre Denken ideologisierter Inhalte aufgebrochen haben, wurden gewählt. Hat sich dadurch etwas in der jeweiligen nationalen Politik verändert? Eigentlich nicht. So auch bei uns: wer heute CDU wählt, bekommt die Grünen. Die CDU hat zwar ihren alten Namen behalten, ist inhaltlich aber eine vollkommen neue Partei geworden, sie möchte eine Mischung aus Grüner Konservatismus sein, was nicht funktionieren kann – auch falls sie bei den nächsten Wahlen eine Mehrheit bekommt, so wird sie bei den übernächsten Wahlen als bedeutungslos verschwinden. Eben dann, wenn der unpolitische Mehrheitswähler erkennt, dass es mit ihr keine Änderung der Grünen Politik geben wird.

Bei der Werteunion sieht es allerdings anders aus, auch anders als in Europa. Sie vertritt keine neuen Misch-Werte aus Rot-Grün-Schwarz, ebenso keine pure wirtschaftsliberale Ausrichtung wie bei der AfD, sondern sie möchte eine Rückbesinnung auf christlich-soziale Werte der Bonner Republik erreichen. Eine Rückbesinnung auf Bewährtes bedeutet dabei aber nicht einen Rückschritt. Genauso wenig wie immer irrsinnigere linke Ideen einen Fortschritt bedeuten. Daher ist diese Werteunion ab morgen – für mich – die einzige wählbare Alternative zum ausufernden absurden Zeitgeist.

Man könnte es auch anders sagen, indem ich den Slogan des Radiosenders „Kontrafunk” ausleihe: Die Werteunion ist die Stimme der Vernunft.

Sicher werden mindestens 10 Jahre vergehen, bevor diese neue Partei aus der Opposition herauskommt. Bis dahin werden wir schlimme Verwerfungen im Lande erleben. Eine schnelle Änderung der Verhältnisse ist nicht möglich, da die Einsicht dafür erst bei allen Menschen wachsen muss. Leider geschieht dies nur durch ein Scheitern aller anderen Ideen. Ist einfach so, so ist der Mensch gestrickt. Ganz am Ende wird man sich auf altes Bewährtes zurückbesinnen und dann bekommt die Werteunion ihre Chance, und zwar eine von den meisten Menschen getragene Chance, das Land zu reparieren. Die Werteunion steht für eine Heilung der Gesellschaft – übrigens ganz ähnlich wie nach dem Krieg die CDU in Westdeutschland diese Aufgabe übernommen hatte.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto sicherer sehe ich meine politische Heimat in dieser neuen Partei.

Notabene: Jetzt wieder Arbeitspause. Bis Sonntag, gehab dich wohl.

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Nachtrag, 22.02.24: Schon zerlegt sich die neue Partei selber. Hier sehr gut zusammengefasst (ein Video). Schade, schade.

Banales

„Da sollse sägge Dä! Wie kann dat Perd mitte dicken Lippen flöten?” Nach den drei Maschinen gestern fand ich heute Morgen doch glatt noch einen Eimer Wäsche in der Dusche hinterm Vorhang (weißer 10-Liter-Eimer des ehemaligen Vogelfutters, die sind praktisch als Wäscheeimer). Also vier Maschinen, eine kommt noch hinzu. Aber erst nächste Woche. Wenn man das alles statistisch umrechnet, so bedeutet es eine Maschine pro Monat. Geht doch, nicht wahr? Da ich drinnen sowieso immer dasselbe anziehe – schwarzes T-Shirt, schwarzer Hoodie, schwarze mindestens eine Nummer zu große Schlabber-Jogginghose, also insgesamt ein prima ALDI-Outfit – und da ich bestimmt ein Dutzend dieser Garnituren besitze, kann man ja leicht hochrechnen, wie selten ein Waschtag nötig wird. Die abwechslungsreichere Kleidung für die Öffentlichkeit, Jeans, Cargohosen, Hemden und qualitativ hochwertigere Jacken, trage ich ja nur stundenweise, sind farblich variabel und bestehen ebenfalls aus mehr als einem Dutzend Garnituren, die noch dazu untereinander schön kombiniert werden können. Dafür bräuchte ich im Grunde genommen nur einmal im Jahr zu waschen. Abschließend fällt das Geplare mit dem jährlichen Wechsel der Bettwäsche (das ist ein Scherz. Ja, ist es das?) gar nicht erst ins Gewicht, denn wenn nicht waschen, dann wegwerfen und für 20 Euro neu kaufen. Ob nun Scherz oder nicht, du siehst, das Thema Waschtag ist  für mich aufgrund seiner Seltenheit eben eine erwähnenswerte Ausnahmeerscheinung. Wenn ich alle Jubeljahre eine Jeans oder ein Shirt etc. neu kaufe, dann eben nicht ein Exemplar, sondern es sind sind meist direkt 6 oder 12 oder gar 25 an der Zahl. Beim Einkauf also ziemlich teuer, beim Waschen günstig und in der Haltbarkeit enorm ausdauernd, was eine unschlagbare Gesamtrechnung bedeutet. Mode? Die interessiert mich nicht die Bohne, denn ich ziehe sowieso nur an, was mir und nur mir alleine gefällt.

Und schon habe ich wieder einen wichtigen, weltbewegenden Tagebucheintrag vollendet. Wie wär’s das nächste Mal zum Thema putzen? Nene, keine Bange, denn ich hasse putzen. Dazu würde ich ja nicht noch extra etwas schreiben, bin schließlich doch kein Masochist 🙂

Macht kaputt, was euch kaputt macht?

Achherrje, wegen des gestrigen Eintrags wurde ich mal wieder kritisiert. Leider nicht öffentlich. Das will ich – zwar übertrieben, so doch dem Tenor nach – zusammenfassen: Ich sei ein verbitterter, depressiver alter Mann, der mit den Veränderungen der Moderne nicht mehr zurechtkommt und nun die Apokalypse an die Wand male. Wir leben auf Kosten der Natur, zerstören die Erde, und wenn ich das nicht begreife, so müsse meinesgleichen halt dazu gezwungen werden. Die Welt gehe nicht unter, wenn wir gefälligst in weniger Wohlstand und klimaneutral leben würden. Und so weiter und so fort.

Also: Zum einen ist mir ja egal, was ich in den Augen anderer Leute bin oder nicht bin, zum anderen aber stört es mich schon, wenn meine Worte komplett missverstanden werden, wenn etwas verstanden wird, was nirgendwo geschrieben steht. Wenn ich von Zerstörung (also dem Kaputtmachen) schreibe, dann meine ich sicher nicht den Weltuntergang. Natürlich geht der Lebensalltag aller Menschen weiter, auch wenn um sie herum die Dinge sich verändern. Sogar in einem vollkommen zerstörten Land gibt es so etwas wie die tägliche Routine des Daseins. Sie gab es im Nachkriegsdeutschland, sie gibt es in der Ukraine oder in Syrien oder wo auch immer. In einer Diktatur leben die meisten Leute ihren Alltag nicht wesentlich unglücklicher als in einer Demokratie. Selbst staatliche Eingriffe in das private Leben werden hingenommen und man gewöhnt sich an sie. Das hat übrigens die Corona-Zeit anschaulich gezeigt: die meisten Leute ließen sich impfen, nicht der Gesundheit wegen, sondern um nach wie vor am beruflichen und öffentlichen Leben weiter teilhaben zu können. Ein Vorzeigen des Impfpasses z.B. beim Besuch einer Gaststätte, eines Kinos usw. wurde schlichtweg als neue Normalität verstanden. Ausgangssperren wurden murrend befolgt, der neue Alltag um diese Regeln herum eingerichtet. Wenn ich also schreibe, die Demokratie oder die Wirtschaft des Landes würden zerstört werden, so ist damit nicht gemeint, dass wir Morgen alle in einer Trümmerlandschaft leben und unter freiem Himmel oder in Höhlen von Ruinen hausen müssen – und sogar falls es so wäre, gäbe es auch dort eine tägliche Lebensroutine. Menschen sind gerade in schlimmen Notzeiten erfinderisch und solidarisch. Es gibt immer und unter beinahe allen Umständen Lachen und Weinen, Freude und Leid. Kinder werden erzogen, Bedürfnisse gestillt, Witze gerissen, sogar Kunst- und Kulturereignisse finden statt. Alles natürlich an die neuen Gegebenheiten in veränderter Form angepasst. Will sagen: es gibt Morgen kein Ende der Welt, egal, was wir tun oder lassen!

Ohne Rechtssicherheit erschaffen sich Menschen eigene neue Regeln. Sollte – rein theoretisch – ein staatliches Gebilde tatsächlich einmal verschwinden, ersatzlos, und ein Chaos bräche aus, dann würden wir binnen kürzester Zeit wieder zu Stämmen oder Gruppen werden, die ihre eigenen kleinen Staaten bilden inklusive aller erforderlichen Strukturen wie Richter und Polizisten, Helfer, Krankenfürsorge usw.. Das Ende der Welt a la Hollywood ist eine Fantasie, die mit der Realität des Lebens nichts zu tun hat. Darf ich hier noch einmal den Film empfehlen „Am Anfang war das Feuer”? Ein gerade für Theoretiker und Ideologen hochspannendes 10-Punkte-Highlight, bei dem sie erstaunt feststellen werden, wie ein Film ohne ein einziges Wort gesprochener Sprache die Zuschauer dennoch geradezu gefesselt vor dem Bildschirm gefangen hält.

Für Opportunisten sind Zeitenwenden sowieso kein bisschen schlimm. Jeder ist in seinem individuellen Maß ein Opportunist. Mehr oder weniger. Darüber hinaus bieten diese Veränderungen, je nach Ausmaß, allen bisher Zukurzgekommenen ungeheure Chancen, endlich groß heraus zu kommen. Würde beispielsweise mir morgen verboten werden, zu schreiben, was ich denke, dann würde ich’s einfach sein lassen und kein öffentliches Tagebuch mehr führen – mein normales Leben im Alltag wäre davon kaum betroffen. Es steht nur die Frage im Raum: Will ich so etwas? Oder: Will ich mir in einem wirtschaftlich zerstörten Land immerzu Gedanken machen müssen, wie ich den nächsten Tag meine Wohnung heize, wie ich übers normale Maß hinaus etwas zu Essen auftreibe, wie ich mich fortbewege, oder wie ich an Konsumgüter gelange, für die bisher ein Mausklick bei Amazon & Co. genügt? Man kann auch ohne Entertainment leben, wird genauso fleischlos oder fleischarm satt, stirbt nicht im Winter bei durchgehend 15 Grad in der Hütte, nur möchte ich das? Wir seien alle wohlstandsverwöhnt, wurde mir gesagt, dann bitte, es wird doch niemand gezwungen, so zu leben. Ich finde es arg merkwürdig, dass die Propagandisten eines Zurück zur Einfachheit allen anderen Menschen ihre Philosophie aufzwingen möchten.

Wenn mich nicht alles täuscht, dann entspringt der Trieb derjenigen, die alles Vorhandene zerstören wollen, einzig dem Neid – nicht allein dem Neid auf Materielles, ich selber bin sogar arm, da gibt’s nichts Beneidenswertes, sondern viel mehr noch dem Neid auf die Zufriedenheit oder das Glücklich-Sein anderer. Weil sie es selber nicht sind, ertragen sie es nicht bei anderen und wollen es ihnen wegnehmen oder kaputtmachen. Wie der Sandkasten im Kindergarten, in dem das eine Kind dem glücklich glucksenden anderen Kind seine Förmchen zerschlägt. Wie der mühsam errichtete Lego-Bau, den ein anderes Kind zerschlägt und sich am Weinen des kleinen Ingenieurs erfreut. So einfach ist das eigentlich; das ist das ganze Wesen sogenannter Weltverbesserer und deren Ideologien und Theorien.

Kleine Schwurbelei

Das gegenwärtige Verschwinden unserer Demokratie wird von einer Menge kluger Leute beschrieben. Detailliert und ausführlich mit sehr viel Text oder kurz und prägnant quasi als Resümee. Kommt es in der Bevölkerung an? Leider nein. Erstens da die links-grüne Medienmacht zu überwältigend ist, um sich dem immer und immer wieder entgegen zu stemmen; zweitens weil die Perfektion des Kopierens und des Ausbaus des stasi-technischen Manipulationsapparats gleich in mehrere gesellschaftliche Bereiche hinein geradezu in Vollendung gelungen ist. Deutschland mal wieder: wenn Deutsche etwas machen, dann aber gründlich.

Gerade heute schreibt Boris Reitschuster ein kurzes treffendes Resümee, genauso wie Rika sich seit Monaten die Finger wundschreibt, um die Widersprüche, die historischen Zusammenhänge aber auch die Doppelmoral der deutschen Politik insbesondere im Umgang mit Israel und unserem vermeintlichen „Kampf gegen Rechts” aufzuzeigen. Wie gesagt, es gibt noch etliche andere Beispiele, in denen unverzagte Autorinnen und Autoren versuchen, die Augen der Mitmenschen zu öffnen, die Leute zu sensibilisieren für objektive historische Wahrheiten (selbstverständlich sind Geschehnisse und Ereignisse objektiv erfassbar, allein ihre Interpretationen sind relativ). Doch beim Blick in die Medien muss man feststellen, dass all die Bemühungen der Aufklärung ins Leere laufen. Wie kann so etwas sein?, frage ich mich, warum rasen, wie zur Corona-Zeit, mittlerweile halbjährlich solche hysterische Monsterwellen durchs Land bzw. durch die Köpfe der Bevölkerung?

Ehrlich gesagt lässt mich diese Frage ziemlich ratlos zurück. Man fasst sich innerlich an den Kopf, denn das ständige Aufpoppen unsagbar beschränkter Parolen oder Slogans in der Bevölkerung ist eigentlich rational nicht wirklich erklärbar. Von Beispielen sehe ich jetzt ab, denn es bedarf nur eines Blickes in die täglichen Mainstreamnachrichten, um gleich dutzendweise solche wie Werbesprüche aufbereitete Strategien zu erfassen. In sämtlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens kommen sie heute vor und man kann sich ihnen gar nicht mehr entziehen. So wie in der Werbung mit den dümmsten Sprüchen und Aussagen Verkaufserfolge erzielt werden, funktioniert es heute auch in der Politik und bei den Medien. Der Unterschied zur Werbung besteht allerdings in den Auswirkungen und Konsequenzen. Über eine Überschuldung der Kunden hinaus, schadet die konsumorientierte manipulierende Werbung nicht sehr – wenn man von psychologischen Schäden einmal absieht -, hingegen wird von der politischen Werbung (für Krieg oder die Energiewende, für den Umbau der Gesellschaft etc.) das gesamte Land wirtschaftlich zerstört und Menschen anderswo leiden und sterben in von uns geschürten Kriegen. Am Ende muss zwangsläufig die Demokratie von oben abgebaut werden und die Grundrechte müssen genommen werden – danach dann wird bis auf eine wohlhabende Elite das gesamte Land zusammenbrechen. Übrig bleibt nur noch ein Chaos in persönlich brandgefährlichen oder sogar lebensbedrohlichen Zeiten.

Jaja, das ist wieder meine Spökenkiekerei, schon klar. Zu den Ursachen, die zu den Entwicklungen führen, kann ich nichts schreiben, da ich, wie gesagt, keine überzeugende Erklärung für die freiwillige Verdummung und Selbstentmündigung finde, doch zu den Auswirkungen lässt sich sogar allerhand schreiben, da sie logisch sind. Von der Mathematik verstehe ich nichts, woher die Zahlen 1 und 1 kommen, weiß ich nicht, doch wenn vor mit ein Apfel liegt und einer kommt hinzu, dann weiß ich, dass nun der Genuss gleich zweier Äpfeln ansteht. So ähnlich ist es auch beim Erfassen von gesellschaftlichen Entwicklungen.

Eine Reform dieser Verhältnisse scheint mir unmöglich, zumal sie nicht national erreicht werden kann, sondern mindestens europaweit in Angriff genommen werden müsste. Zuerst werden sich aber die machtpolitischen Kräfte aufsplittern, danach bekriegen – und ganz, ganz zum Schluss, wenn Europa völlig darnieder liegt, kann überhaupt erst mit einem Neuaufbau begonnen werden.

Okay, das ist meine schon mehrfach vorgebrachte pessimistische Weltsicht. Wobei ich sie eigentlich als pessimistischen Optimismus bezeichne, da meine Wenigkeit immer von einem guten Ende ausgeht, egal, wie lange es dauert und wie viele Opfer dieser Weg erfordert. Es muss aber nicht zwingend gut ausgehen.

Nun, wir alle werden davon nichts mehr mitbekommen. Trotz dass sich Entwicklungen oder gesellschaftliche Strömungen immer mehr beschleunigen, so wird wohl das gesamte 21. Jahrhundert weltweit einen Wandel der Gesellschaften erleben, wie es heute kaum vorstellbar ist. Die Demokratie, die wir aus Westdeutschland kennen und die ebenfalls für unsere Eltern und von den meisten sogar für die Großeltern galt, die somit wegen unserer geringen Lebensspanne von +/- 80 Jahren für jeden einzelnen Menschen als „schon immer so gewesen” verstanden oder erfühlt wird, ist in Wirklichkeit ein winziger Punkt auf der Zeitlinie der menschlichen Zivilisation. Man kann sie im zeitlich größeren Blickfeld auch nur als eine Art Atempause nach dem bereits schlimmen 20. Jahrhundert verstehen. Das ganze Leben eines Individuums wäre demnach nur ein Sandkorn der Zivilisationsgeschichte. Wohin die sich entwickelt, ist nicht vorhersehbar, allerdings sind immer wiederkehrende Komponenten der gesamten Menschheitsgeschichte die Zerstörung und der Wiederaufbau. Weshalb sollte diese logische Kette, die Hundetausende Jahre stets gleich funktionierte – und hier kann man tatsächlich von „bisher immer” sprechen – ausgerechnet heute durchbrochen werden? Von wem denn, von Scholz, Baerock, Habeck, Trump, Putin oder Biden? Sicher nicht, da braucht man ja nu’ keine besondere Gabe, um das zu erkennen.

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Nachtrag bzw. Ergänzung

Verfrühtes

Da war ich heute aber von den Socken: angekündigt für den 17. Januar, so wurde ich davon mitten im Schlaf geweckt. Mir war, als hörte ich im Traum ein Surren, stand kurz auf, wusste nicht genau, ist noch Traum oder ist es echt?, öffnete splitterfasernackt kurz die Wohnungstür – und tatsächlich war es der Postbote, der dieses ungeheuer schwere Paket vor die Wohnungstür gestellt hatte. Wie schön! Eine positive Überraschung durch DHL. Somit werde ich mich gleich morgen Früh nach der Arbeit an das Puzzle begeben. Bin ja mal gespannt. Eine Nacht muss der Gefrierschrank noch seinen Dauerbetrieb durchhalten, danach kann er sich erholen.

Skizziertes

Leider kann bzw. darf ich nichts Näheres über die neue Arbeit schreiben. Es wäre viel, ein langer Text würde entstehen. Es war nichts mit Teamarbeit, sondern ich bin nach wie vor alleine, was meinem Naturell natürlich sehr entgegenkommt. Feierabend bedeutet somit eine menschliche Wandlung, wenn man so will, ein anderer Georg „entsteht”. Arbeiten nur des Geldes wegen.

Pro und Contra wie in so manch einer Amazon-Kundenrezension:

+ Den Arbeitsweg gehe ich zu Fuß, so kurz ist er.

+ Das Schichtmodell ist klasse; 2 mal 9,5 Stunden Nachtschicht, 4 Nächte frei, so ist der Rhythmus = ca. 85 bis 95 Stunden insgesamt pro Monat plus Zulagen.

+ Ich bin nach wie vor alleine (wie schon erwähnt).

– Kein gutes Umfeld bzw. Atmosphäre (darf ich aber nicht drauf eingehen).

– Keine körperliche Bewegung. Wer es unter dieser Bedingung schafft, dauerhaft nicht einzuschlafen, der gewinnt auch den Hauptgewinn im Lotto.

Neutral: kein Handy, Tablet, Multimedia oder ähnliches (lesen und schreiben geht aber). Neutral deshalb, da diese Abstinenz für einige Zeitgenossen sicher als Nachteil gewertet werden würde, von mir aber mit einem dicken Plus versehen wird, denn schließlich besitze ich erst seit ’23 ein Smartphone, seit das Online-Banking nicht mehr ohne geht. Eine Nacht von der virtuellen Welt abgeschnitten zu sein, das ist gut für den Kopf und noch besser fürs Gemüt.

Aussichten: Da bin ich zwiegespalten. Noch habe ich längst nicht alles kennengelernt, doch bis zur Rente möchte ich nach Möglichkeit dort nicht sein. Es ist von mir aus betrachtet allein eine Geldfrage.

Inneres Ich: „Wer geht denn schon gerne arbeiten? Alle machen das doch nur des Geldes wegen.”

Nein, das stimmt nicht! Von den über 35 Jahren in dem Job habe ich locker 25 bis 30 sehr gerne gearbeitet. Vor allen Dingen mit den Hunden draußen auf diversen Geländen. Klar, mein Leben lang habe ich nur 2/3-Jobs oder Halbtagsarbeit gemacht, da fällt es natürlich leichter, Freude an der Arbeit zu empfinden, als wenn man 5 Tage pro Woche oder mehr 10- oder 12-Stunden-Schichten schieben muss (entsprechend gering wird aber auch meine Rente ausfallen, ich werde bis zum Umfallen hinzuverdienen müssen). Dennoch hat mir bisher die meiste Zeit die Arbeit wirklich Spaß gemacht. Dieser neue Job nun, der macht mir zum ersten Mal von Anfang an keinen Spaß, absolut null. Aber durch das Schichtmodell ist er auch nicht schlimm; eine gewisse Zeit werde ich ihn wohl erledigen können. Wie sagte Beckenbauer? Schau’n mer mal.

Und das mit dem Schicksal ist ja sowieso so’ne Sache. 2023 habe ich gelernt, dass man nichts wirklich planen kann. Letztes Jahr am 7. Januar hätte ich mich niemals in der neuen Wohnung, der neuen Arbeit und in so manch anderen völlig neuen Umständen gesehen. Es wäre mir im Traum nicht eingefallen. Alles kam von ganz alleine; ich hatte die Veränderungen einfach nur hingenommen bzw. die mir gebotenen Chancen beim Schopfe gepackt – ohne Erwartungen – und Ja zu ihnen gesagt. Nicht das Geringste davon war geplant gewesen. Klar, hinterher ist immer leicht reden. Bei negativen Dingen ist es aber genauso – so gesehen habe ich einfach nur Glück gehabt. Bisher. Es kann morgen auch genau gegenteilig werden, das ist mir bewusst; es sollte jedem bewusst sein: Morgen kann schon dein letzter Tag anbrechen, da kannst du noch so sehr planen oder steinreich sein. Das Schicksal ist und bleibt die entscheidende Unbekannte im großen Spiel des Lebens. Je älter ich werde, desto weniger ist mir gewiss. Aber falls wir fallen, dann fallen wir alle in Gottes Hand: „[…] du fällst nie tiefer als in seine Hände” (die Strophe ab ca. Minute 1:35). Das ist schon ein gewisser Trost, finde ich.

Naja, nu’ isses doch etwas mehr Text geworden, nicht wahr? Einen besinnlichen Sonntag wünsche ich dir.

Es hakt in den Systemen

Meine Güte, was muss man heutzutage, wo alles automatisiert ist, höllisch und mit Argusaugen aufpassen: meine Festnetzrechnung der Telekom für Januar beträgt plötzlich über 100 Euro. Die Umzugsgebühr von 60 Euro wurde im Dezember erstattet, das war also der Grund für die Dezember-Gutschrift. Trotzdem bleibt die Januar-Rechnung noch immer 50 Euro teurer als mein Tarif vorsieht. Im Online-Kundencenter lässt sich diese Rechnung aber nicht herunterladen. Bei allen anderen monatlichen Rechnungen geht das, nur bei der aktuellen nicht. Es erscheint eine unspezifische Fehlermeldung, die besagt, ich solle es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen.

Also angerufen. Die ellenlange Prozedur mit dem Sprachroboter hinter mich gebracht, gewartet und gewartet, dann erklang die freundliche Stimme eines Menschen. 50 Euro seien die Anfahrtsgebühr, die der Techniker vor Ort aufgeschrieben hatte, teilte sie mir mit. Hallo? Sie fanden ihre eigene Anschlussdose nicht, suchten nicht danach und verschwanden. Dann musste ich zwei Wochen warten, bis ein neuer Techniker kam, die Dose sofort fand und binnen Sekunden den Anschluss freischaltete. Weshalb soll ich dafür 50 Euro bezahlen? Das sah die freundliche Service-Mitarbeiterin ebenfalls so und versprach, die 50 Euro Gebühr von der Rechnung abzuziehen. So weit, so gut.

Im Online-Account ließ sich die aktuelle Rechnung deshalb nicht herunterladen, weil die Telekom gerade eine technische Störung zu beklagen hat. So sagte es die Mitarbeiterin am Telefon und versicherte, mir manuell per E-Mail eine neue Rechnung zukommen zu lassen. Frohe Weihnachten und gute Wünsche für 2024 beendeten das Gespräch.

5 Minuten später war die neue Rechnung da. Es war aber die alte, die sich nicht herunterladen ließ. Keine Erstattung bzw. kein Abzug der 50 Euro Anfahrtsgebühr.

Also alles nochmal von Neuem: Roboter, Musik und warten. Nun war mein Gegenüber ein freundlicher nuschelnder Herr, der unsere Sprache nur rudimentär beherrschte. Na gut, er muss ja üben, braucht Praxis, dachte ich und redete fortan mit ihm eher in Kindersprache mit einfachen Begriffen und sehr langsam. Er schaute in seinem System nach und meinte, die Kollegin habe den Auftrag zur Erstattung der 50 Euro nicht erteilt. Mit allerlei nuschelnder Selbstgespräche, die er während seiner Eingaben tätigte, korrigierte er den Fehler der Kollegin. Nun sei alles richtig, versprach er. Im Folgemonat bekäme ich die 50 Euro erstattet.

Im Folgemonat? „Was bedeutet das für die fehlerhafte Rechnung, deren falscher Betrag bereits am 4. Januar eingezogen werde?”, fragte ich. Das könne man nicht mehr ändern, sagte der Herr, ich bekäme dann im Februar eine Erstattung für die Januarrechnung. „Und darauf soll ich mich verlassen?”, lautete meine Frage. „Ja, selbstverständlich”, antwortete er, ich könne mich zu 100 Prozent darauf verlassen. Also zahle ich am 4. Januar mehr als doppelt so viel, um Anfang Februar dann die Hälfte dieses falschen Betrags erstattet zu bekommen, also indem dann insgesamt eine Gutschrift erteilt werde. Kann man so machen, wenn’s denn funktioniert, ist zwar absolut inkorrekt, doch eine andere Möglichkeit bestünde nur dann, wenn der Mitarbeiter den Kontoeinzug generell aussetzen würde und ich manuell per Überweisung den Januarbetrag bezahlen würde. Im Februar könne ich dann der Telekom eine neue Einzugsermächtigung erteilen. Dieser Aufwand ist mir natürlich zu groß, so dass ich die fehlerhafte Rechnung bezahlen werde in der Hoffnung, im Februar die Korrektur zu erfahren. Wie gesagt, damit sind meine Argusaugen auch weiterhin gefordert.

30 Minuten nach diesem Telefonat (in denen ich bereits die Hälfte dieses Eintrags geschrieben hatte) bekam ich abermals eine E-Mail mit der Gutschrift der 50 Euro. In dieser E-Mail wurde von mir verlangt, die Gutschrift selber manuell im Account freizuschalten bzw. zu autorisieren. Nur so bekäme ich sie. Im Account sah ich dann, dass die Telekom diese Aufgabe schon freundlicherweise selber übernommen hat und die aktuelle Rechnung, die ich bis jetzt immer noch nicht einsehen kann, korrigierte, so dass der ausgewiesene zu zahlenden Endbetrag für den Einzug am 4. Januar jetzt anscheinend stimmt. Was ich allerdings erst glaube, wenn ich’s kontrolliert habe. Also weiterhin aufpassen.

Und falls du nun denkst, Ende gut, alles gut, dann wirst du in den nächsten Tagen noch eine viel unglaubwürdigere, da abstruse Geschichte über meinen Stromanschluss lesen. Der Stromvertrag wurde von EON nämlich im Nachhinein storniert, da der Netzbetreiber Einspruch gegen diesen Vertrag mit mir erhoben haben soll. Das sagte ein EON-Servicemitarbeiter. Es seien, so dieser Mitarbeiter, fehlerhafte Angaben von mir bei der Anmeldung gemacht worden. Welche, das kann mir bis heute keiner sagen, der Prozess meines Widerspruchs gegen die Stornierung ist nach wie vor noch offen. EON hat mittlerweile von mir eine Kopie meines Mietvertrags erhalten sowie ein Foto des Zählers. Wahrscheinlich hat niemand den Vertrag der verstorbenen Vormieterin gekündigt, das wäre für mich eine logische Erklärung. Seit Wochen bleibt dieser Vorgang allerdings unbearbeitet. Auch hier kann ich über das Ende noch nichts sagen.

Die Veränderungen des Services, die technisierte Herangehensweise bzw. die Automatisierung der Vorgänge mag ja in den meisten Fällen zu einer Arbeitserleichterung und Kostenersparnis führen, doch wie man sieht, sobald etwas außer der Reihe geschieht, ganz gleich, wessen Fehler es ist, versagt das komplette System. Das wird mir nach knapp 25 Jahren, in denen alles automatisiert verlief, nun besonders auffällig. Nichts funktioniert mehr reibungslos. Wenn man die Mehrarbeit der Kunden, die vielen Telefonate, Fotokopien, den Zeitaufwand als Kunde berechnen würde, scheint mir, es würde nur so von Kundengutschriften hageln. Nur leider wird dieser Aufwand nicht berechnet, hingegen jeder Handgriff der Unternehmen.

Ist das heute nun ein negativer Tagebucheintrag? Es ist – zumindest für mich – die Realität. Bei einem völlig normalen Wohnungsumzug gerate ich fehlerlos in die Mühlen großer Inkompetenz. Inkompetenz deshalb, da die unterschiedlichen in den Vorgängen eingebundenen Abteilungen (oder Unternehmen, wie der Netzbetreiber und der Versorger) keine funktionierende Kommunikation untereinander haben.

Harren wir also der Dinge, ändern kann man selber eh nichts daran. Gehab dich wohl und bis morgen in diesem Theater.

Der ewige Zwiespalt

Eine knappe Woche +X Galgenfrist bleibt, dann beginnt die neue Arbeit. Sie empfinde ich jetzt, obwohl ich noch keine einzige Nacht dort war, als den größtmöglichen Horror, den ich mir vorstellen könnte. Niemals hätte ich freiwillig so etwas ausgesucht. Es ist aber gerade keine andere Arbeit da und ohne hätte ich kein Geld mehr. Noch dazu kommt eine strikte Geheimhaltungspflicht. Falls ich hierüber im Tagebuch etwas schreibe und es sollte gelesen werden, wovon auszugehen ist, bedeutet das meine sofortige Kündigung. Es gäbe da nicht einmal eine Abmahnung zuvor, weil ich per Subunternehmen beschäftigt bin. Daher kann ich nichts weiter dazu schreiben und ebenfalls nicht erklären, weshalb die Arbeit denn Horror für mich ist.

Allerdings bestehen auch einige Vorteile: Erstens das Arbeitszeitmodell. Da habe ich eine Halbtagsbeschäftigung ausgewählt. Tatsächlich hatte ich die Wahl zwischen Vollzeit und Teilzeit. Um die 80, 90 Stunden werden es. Eine einzelne Schicht bleibt dennoch bei knapp 9,5 Stunden. Mit dem Lohn ließen sich gerade so – aber immerhin – meine Lebenskosten komplett bestreiten. Zweitens der Arbeitsweg; ich kann dorthin sogar binnen weniger Minuten zu Fuß gehen, die Stelle liegt tatsächlich vor der Tür.

Trotzdem ist’s schon Jahrzehnte her, dass mir eine berufliche Tätigkeit in vielerlei Hinsicht derart Bauchschmerzen verursacht. Es zieht sich wirklich alles in der Bauchgegend zusammen, ist also nicht nur sprichwörtlich gemeint. Andererseits schreibe ich seit Monaten von meinem Glück, den schicksalhaften und nie für möglich gehaltenen Geschehnissen, die eines unübersehbar zeigten: erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Was also, wenn diese neue Arbeit sich am Ende als eine Fortsetzung der Glückssträhne erweist, als Glied einer Kette, die logisch erst im Nachhinein verständlich wird? Damit meine ich, wenn alles wie in einem riesigen Puzzle-Theater jeweils nur einen Teil eines Gesamtbildes zeigt?

Wieder mal wird die Ansichtssache, also der persönliche Charakter und das Gottvertrauen, zum ausschlaggebenden Moment. Kinderleicht, alles negativ zu sehen, mit ein wenig von einer „alternativen Sichtweise” lässt sich dasselbe aber durchaus auch positiv sehen. In mir findet nun ein paar Wochen lang ein kleiner Wettstreit zwischen meinen Mitbewohnern statt, dem verschlagenen Teufelchen und dem um so mehr energischen Engelchen. Wer wird die Oberhand erhalten? Wer setzt sich am Ende durch?

Etwas über die eigene Befreiung

Ist es nicht seltsam, wie sich alles hin- und herbewegt im Leben: als junge Menschen wohnten wir in einer Studenten-WG, jeder besaß ein eigenes Reich, das eigene Zimmer, der Rest der Wohnung gehörte allen. Großartig und aufregend empfanden wir das gemeinsame Leben auf dem beengten Raum. Nach ein paar Jahren begannen alle Bewohner sich dennoch nach mehr Platz zu sehnen. Die Flugtation der Bewohner fing an. Irgendwann waren sämtliche Gesichter ausgetauscht, auch das meinige verschwand und ein neuer junger Mann genoss das Reich seines Zimmers. Mit meiner Liebsten wurde eine eigene Wohnung bezogen. Wir besaßen kaum etwas an Möbeln, so dass nach dem Einzug die große Wohnung dennoch leer dastand. In der Folgezeit fing der Konsum an auszuufern, regelrechte Wallfahrten nach Ikea fanden statt, bis dass die Wohnung am Ende wieder genauso vollgestopft mit Möbeln und Kram war, wie seinerzeit das beengte Studentenzimmer. Irgendwann danach begannen die Gespräche über Familie und Haus mit unendlich viel Platz. Auch das wurde später realisiert. Das selbe Spiel begann von Neuem.

Nur leider funktionierte es nicht dauerhaft. Scheidung und Trennung rissen die Lebens-WG entzwei wie zuvor die Enge die Studenten-WG. Bis auf kurze Jahre der Unterbrechung blieb ich alleine für mich. Platznot war im Haus aber kein Thema. In den letzten 30 Jahren sammelte sich dermaßen viel Kram an, dass ich den Überblick verlor. Er störte zwar nicht, da er sich gut verteilte, doch immer öfter nahm ich ihn auch als eine Art Belastung wahr. Was will man zum Beispiel im Internetzeitalter mit Tausenden billigen Taschenbüchern, die, wenn du eines aus dem Regal nimmst, bereits zerbröseln (vor allen Dingen bei Rowohlt-Bücher aus den 70er und 80er Jahren aber auch bei anderen der Billigverlage verwest das Papier schon nach 20, 30 Jahren)? Es ist dasselbe wie bei Schallplatten, CDs oder DVDs. Über ein, zwei Dekaden waren sie das Nonplusultra, bevor die fortschreitende Technik sie ersetzte. Für meinen E-Reader besitze ich eine Bibliothek von derzeit 60.000 E-Books, die den winzigen unsichtbaren Platz benötigen, auf dem Einzeller riesige Veranstaltungen und Feiern organisieren.

Zu den überflüssig gewordenen Büchern kommt die Kleidung hinzu, die ich nicht wegwerfen mochte, unnütze Möbel, nie gebrauchte Küchengerätschaften und ein schieres Sammelsurium von Krimskrams der letzten 50 Jahre. 95 Prozent von all den Dingen blieben Staubfänger und wurden nie mehr benutzt.

Das nur mal grob und ziemlich gerafft erzählt der Vorstellung halber.

Jetzt stehe ich vor all dem Zeug und werde mich locker von ¾ verabschieden. Es ist eine bis jetzt unvorstellbar große Aufgabe, die ich angehe, doch du wirst es vielleicht kaum glauben, ich freue mich riesig auf diese Art einer Entschlackung. Durchweg erlebe ich beim Packen der Kartons aber dem Zurücklassen der meisten Dinge Gefühle einer neugewonnenen Unabhängigkeit. Losgelöst vom Ballast der vergangenen Jahrzehnte wieder aufs Wesentliche reduziert zu sein, das ist ein überwältigendes Gefühl von Freiheit. Die materielle Verkleinerung führt zu einer geistigen Erweiterung ungeahnten Ausmaßes.

Vielleicht fällt mir diese Verjüngungskur auch deshalb so leicht, weil ich schon über 30 Jahre hauptsächlich in der digitalen Welt zu Hause bin. Ein Sammelsurium virtueller Dinge ist nach wie vor vorhanden, doch es nimmt vergleichsweise wenig Raum in Anspruch. Denke an die Film- und Serienarchive. Tausende Stunden Unterhaltung, für die in der analogen Welt ganze Regalwände von CDs und DVDs nötig wären; all das befindet sich auf Datenträgern, die einen Raum von der Größe einer Zigarrenkiste einnehmen.

Sobald der Umzug vollbracht sein wird, bin ich zwar wieder ein, zwei Wochen ohne Internet (mir fehlt die Erfahrung, um sagen zu können, wie lange ein Umzug des Telefonanschlusses letztlich dauert), aber Mata Hari hat ja schon bewiesen, dass damit zumindest teilweise die Offline-Zeit überbrückt werden kann.

Die Zeiten als Jäger und Sammler sind also definitiv vorbei. Es ist sinnlos geworden, Dinge zu horten, wenn Amazon binnen 24 oder oft sogar 12 Stunden selbst benötigte Kleinigkeiten für 2,50 Euro bis an die Haustür liefert. Amazon hat den Versandhandel weltweit revolutioniert. Darüber kann man geteilter Meinung sein, es ist aber heute so, wie es ist. So lange Wirtschaft und Infrastruktur funktionieren, ist eine übertriebene Vorratshaltung unnütz geworden und verschwendet nur den Raum, belegt den Platz zum Ausbreiten der eigenen Flügel. Sollte die Gesellschaft und das Land einmal zusammenbrechen, die Dystopie Wirklichkeit werden, dann hilft dir auch kein Halbjahres-Vorrat mehr, denn dann lernen wahrscheinlich alle Menschen das existenzielle Leben von Grund auf neu. Der Mensch ist anpassungsfähig, und das erstaunlich schnell. „Für schlechte Zeiten”, das galt früher als durchaus berechtigte Devise, trotzdem ist das Gefühl, durch preppern oder ähnliches eine persönliche Unabhängigkeit zu bewahren, ein trügerisches und, wie ich heute glaube, ein falsches Gefühl. Sollte das Land kaputtgehen, hilft es nicht, sich in den eigenen Kaninchenbau zurückzuziehen, sondern dann müssen alle daran mitarbeiten, das Land wieder zu reparieren, es neu aufzubauen. Ein Überleben für Jahre oder Jahrzehnte in einem Atombunker ist kein erstrebenswertes Dasein. Es kann durchaus sein, dass sich deren Überlebende wünschen würden, im Blitz eines Atomschlags gegangen zu sein, als in Depression, Zucht und Ordnung die letzten Jahre verbringen zu müssen.

Natürlich: das ist jetzt ein bisschen weit hergeholt, schon klar. Doch alles beginnt irgendwo im Kleinen; irgendwann kommt immer der Punkt, an dem materieller Reichtum und das Alles-Haben-Wollen ins Gegenteil umschlägt und dich zum Sklaven der Dinge und des Besitzes machen. Dummerweise bemerkt man diesen „Kipppunkt” selten, die materielle Vermüllung schleicht sich förmlich ins Leben unbemerkt ein.

In diesem Sinne der Befreiung demnächst mehr. Gehab dich wohl.

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Nachtrag: Ach, übrigens. Beim Sinnieren über die Vergangenheit flogen die Erinnerungen wieder dicht vor meinem inneren Auge vorüber. Was war eigentlich die glücklichste Zeit in meinem Leben? Eindeutig Mitte der 1990er Jahre. Ich bewohnte eine kleine Dachgeschosswohnung in der Mönchengladbacher Altstadt für 200 Mark Warmmiete. Kein Badezimmer, Außentoilette und eine eigens aufgebaute Duschkabine in der Küche. Der erste Windows-95-Rechner stand in einem mächtigen Turm unterm Schreibtisch und ein 15-Zoll-Röhrenmonitor ließ beim Rattern, Pfeifen und Zischen des Modems meinen Mund vor Faszination offen stehen, als ich die ersten Male in „Broken English” nachts mit jemandem in New York live chattete und wir uns über Star-Trek-Bildchen austauschten. Das erste Handy, ein gigantischer Hundeknochen, und das erste wegen seiner langen Akkulaufzeit wirklich zu gebrauchende Schnurlostelefon eröffneten eine bis dahin unbekannte Welt der zur Realität gewordenen Science Fiction. In der Küche mixte ich Teig und buk Omas Pfannekuchenrezept nach, ein weißer Toaster ohne Glühdrähte, den ich nach wie vor besitze und behalten werde, beeindruckte mich enorm, eine Funk-Küchenuhr, die ich nie mehr nachzustellen brauchte und die bis zum heutigen Tag an der Wand tickt, wobei sie nur alle 8 Jahre eine neue Batterie benötigt, vermittelten das Bild einer vollkommen neuen technischen Zeit. Dazu die neu gewonnene Freiheit wegen des Mauerfalls und der Wiedervereinigung, überall waren die Menschen positiv gestimmt. Frieden und Freiheit schienen plötzlich zum Greifen nah zu sein – all das zusammen ließ den Glauben, nun endlich in einer neuen gerechten Welt zu leben, zur Gewissheit werden. Eine nette hübsche Nachbarin kam bei Abwesenheit ihres Mannes und des Sohnes regelmäßig vormittags zu mir hoch und wir beide genossen das unkomplizierte Vergnügen erotischer Natur, von dem kein Mensch je etwas erfahren hat. Mein Auto war ein ausgedienter Firmenwagen, ein vergammelter VW-T3 Diesel, der mich dennoch nie im Stich ließ. Der ganze Materialismus stand auf Minimum aber trotzdem fühlte ich mich unsagbar reich als Teil einer neuen Welt. Geld besaß ich zu jener Zeit kaum, doch die Lebenshaltungskosten betrugen vielleicht ein Drittel von denen heutzutage. Was ich damit auszudrücken versuche: ich kenne auch die glückliche Welt des Minimalismus – danach schlich sich das „Erwachsenenstreben” mit immer mehr, stets das Neuste und auf Arbeit gefälligst in täglich neuer Kleidung (gesellschaftlicher Zwang) unbemerkt mehr oder weniger ebenfalls in mein Leben.

Nervöse Unruhe

Zwei Tage und Nächte konnte ich mal wieder kein Auge zutun. Im Bett hielt mich eine nervöse Unruhe vom Einschchlafen ab. Nicht im Sinne von nervös-rappelig mit hohem Blutdruck, sondern nervös-sorgenvoll. Wie soll ich das Bevorstehende nur alles organisieren? Alleine. Wie es praktisch umsetzen? Naja, da ich noch nichts hier sagen kann, belasse ich’s mal dabei. Jedenfalls nervöse Unruhe als Überschrift. Man liest ja heute eh nur Überschriften.

Mittlerweile empfinde ich nur noch leichte Schmerzen im Fuß und Bein. Auf einer Skala von 0 bis 10 vielleicht eine 2. Also kaum spürbar, doch im Bett bei den Einschlafversuchen stören sie gewaltig. Gestern lag ich 3 Stunden übermüdet aber schlaflos im Bett, heute habe ich’s frisch bezogen, eine Wärmflasche benutzt aber trotzdem blieb ich 2 Stunden wach, bevor ich wieder frustriert aufstand. Dazu dann noch der Unsicherheitsfaktor, da der Abschluss des Vorhabens fehlt, die endgültige Sicherheit. Es dreht sich im Kopf in Endlosschleife. Und das alles wegen einer älteren Bürokratin im Amt, die in einem staubigen Dach-Büro sitzt und für eine Tätigkeit von 5 Minuten Arbeitsaufwand bis zu 2 Wochen benötigt. Ohne deren Stempel geht’s aber keinen Schritt weiter. Ich muss somit noch freundlich und zuvorkommend zu dem Drachen sein. Hallo? Mein Name ist Georg, GEORG.

Welch ein Gejammer, nicht wahr? Einen jammerfreien Tag wünsche ich dir, es wird kalt im Lande.

Skizzenhaftes über die Identität (nachts während der Arbeit mit Stift „Mata Hari” diktiert)

Die indigenen Völker Nord-, Süd- und Mittelamerikas hatten den eindringenden Europäern nichts entgegenzusetzen und verloren in der Folge ihre Kultur, ihren Glauben und ihre Lebensweisen. Ihre Identität wurde beinahe völlig ausgelöscht. Den Ureinwohnern der britischen Inseln erging es nicht anders. Selbst die antike Weltmacht Rom war angesichts der eindringenden germanischen Stämme machtlos und ihr Imperium zerbröselte von innen heraus wie Blätterteig. Etlichen anderen Völkern ist es im Laufe der Jahrtausende ähnlich ergangen. Wer nicht in der Lage oder Willens war, das eigene Land vor Vereinnahmung anderer zu beschützen, musste sich halt vom Land und den eigenen Werten verabschieden. So einfach ist das im Grunde genommen. Der Stärkere setzt sich immer durch – wobei hierzu selbst Gandhi und Nelson Mandela gehören, deren Stärke sich auf ihr ganzes Volk übertrug, das damit sogar einer erdrückenden militärischen Übermacht auf Dauer Paroli bieten konnte. Stärke und Kraft können genauso innerlich vorhanden sein, sie müssen gar nicht äußerlich erkennbar sein. Eine Gesellschaft, die diese kollektive Stärke aber nicht aufbringt und ebenso militärisch etwaigen Eindringlingen nichts entgegenzustellen hat, wird sang- und klanglos untergehen.

Heute mag es modern sein, über die europäischen Eroberer Amerikas zu schimpfen, doch wer wird später über die Eroberer Europas insbesondere Deutschlands schimpfen? Denn diejenigen, die heute lauthals gegen die Ausrottung (Achtung, ein böses Wort folgt) der Indianer schimpfen und sich wünschen, diese Völker hätten die eindringenden Europäer besiegt, sind dieselben Leute, die bereitwillig und freiwillig ihre eigene Kultur ohne Gegenwehr anderen zu Füßen legen.

Wer wie die Fürsten beider deutschen Kirchen die Kreuze ablegt, leugnet nicht nur die eigene, ehemals die Gesellschaft verbindende Religion, nein, er lädt geradezu andere Religionen ein, ihren Platz einzunehmen.

Wer alle Menschen, die in Deutschland leben, unabhängig von ihrer Herkunft zu deutschen Staatsbürgern erklären möchte und ihnen das politische Wahlrecht zubilligt, darf sich nicht wundern, wenn bei den damit neu entstehenden Mehrheiten andere Kulturen und Lebensweisen als für alle Bürger bestimmend gewählt werden. Dann würde das große Heulen beginnen, was uns allen an Freiheiten genommen wird. Dabei wäre es nicht mal eine „feindliche Übernahme”, sondern entspräche viel eher einer freiwilligen Übergabe von Land, Lebensart und Leuten.

Wenn sogar das öffentliche Schimpfen darüber unter strenger Strafe gestellt wird, dann hätten wir den selbst angerichteten Salat, wir würden vergessen, wer wir waren und wer wir sind. Niemand würde je in unserem Namen die Eroberer ausschimpfen.

Noch haben wir die Wahl, dies alles zu verhindern, indem die grün-linke Kaste, die Zerstörer von Land, Natur und Kultur, aus der Regierung und den Medien abgewählt wird. Geschieht das nicht, so sind wir als Gesellschaft alle Folgen selber Schuld – und eigentlich könnte man den künftigen Eroberern dann nicht einmal einen Vorwurf machen.

Rot-Grün muss ein Ende finden zum Schutz der deutschen und europäischen Kultur. Ja, das mag heute als politisch rechts gelten, doch die Bewahrung der eigenen sowie der europäischen bunten und vielfältigen Identität ist in Wahrheit ein Menschenrecht.